Mehr Unfälle im Straßenverkehr

Zunehmende Ablenkung könnte eine der Ursachen sein

Verbraucher | Volle Kanne - Mehr Unfälle im Straßenverkehr

Eine erschreckende Entwicklung: Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten das zweite Jahr in Folge gestiegen. Roman Suthold vom ADAC spricht über die Gründe.

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Video verfügbar bis 19.07.2017, 14:00

Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten das zweite Jahr in Folge gestiegen. Demnach wurden im Jahr 2015 zweieinhalb Millionen Unfälle auf deutschen Straßen gezählt – das sind 4,6 Prozent mehr als 2014. Die Zahl der Todesopfer ist um 2,4 Prozent gestiegen. Bis vor zwei Jahren gab es immer weniger Unfälle und Verkehrstote – was hat sich seitdem im Straßenverkehr verändert?

Trotz der gestiegenen Zahl der Unfälle sei mit 3459 Toten im Jahr 2014 der traurige Rekord aus dem Jahr 1970, als insgesamt 21.332 Menschen im Straßenverkehr starben, in weiter Ferne, so das Statistische Bundesamt. Dies sei umso erfreulicher, da der Kraftfahrzeugbestand im Vergleich zu 1970 stark gestiegen ist.

Überdurchschnittlich gesunken sei in den letzten 25 Jahren die Zahl der Geschwindigkeitsunfälle. Dennoch sei nicht angepasste Geschwindigkeit nach wie vor die häufigste Ursache für tödliche Verkehrsunfälle – mehr als jeder dritte Verkehrstote fiel ihr zum Opfer.

Verkehrsteilnahme im Blindflug

Einen Grund für den Anstieg der Verkehrstoten insgesamt vermutet Dr. Roman Suthold, Leiter der ADAC-Verkehrsabteilung, im demografischen Wandel: Aufgrund ihrer schlechteren körperlichen Widerstandsfähigkeit hätten ältere Menschen ein höheres Risiko, bei einem Unfall tödlich verletzt zu werden. Dies gelte insbesondere dann, wenn sie als Radfahrer oder Fußgänger unterwegs seien. „Über 50 Prozent der getöteten Radfahrer waren älter als 65 Jahre“, führt Suthold an. Auffällig: Ein Anstieg der Unfälle sei bei den Motorradfahrern zu verzeichnen – sie seien offenbar durch das milde Wetter im Jahr 2015 verstärkt auf die Straße gelockt worden.

Als weiteren möglichen Grund führt er die Ablenkung an, die durch die Nutzung von Handy oder Smartphone am Steuer verursacht werde und zunehmend Probleme bereite. „Den Autofahrern ist nicht bewusst, dass jede SMS tödlich sein kann“, sagt Suthold und ergänzt: „Wer bei Tempo 50 für zwei Sekunden aufs Display schaut, fährt fast 30 Meter im Blindflug.“ Keine Nachricht und kein Anruf sei so wichtig, dass man dafür Leben aufs Spiel setze – weder das eigene, noch das anderer, betont der Experte. Allerdings gehe die Gefahr nicht alleine von abgelenkten Autofahrern aus, auch Fußgänger seien im Straßenverkehr zunehmend mit ihrem Smartphone beschäftigt und überqueren beispielsweise die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten.

Abgebogen und zu schnell gefahren

Abbiegeunfälle sind mit Abstand die häufigste Unfallursache, insbesondere die Linksabbiegeunfälle. Auch nicht angepasste Geschwindigkeit ist ein häufiger Unfallgrund. Darunter sei aber nicht zwangsläufig überhöhte Geschwindigkeit zu verstehen. Vielmehr bedeute dies, dass der Verkehrsteilnehmer seine Geschwindigkeit nicht den aktuellen Verhältnissen (etwa Nebel oder Schnee) angepasst habe, so Suthold. „Im Zweifel können 30 km/h auf der Autobahn eine nicht angepasste Geschwindigkeit sein.“

Insgesamt sei Geschwindigkeit nach wie vor der Killer Nummer eins im Straßenverkehr. Sie entscheide über die Schwere der Folgen, sagt Suthold. „Beim Zusammenprall mit einem PKW, der 65 km/h fährt, werden acht von zehn Fußgängern getötet. Bei einem Zusammenprall mit Tempo 50 überleben acht von zehn Fußgängern“, führt der Experte an. Deshalb solle bei all jenen, die zu schnell fahren, eine Verhaltensänderung erreicht werden. „Das können wir über Kontrollen und Strafen, vor allem aber auch durch Aufklärung schaffen. Wir müssen den Menschen immer wieder die Gefahren von zu schnellem Fahren klar machen.“

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