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Mikroplastik als unsichtbare Gefahr

Kunststoff zerfällt in Mikro- und Nanoteilchen und sammelt sich in unseren Böden. Gartenexperte Elmar Mai erklärt, welche Folgen das haben kann.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.04.2020

Mikroplastik als unsichtbare Gefahr

Mittlerweile ist Mikroplastik in der Umwelt allgegenwärtig: Im Boden, in den Binnengewässern und in den Weltmeeren. Verursacht wird das vor allem durch falsch sortierten Müll in Biotonnen sowie schlechte Entsorgung von Lebensmittelabfällen aus Supermärkten und der Industrie. Ein Ende der Kunststofferzeugung ist nicht in Sicht. Kunststoff oder Plastik ist, wie der Name schon impliziert, ein mehr oder weniger elastisches Material, das vorwiegend aus Erdöl-Derivaten – Stoffe, die bei der Abtrennung von Benzin, Diesel, Heizöl oder Teer übrig bleiben – gefertigt wird.

Je nach Ausgangsmolekül entstehen dann Stoffe wie Polypropylen (PP), Polyäthylen (PET), Polyvinylchlorid (PVC), Polystyrol (Styropor), Polyurethan (PU), synthetischer Kautschuk und viele andere. Ziel der Produktion solcher Stoffe ist deren geringes Gewicht bei langer Haltbarkeit und meist auch hoher Festigkeit. „Doch sobald sie als Abfall in die Umwelt gelangen, kehren sich die gewollten Eigenschaften von Kunststoffen in ein gewaltiges Problem um“, warnt Gartenexperte Elmar Mai. „Dort verbleiben sie sehr lange, zerfallen nur allmählich in kleinere Bestandteile – Mikroplastik genannt – und gelangen irgendwann in die Nahrungskette.“  

Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik

Was Mikroplastik in Organismen wirklich anrichtet, ist zwar noch nicht eindeutig geklärt, aber viele gesundheitliche Probleme werden auf Mikroplastik, das irgendwann auch zu Feinstaub, also Nanoplastik, zerfällt, zurückgeführt.

Die negativen Auswirkungen von Plastikmüll sind am besten in den Meeren erforscht. Dort landet es im Verdauungstrakt von Meerestieren. Angefangen bei Walen bis hin zu Kleinlebewesen wie Krill, führt es zu Verdauungsproblemen oder gar zum Tod. In den Körpern von Landtieren wurde Mikro- und Nanoplastik selbst in der Lymphe, im Blut oder in der Leber gefunden. „Die aktuellen Folgen sind unabsehbar“, so Mai, denn die Forschung stehe noch ganz am Anfang und es gebe noch viele offene Fragen. Trotzdem warnen Fachleute eindringlich davor, dass Nanoplastik durchaus schädlich ist.

Plastik in den Böden

„Man denkt zuerst, dass es bloß achtlos weggeworfene Plastikabfälle sind, die sich im Boden mit der Zeit zersetzen. Deshalb geht man davon aus, dass der eigene Gartenboden frei von Mikroplastik ist. Doch das ist weit gefehlt“, erklärt der Gartenexperte. „Denn selbst viele gärtnerisch angebotene Produkte enthalten Mikroplastik, sogar Blumenerde in Säcken.“ Es sind sogenannte Bodenhilfsstoffe und ummantelte Dünger, die als mineralischer Langzeitdünger Verwendung finden. „Acrylate wurden und werden Erden und Böden beigemischt, die wenig Wasserhaltigkeit besitzen wie beispielsweise Sandböden oder Torferde in Balkonkästen“, erklärt Elmar Mai. „Manche Acrylate selbst können fast das Zehnfache an Wasser absorbieren und bei Bedarf wieder abgeben und genau das hat sie als Wasserspeicher im Boden beliebt gemacht.“ Doch wie lange der Abbau dauert und in welche Endprodukte das Polymer zerfällt, ist bislang unbekannt. Ähnliches gilt für ummantelte anorganische Langzeitdünger. Ein sinnvoller Schritt sei es, das ursprüngliche Kunststoffgerüst von ummantelten Düngern durch Harze zu ersetzen, rät Elmar Mai.

