Multiple Sklerose zum Abitur

Neurologische Ausfälle bei jungen Erwachsenen

Verbraucher | Volle Kanne - Multiple Sklerose zum Abitur

Die Multiple Sklerose tritt vor allem bei jungen Erwachsenen um das 20. Lebensjahr herum auf. Verena Brams bekam die Diagnose zum Abitur.

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5 min
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Video verfügbar bis 24.05.2017, 10:05

In Deutschland leiden mehr als 200.000 Menschen an einer Multiplen Sklerose, jedes Jahr kommen circa 2500 Neuerkrankungen hinzu. Bei der Multiplen Sklerose entzünden sich verschiedene Stellen in Gehirn und Rückenmark. Die genauen Ursachen sind unklar, fest steht, dass das Immunsystem seine Abwehrkräfte plötzlich gegen eigenes Gewebe richtet. Und das meist schon in sehr jungen Jahren.

Verena Brams bekam die Diagnose Multiple Sklerose zum Abitur. Die ersten Symptome hatte Verena mitten in den Abiturprüfungen. Für sie fühlte es sich an, als würde ihr Körper überall verkrampfen, bis sie sich fast gar nicht mehr bewegen konnte. Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronische Erkrankung, bei der in Gehirn und Rückenmark Entzündungen auftreten. Die genauen Ursachen sind nicht geklärt, eine wichtige Rolle spielt aber eine Fehlsteuerung des Immunsystems, das körpereigenes Gewebe plötzlich als fremd ansieht und bekämpft.

Auch genetische Faktoren haben an der Erkrankung Anteil. Die Entzündungen greifen die Hüllen von Nervenfasern an, die sogenannten Markscheiden, was dann zu neurologischen Ausfällen führen kann. Wenn das Gewebe zerstört wird, kommt es nach Abheilung der Entzündung zur Narbenbildung mit Verhärtungen. Manchmal heilen die entzündlichen Herde aber auch ohne Folgeschäden ab.

Wer erkrankt an Multiple Sklerose?

Die Multiple Sklerose tritt vor allem bei jungen Erwachsenen - um das 20. Lebensjahr herum – auf, einen zweiten Krankheitsgipfel gibt es bei Mittfünfzigern. In Deutschland leiden mehr als 200.000 Menschen an einer MS, jedes Jahr kommen ca. 2500 Neuerkrankungen dazu.

Die MS tritt in zwei wesentlichen Formen auf: schubförmig oder chronisch fortschreitend. Die Krankheit beginnt meist schubförmig, ungefähr bei 90 Prozent der Betroffenen. Bei Verena war das auch so: "In der Anfangszeit hatte ich alle vier bis fünf Wochen Schübe und war entsprechend oft krank, als Konsequenz dazu hab ich alles auf Eis gelegt." Bei der Hälfte geht die MS nach 10-15 Jahren in die chronisch-fortschreitende Form über.

Schub oder Attacke der Betroffenen

Bei einem Schub kommt es zu einem plötzlichen Ausfall von Funktionen, der dann vollständig oder teilweise wieder abklingt und eventuell dauerhafte Schäden hinterlässt. Wie häufig solche Attacken sind, lässt sich nicht vorhersagen. Bei der chronisch-fortschreitenden Form gibt es praktisch keine Krankheitspause, die Beschwerden verschlechtern sich langsam und kontinuierlich.

Die Anzeichen eines Schubes können sehr unterschiedlich sein, je nachdem, wo sich die Entzündung gerade abspielt. Generell typisch sind aber Sehstörungen, Lähmungen und Taubheitsgefühle. Später können auch Blasenstörungen hinzukommen. Viele Patienten leiden unter Begleiterscheinungen wie starke Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder depressive Verstimmungen.

Neurologische Untersuchung

Die Diagnose einer MS kann sehr schwierig sein und lange dauern, weil die Beschwerden so unterschiedlich ausfallen. Eine gründliche, neurologische Untersuchung liefert Hinweise auf mögliche Ausfälle, dazu misst man die Fähigkeit der Nerven, Impulse weiterzuleiten und untersucht das Nervenwasser aus dem Rückenmark auf mögliche Entzündungszellen. Denn die Entzündung greift die Hüllen von Nervenfasern an und kann sie komplett zerstören. Die beste Darstellung der entzündlichen Herde gelingt dann in der Regel mit einer Kernspinuntersuchung. Damit lässt sich auch erkennen, ob die Schäden frisch oder älter sind.

Rate an Schüben reduzieren

Für die chronisch-fortschreitende MS existiert bis heute keine wirksame Therapie, für die schubförmige gibt es dagegen eine ganze Palette. Die Medikamente setzen überwiegend direkt am Immunsystem an und unterdrücken die fehlgesteuerten Reaktionen. Manche gibt es als Tabletten, manche müssen gespritzt werden. Mit modernen Substanzen gelingt es heute, die Rate an Schüben um 30-70 Prozent zu reduzieren. Akute Schübe werden mit Kortison behandelt.

Neben der medikamentösen Therapie raten Ärzte dazu, dass die Patienten so viel Sport wie möglich treiben, um zum Beispiel Koordinationsfähigkeit, Belastbarkeit und Gleichgewicht zu trainieren. Darüber hinaus ist es ratsam, verschiedene Übungen zu Fitness oder Gleichgewicht in den Alltag einzubauen, zum Beispiel beim Zähneputzen den Stand auf einem Bein zu üben, Treppe statt Aufzug zu nehmen oder öfter das Auto durch das Rad zu ersetzen. Mit allen Maßnahmen gelingt es vielen MS-Patienten inzwischen, ein fast normales Leben zu führen. Das Vorurteil, dass die Patienten immer im Rollstuhl enden, ist lange überholt.

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