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Nach der Thomas-Cook-Insolvenz

Wie geht es für betroffene Urlauber nun weiter?

Die Insolvenz von Thomas Cook trifft auch Urlauber aus Deutschland kurz vor den Herbstferien. Reiserechtsexperte Kay P. Rodegra erklärt, was Betroffene nun wissen müssen.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.09.2020

Mit den deutschen Reiseveranstaltern von Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste aus Deutschland unterwegs. Wie diese nach Deutschland zurückkommen, ist derzeit noch offen. Da die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, aus rechtlichen Gründen nicht mehr an ihr Reiseziel bringen darf, werden mindestens 21.000 Urlauber ihre Reise erst gar nicht antreten können. Betroffen sind Pauschalreisende von Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen. Wer eine Pauschalreise über diese Veranstalter gebucht hat, sollte sich direkt mit Thomas Cook in Verbindung setzen.

„Wer in Deutschland bei einem betroffenen Reiseveranstalter gebucht hat, ist durch das Pauschalreiserecht geschützt“, erklärt Kay P. Rodegra, Anwalt für Reiserecht. Bereits bezahlte Reisen seien durch eine Insolvenzversicherung abgesichert, der Sicherungsschein diene als Nachweis über den Versicherungsschutz. „Wird die Reise nicht mehr durchgeführt, bekommt der Urlauber bei Zahlungsunfähigkeit des Reiseveranstalters den vollen Reisepreis von der Insolvenzversicherung erstattet“, konkretisiert der Reiserechtsexperte. Befinde man sich bereits am Urlaubsort und sei der Rückflug Teil des Reisevertrags, so seien sowohl die Rückbeförderung als auch die Mehrkosten abgesichert.

Am Urlaubsort: restlicher Urlaub futsch?

Wer bereits am Urlaubsort ist, kann seinen Urlaub nicht in jedem Fall wie geplant zu Ende bringen. „Wird seitens des Reiseveranstalters oder dessen Insolvenzversicherung erklärt, dass der Urlaub vorzeitig abgebrochen werden muss, dann ist der Urlaub vorbei“, so Rodegra. Bei Zahlungsunfähigkeit des Reiseveranstalters bekomme der Urlauber die nicht erbrachten Leistungen anteilig von der Insolvenzversicherung erstattet.

„Hat der Reiseveranstalter eine Forderung des Hotels nicht bezahlt und wird der Urlauber vom Hotel dazu gezwungen, vor Ort nochmals zu bezahlen, muss der Reiseveranstalter die Zusatzkosten erstatten. Ist dieser zahlungsunfähig, muss die Insolvenzversicherung einspringen“, erklärt Kay P. Rodegra.

Versicherungssumme hoch genug?

Ob die Versicherungssumme der Insolvenzversicherung überhaupt ausreicht, um sämtlichen Kunden die bereits bezahlten Reisen zu erstatten, sei derzeit noch nicht klar.  Kay P. Rodegra: „Der Kundengeldabsicherer kann die Haftung bis zu einer Höhe von 110 Millionen Euro im Geschäftsjahr begrenzen. Da muss man sich die Sicherungsscheine der einzelnen Reiseveranstalter genauer ansehen. Wir wissen noch nicht, ob die Summe ausreicht, um alle Forderungen zu erfüllen. Vielleicht werden Reisepreise am Ende nur teilweise erstattet, aber das ist alles noch Spekulation. In einigen Wochen wissen wir mehr.“

Wenn die Reise noch nicht stattgefunden hat

Wer eine Pauschalreise, die in den kommenden Monaten stattfinden soll, bei einem Thomas-Cook-Unternehmen gebucht hat, kann nicht einfach vom Vertrag zurücktreten. „Solche Reisen sind noch nicht abgesagt. Vom Reisevertrag zurückzutreten ist in der Regel mit Stornokosten verbunden, das sollte man sich gut überlegen“, erklärt Reiserechtsexperte Rodegra. Wer einfach den Lastschrifteinzug rückgängig mache, werde vertragsbrüchig, warnt Rodegra. Er rät dazu, beim Reiseveranstalter nachzufragen, ob die Reise auch wirklich stattfinden werde. Allerdings sei fraglich, ob der Reiseveranstalter sich konkret genug äußert, um einen Rücktritt vom Vertrag seitens des Kunden zu rechtfertigen.

Reisenden, die lediglich einen Flug bei der Thomas-Cook-Tochter Condor gebucht haben, rät er, die Nachrichtenlage im Blick zu behalten. Nach Informationen der Fluggesellschaft sollen weiterhin Flüge durchgeführt werden. „Grundsätzlich gilt aber: Geht eine Fluggesellschaft pleite, müssen Kunden, die direkt bei der Airline gebucht haben, die Ticketkosten im Rahmen eines Insolvenzverfahrens anmelden. Eine Kundengeldabsicherung wie bei der Pauschalreise gibt es nicht“, gibt Rodegra zu bedenken.

Mit Material von ZDF, dpa

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