Plastik in Böden
Quelle: imago/ All Canada Photos

Lange ging man davon aus, dass die künstlich erzeugten Polymere, also alle Kunststoffe, mit der Zeit wieder in das am Anfang eingesetzte Ausgangsmolekül, das sogenannte Monomer, zerfallen. „Diese Moleküle wären im Prinzip biologisch verwertbar“, erklärt der Gartenexperte. „Wenn einige auch erst einmal giftig für viele Organismen wären, da auch Weichmacher und Stabilisatoren freigesetzt werden, die Krebs oder hormonelle Wirkungen erzeugen können.“ Aber sie würden in biologischen Prozessen immerhin abgebaut werden. Doch dieser Prozess wird vermutlich länger als ein Menschenleben dauern, was bedeutet, dass Mikroplastik sich ständig im Boden anreichert.

Schadet Mikroplastik den Pflanzen?

Sobald Mikroplastik in seine Anfangsbausteine zerfällt, kann es durchaus zu toxischen Reaktionen bei Pflanzen führen. „Aber da macht die Dosis das Gift“, weiß der Gartenexperte. Was jedoch niemand abschätzen könne, sei die Frage, ob Mikroplastik Einfluss auf den Boden in seinen biologischen und physikalischen Eigenschaften hat und dadurch indirekt die Pflanzen und Bodentiere schädigt.

Eines lässt sich aber mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen: „Pflanzen haben keinerlei Organe, die Partikel egal welcher Größe aufnehmen können“, erklärt Elmar Mai. „Sie beziehen ihre Nährstoffe ausschließlich in gelöster Form, die an komplexen Strukturen im Boden pflanzenverfügbar angelagert sind.“ Diese komplexen Strukturen sind meist Huminsäuren (aus abgestorbenem pflanzlichem Material entstandene Säuren). „Auch das sind Polymere im weitesten Sinne, aber biologische“, erklärt der Gartenexperte. Ein Polymer an sich ist also nichts Negatives.

Kompost aus kommunalen Anlagen

Im Rahmen der Kreislaufwirtschaft gemäß des Abfall- Wirtschaftsgesetzes wird Müll in den meisten Kommunen getrennt und separat weiter verarbeitet bzw. entsorgt. Die meisten kennen daher auch die Biotonne, aus deren Inhalt dann kommunaler Kompost erzeugt wird. Doch kaum eine Tonne enthält reinen organischen Abfall, immer wieder finden sich auch Plastiktüten oder Kunststoffschalen dazwischen. Die werden alle mit zerkleinert und mit kompostiert und landen später als Mikroplastik im fertigen Biokompost.

„Ein reines Produkt zu erzeugen, würde derzeit einen fast unzumutbaren Sortieraufwand mit deutlich mehr Kosten bedeuten“, so Elmar Mai. „Würde man diese auf Biotonnen umlegen, würde der Müll vermutlich im Wald oder im Straßengraben landen.“ Bei günstiger torffreier Erde muss man also mit Mikroplastik rechnen, da hier kommunaler Biohumus verwendet wird. „Allerdings sollte man genau hinschauen“, rät der Gartenexperte, „denn es gibt auch Hersteller, die nur Holzabfälle mit gesicherter Herkunft kompostieren. Hier ist also die Gefahr von Mikroplastik gleich Null.“ Auch Torferde sei frei von Mikroplastik. „Das liegt an der Entstehung von Mooren in der ‚Vorplastik-Zeit‘.“

Alternativen

Kontrolliert mikroplastikfrei zu wirtschaften, bedeutet selbst sauberen Kompost zu erzeugen und einzusetzen. Auch Gartenexperte Elmar Mai befürwortet diese Methode. Es sei die sicherste Lösung: „Auch wenn diese Methode etwas Arbeit bedeutet, so ist sie doch die sinnvollste und ökologisch korrekteste.“

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