Mythen um die Mücke

Allerhand Weisheiten ranken sich um die Stechmücke: Nur bestimmte Menschen seien für Stiche anfällig, Licht ziehe sie besonders an oder der Schweißgeruch beim Sport. Was ist dran an diesen Mythen und wie entkommt man den kleinen Fieslingen?

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4 min
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26.08.2020
Video verfügbar bis 26.08.2021

"Nur weibliche Mücken stechen"

Stechmücken brauchen die Proteine aus dem Blut zur Eiproduktion. Da nur die Weibchen Eier produzieren, stechen auch nur die Weibchen und saugen das Blut.

"Stechmücken werden vom Licht angezogen"

Stechmücken werden normalerweise nicht vom Licht angezogen. Es gibt ein paar Ausnahmen. Wenige Arten reagieren auf bestimmte Wellenlängen, aber normalerwiese spielt das Licht eine untergeordnete Rolle. Stechmücken reagieren auf CO2, also verbrauchte Atemluft, und auf Duftstoffe, die über die Haut von Menschen und Tieren abgegeben werde. Viele Insekten wie Motten kommen wegen des Lichts, nicht aber die Stechmücke, sie wird von Ausdünstungen angezogen.

"Menschen mit bestimmten Blutgruppen werden häufiger gestochen"

Frau kratzt sich am Arm
Der Stich einer Mücke kann sehr unangenehm und unaufhörlich jucken.
Quelle: imago 0062309735

Hierzu gibt es keine gesicherten Studien. Es gibt auf jeden Fall kein „süßes Blut“ als solches. Der Hintergrund ist eher der: Jeder Mensch ist unterschiedlich attraktiv für Stechmücken aufgrund der Duftkomponenten und Chemikalien, die er abgibt. In Deutschland gibt es allerdings über 50 verschiedene Stechmücken-Arten, und jede Art präferiert andere Reize. Nicht jede Art bevorzugt einen bestimmten Menschen oder bestimmte Duftkomponenten.

Untersuchungen zu diesem Thema sind häufig auch nur mit einer oder zwei Stechmücken-Arten gemacht worden, sodass sich keine pauschalen Aussagen dazu treffen lassen. Hinzu kommt, dass sich überhaupt nur wenige Arten im Labor züchten lassen. Um kontrollierte Laboruntersuchungen machen zu können, müssen sie aber gezüchtet werden. Deswegen lassen sich auch viele andere Annahmen, z.B. dass Schwangere häufiger gestochen werden, nicht belegen.

"Beim Sport wird mehr gestochen"

Stechmücken werden zwar in erster Linie durch CO2 angelockt, aber auch durch chemische Komponenten, die mit dem Schweiß über die Haut abgegeben werden. Dazu tragen nicht nur die körpereigenen Substanzen bei, sondern auch die, die von der Bakterienflora auf der Haut produziert werden.

Treibt man intensiv Sport, gibt man auch mehr Schweiß ab und dadurch auch mehr Duftkomponenten. Das ist der Grund, warum auch mehr Stechmücken angelockt werden können.

"Mückenstiche können gefährlich sein"

Per se sind Mückenstiche relativ ungefährlich. Es gibt natürlich Menschen, die allergisch darauf reagieren. Nach einem Mückenstich sollte man nicht kratzen, weil das zu bakteriellen Sekundärinfektionen führen kann.

Gefährlich kann es dann werden, wenn die Stechmücken Krankheitserreger übertragen. Die Situation ist in Deutschland aber noch der große Ausnahmefall. Dagegen gibt es in anderen Ländern viele Krankheitserreger, die von Stechmücken übertragen werden. In Südeuropa z.B. werden immer wieder Ausbrüche und Einzelfälle von solchen Krankheiten beschrieben, und man muss davon ausgehen, dass solche Fälle in der Zukunft auch in Deutschland auftreten könnten.

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Warum breiten sich invasive, nicht heimische Arten hier aus?

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Die Ausbreitung von invasiven Stechmücken, also Arten, die die nicht zur heimischen Stechmückenfauna gehören, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Globalisierung und Klimaerwärmung. Durch die Globalisierung werden weltweit Stechmücken und Entwicklungsstadien von Stechmücken hin und her transportiert und können auch in Deutschland landen (z.B. durch Handel mit Gebrauchtreifen oder Pflanzen). Dazu gehören zum Teil wärmeliebende Mückenarten, wie die asiatische Tigermücke. Dann kommt die Klimaerwärmung ins Spiel: Je wärmer es hier ist, desto wohler fühlt sich diese Mücke. Sie kann sich sogar schon unter den augenblicklichen Bedingungen ansiedeln, und wenn es wärmer wird, fühlt sich die Mücke noch wohler und kann sich besser entwickeln.

Das Risiko, sich hier in Deutschland mit einem Krankheitserreger zu infizieren, der von Stechmücken übertragen wird, ist aber noch sehr gering. Eine Gefahr würde nur dann entstehen, wenn es Krankheiten wie z.B. das Gelb- oder das Westnilfieber in Deutschland geben würde. Dann könnten Mücken wie die asiatische Tigermücke zu potentiellen Krankheitsüberträgern werden. Wissenschaftler bekämpfen ihr Vorkommen daher schon jetzt.

Generell gilt: Es gibt über 50 Stechmückenarten, und jeder reagiert auf jede Art anders. Es gibt Menschen, die reagieren besonders heftig auf die asiatische Tigermücke, es gibt andere Menschen, die reagieren auf diese Mückenart kaum oder wenig und dafür auf einheimische Mücken sehr stark.

Welche Mittel helfen gegen den Stich?

Wärme hilft, z.B. in Form von so genannten Stichheilern, die auf die Stichstelle gedrückt werden und diese lokal kurz auf etwa 50 Grad erhitzen. Durch die Hitze werden Entzündungsreaktionen gedämpft. Kälte, in Form kühlender Salben oder Kühlpacks, hilft auch. Auch die eigene Spucke kühlt und wirkt leicht antibakteriell.

Wie sollte man sich schützen?

Generell sollte man abends die Brutstätten von Mücken wie z.B. stehende Gewässer meiden und sich mit langer Kleidung schützen. Im eigenen Garten sollte man Wassergefäße wie z.B. Vogeltränken oder Wassereimer nicht zu lange stehen lassen, sondern regelmäßig leeren und frisch befüllen. Das eigene Zuhause kann man zudem mit Fliegengittern schützen.

Es gibt auch chemische Abwehrmittel, die man auf die Haut aufträgt. Diese sollte man seiner Haut zuliebe aber nicht ständig nutzen, sondern lieber auf die o.g. Vorbeugemaßnahmen setzen. Bei den Abwehrsprays unterscheidet man solche mit natürlichen Substanzen und solche mit chemischen. Während die chemischen Sprays mit Wirkstoffen wie DEET oder Icaridin genau analysiert und standardisiert sind und nachgewiesenermaßen wirken, ist bei pflanzlichen Produkten die Wirkung nicht unbedingt gegeben.

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