Pauken nach der Schule

Nachhilfe als Allheilmittel?

Verbraucher | Volle Kanne - Pauken nach der Schule

900 Millionen Euro im Jahr geben Eltern in Deutschland für Nachhilfe aus, in der Hoffnung auf bessere Noten für ihre Kinder. Doch bringt das wirklich etwas? Bildungsforscher Dieter Dohmen klärt auf.

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8 min
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Video verfügbar bis 10.02.2017, 09:45

Immer mehr Schüler nehmen heutzutage Nachhilfe – bei Mitschülern, Studenten oder Instituten. Die Branche boomt. Doch wem hilft das Extra-Büffeln für die Versetzung oder den besseren Notenschnitt?

Während es früher darum ging, versetzungsgefährdete Schüler damit zu retten, kriegt sie jetzt fast jeder: Nachhilfestunden. Nicht mehr nur noch Schüler mit einer kippeligen Vier oder einer schlechteren Note pauken nach dem Unterricht mit Nachhilfelehrern. Mittlerweile wird der private Unterricht auch dazu genutzt, um gute Noten zu halten oder sogar noch zu verbessern. Die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh hat vergangenen Woche eine Studie herausgegeben, aus der hervorgeht, dass 14 Prozent der Schüler zwischen sechs und 16 Jahren nach dem Unterricht Nachhilfe nehmen.

Der Direktor des Forschungsinstituts für Bildung und Sozialökonomie (FIBS), Dr. Dieter Dohmen, vertritt die Meinung, dass Nachhilfe nicht immer das beste Mittel ist. „Nachhilfe kann etwa dann sinnvoll sein, wenn es darum geht, fachliche Lücken zu schließen, die im Unterricht selbst nicht mehr geschlossen werden können.“ So etwas könne nach einer langen Krankheit oder nach einem Umzug passieren, wenn die neue Klasse mit dem Stoff schon weiter sei. Oder aber, wenn andere Möglichkeiten nicht zum Erfolg geführt hätten und es insbesondere um fachliche oder Konzentrations- und Motivationsprobleme gehe.

Neuer Trend: Online-Nachhilfe

Gerade mit dem Wechsel an die weiterführende Schule müssen sich die Kinder an neue Lerngewohnheiten anpassen. Am häufigsten bekommen Gymnasiasten Nachhilfe. Wählen können die Schüler zwischen der klassischen Nachhilfe beim Klassenkameraden, Freund oder Studenten, ebenso wie im Nachhilfeinstitut. Ganztagsschulen und Horte bieten ebenfalls wiederholende Unterrichtseinheiten für die Schüler an.

Neu ist der Trend Online-Nachhilfe, die Bildungsexperte Dahmen allerdings skeptisch bewertet: „Ein Onlineportal setzt Disziplin voraus, bei den meisten Schülern ist ja mangelnde Disziplin einer der Gründe, warum man Nachhilfe nimmt.“ Die Portale könnten zwar dabei helfen, Fragen zu Begrifflichkeiten oder Definitionen zu klären, aber meist seien zusätzliche Lerneinheiten nötig, um die schulischen Leistungen zu verbessern.

Auf den Nachhilfelehrer kommt es an

Für private Nachhilfestunden geben Eltern im Monat durchschnittlich 87 Euro aus. Das kann sich nicht jeder leisten. Dohmen rät, genau auf das Preis-Leistungsverhältnis zu achten: „Wenn ein guter Nachhilfelehrer 15 oder 20 Euro nimmt, dann kann es das unter Umständen Wert sein, andere sind mit sieben Euro manchmal schon überbezahlt.“ Während Nachhilfeunterricht bei einem kommerziellen Anbieter meist teurer ist, können Eltern Geld sparen, wenn sie sich einen guten Schüler aus dem Freundeskreis oder einen Studenten engagieren.

Hin und wieder wollen Eltern auch selbst aushelfen – laut Dohmen nicht immer die beste Lösung: „Eltern können eine Hilfe sein, wenn sie in der Lage sind, auf das Kind und seine „Notlage“ einzugehen und zudem die fachlichen und pädagogischen Fähigkeiten haben. Das ist aber eher selten der Fall“, weiß Dohmen: „ Häufig ist es wohl eher so, dass Eltern nicht die besten Lehrer sind, da die Erwartungen hoch und die Geduld oft begrenzt ist.“ Da sei es meist sinnvoller, jemanden von außerhalb als Nachhilfelehrer anzustellen. Nicht immer muss es dabei Einzelunterricht sein. In einer Gruppe zu lernen, kann durchaus sinnvoll sein, wenn die Teilnehmer sich gegenseitig motivieren. Das sei auch eine Typsache, so Dohmen.

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