MRT-Kontrastmittel in der Kritik

Gadolinium kann sich im Gehirn ablagern

Verbraucher | Volle Kanne - MRT-Kontrastmittel in der Kritik

Forscher haben herausgefunden, dass sich das Kontrastmittel, das bei der Magnetresonanztomografie gespritzt wird, im Hirn ablagern kann. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner rät zur Vorsicht.

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Video verfügbar bis 02.03.2017, 14:00

Aufregung um die Magnetresonanztomografie: Vor einiger Zeit haben Forscher herausgefunden, dass sich der Kontrastmittelzusatz Gadolinium, das Patienten in einigen Fällen für die Untersuchung gespritzt wird, im Gehirn ablagern kann. In einer Stellungnahme rät der Bundesverband deutscher Nuklearmediziner zur Vorsicht beim Einsatz des Kontrastmittels. Viele Patienten sind nun verunsichert.

Die Magnetresonanztomografie, kurz MRT, gehört heutzutage zu den wichtigsten bildgebenden Verfahren. Dabei werden mithilfe von Radiowellen Bilder der inneren Organe und des Gewebes erzeugt.

In nur 20 bis 30 Prozent aller MRT-Untersuchungen wird ein Kontrastmittel benötigt – in der Regel immer dann, wenn es um Entzündungen oder Tumore geht. Durch das Kontrastmittel lassen sich verschiedene Gewebearten besser abgrenzen. Eine Pumpe schleust das Kontrastmittel in den Körper, wo es sich verteilt und die Organstrukturen besser sichtbar macht.

Einlagerung nach Mehrfachgabe

Lange Zeit galt die MRT als besonders aussagekräftige und verträgliche Alternative zum Röntgen. Vor einem halben Jahr haben japanische Forscher aber herausgefunden, dass sich Bestandteile des Kontrastmittelzusatzes Gadolinium nach der MRT im Gehirn ablagern können – eine Erkenntnis, die viele Ärzte überrascht hat. Detlef Moka vom Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner: „Das waren in der Regel Mehrfach-MRTs, bei denen durch Zufall festgestellt worden ist, dass es im Gehirn Anreicherungen gegeben hat. Meistens sind Patienten, die Mehrfach-MRTs bekommen, entweder Krebspatienten, Patienten mit schweren Entzündungsreaktionen oder schweren neurologischen Erkrankungen.“

Ganz wichtig zu erwähnen sei, dass Einlagerungen von Gadolinium im Gehirn nur bei einigen Patienten nach mehrfacher Gabe des Kontrastmittels nachgewiesen wurden, betont Professor Dr. med. Gerald Antoch vom Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie der Uniklinik Düsseldorf. „Ich glaube, es ist auch sehr entscheidend zu erwähnen, dass wir bislang wissen, dass es beim Patienten scheinbar keine gesundheitlichen Schäden verursacht“, sagt er. Zudem müsse man zur Kenntnis nehmen, dass die Einlagerung nicht bei allen MRT-Kontrastmitteln aufgetreten sei, sondern nur bei einem gewissen Teil. Für die Patienten bestehe bislang kein Grund zur Sorge. Detlef Moka vom Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner rät jedoch, falls möglich auf Alternativverfahren auszuweichen, bis eindeutig sicher ist, dass von dem gadoliniumhaltigen Kontrastmittel keine Gefahr ausgeht.

Im Einzelfall abwägen

Es gibt zahlreiche Diagnose-Alternativen, etwa den Ultraschall. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt immer von der Fragestellung ab. Jedoch bergen auch andere Verfahren Risiken, wie zum Beispiel die Computertomographie oder das Röntgen. Univ.-Prof. Dr. med. Gerald Antoch: „Gerade das ist ein Vorteil der Kernspindiagnostik, weil sie ohne Strahlenbelastung auskommt. Auch das muss man in die Risiko-Nutzen-Abwägung einbeziehen.“

Die meisten MRT-Untersuchungen kommen sowieso ohne Kontrastmittel aus. Vor jeder Untersuchung werde genau geprüft, ob ein Kontrastmittel für die Fragestellung notwendig sei oder nicht, sodass kein Patient einem unnötigen Risiko ausgesetzt werde. „Wenn wir dadurch, dass wir kein Kontrastmittel geben, möglicherweise eine Metastase übersehen, dann hat das einen Effekt auf den Patienten. Und das steht in keiner Weise zum Risiko einer möglichen Kontrastmittelgabe“, gibt Antoch zu bedenken.

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