Schrittmacher fürs Herz

Neuer Minischrittmacher mit vielen Vorteilen

Keine Narkose, keine Operation und Risikominimierung: Einen neuen Minischrittmacher für das Herz feiern viele Mediziner schon jetzt als großen Wendepunkt in der Geschichte der Kardiologie. Allerdings kommt noch nicht jeder Herzpatient für das neue Hightech-Gerät infrage.

Der kleinste Schrittmacher der Welt ist weniger als ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Schrittmacher. Seit Dezember 2013 wird er weltweit in klinischen Studien erprobt. In Deutschland werden die sogenannten Kardiokapseln seit dem Jahr 2015 an verschiedenen Kliniken, beispielsweise der Universitätsklinik Tübingen, verwendet.

Ärzte sprechen dabei von einem Wendepunkt in der Herzschrittmachertechnologie. Die Kardiokapseln werden ohne Operation, also auch ohne Narkose, im Herzkatheterlabor implantiert. Das ist vor allem für ältere Patienten ein gesundheitlicher Vorteil, für die eine Operation ein erhebliches Risiko darstellt.

Weitere Vorteile für die Patienten

Der Minischrittmacher wird von der Leiste aus über einen Katheter an der Herzwand platziert und in der Nähe der Herzspitze direkt im Muskelgewebe befestigt. Die Kardiokapsel gibt elektrische Impulse für die Herzaktivität ab. Das System reagiert auf die Aktivität des Patienten und passt die Schrittmachertätigkeit an.

Narben unter dem Schlüsselbein, so wie bei konventionellen Schrittmacher-Operationen, gibt es nicht. Die Kardiokapsel kommt außerdem komplett ohne Drähte aus. Dadurch wird ein weiterer Risikofaktor ausgeschlossen, denn Drähte begünstigen Thrombosen in den Gefäßen und bergen die Gefahr von Infektionen.

Minuspunkte des Minischrittmachers

Die Kapsel ist teuer: Sie kostet etwa zehnmal so viel wie ein herkömmlicher Schrittmacher. Diese Kosten werden momentan noch nicht von den Kassen übernommen. Der Patient zahlt aber dennoch nicht mehr – die Mehrkosten werden derzeit von den Kliniken getragen.
Wie andere Geräte auch, enthält der Minischrittmacher, Batterie, Herzmesser und Taktgeber. Die Lebensdauer der Batterie soll, ebenso wie bei konventionellen Schrittmachern, etwa zehn Jahre betragen. Danach muss der Patient eine neue Kardiokapsel eingesetzt bekommen. Experten schätzen, dass drei Kardiokapseln in der Herzkammer Platz haben, ohne zu interagieren. Deshalb eignet sich die Kardiokapsel nur für ältere Patienten. Außerdem kann die Kardiokapsel bislang nur eine einzelne und nicht mehrere Herzkammern stimulieren. Damit ist sie zum jetzigen Zeitpunkt nur für rund 15 Prozent der Herzschrittmacher-Patienten geeignet. Noch steckt diese Technologie allerdings in den Anfängen ihrer Entwicklung und es gibt auch noch keine Langzeiterfahrungen mit den Kardiokapseln.

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