Wahrnehmungsstörung nach Hirnschädigung

Neglect - Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder anderen Schädigungen des Gehirns kann es zum Neglect kommen - einer Wahrnehmungsstörung, die meist die linke Seite betrifft. Bei einem Drittel wird sie chronisch.

5 min
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16.06.2020
16.06.2020
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.06.2021

Der Neglect tritt vorwiegend nach einer Schädigung der rechten Hälfte des Gehirns auf. Dies ist vermutlich so, weil die rechte Hirnhälfte besonders wichtig ist für die Aufmerksamkeit in beiden Raumhälften, also rechts und links abdeckt. Die linke Hirnhälfte hingegen überwacht und steuert nur die rechte Raum- und Körperhälfte. Fällt die rechte Hirnseite aus, kann dieser Ausfall durch nichts kompensiert werden.

Ursache

Die Ursache für einen Neglect ist die Schädigung bestimmter Regionen in der rechten Hirnhälfte nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Hirntumor.

Durch diese Gewebsschädigung kann es zu neuropsychologischen Beeinträchtigungen, also Störungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Handeln oder in der Beweglichkeit kommen. Häufig betrifft der Neglect gleich mehrere Sinnesfunktionen.

Begleitstörungen der Neglect-Erkrankung

Patienten, die unter einem Neglect leiden, weisen häufig noch weitere Begleitstörungen auf wie beispielsweise Aufmerksamkeitsstörungen. Den Betroffenen fällt es schwer, Dinge gleichzeitig zu machen. Sie sind schon nach kürzester Zeit ermüdet.

Ein Problem ist häufig auch die mangelnde Krankheitseinsicht (Anosognosie). Gerade zu Beginn der Neglect-Erkrankung nehmen die Patienten ihre Erkrankung nicht als solche wahr. Oft sind die Patienten der Ansicht, sie hätten keinerlei Beeinträchtigungen, was wiederum die Behandlung mit ihnen erschwert und zu Belastungen und Spannungen in der Therapie und in der Familie führen kann.

Durch die Schädigung einer Gehirnhälfte kann zudem die Steuerung für die gegenüberliegende Körperhälfte (Halbseitenlähmung) ausfallen.

Behandlungsmöglichkeiten des Neglects

In den ersten Wochen nach einem neurologischen Ereignis, z.B. nach einem Schlaganfall, finden nur kurze Therapieeinheiten statt. Ziel aller Therapien ist eine Verbesserung der Alltagsleistungen der Patienten. In etwa zwei Drittel aller Fälle bildet sich der Neglect innerhalb eines Jahres zurück. Bei den restlichen rund 30 Prozent bleibt er chronisch. Das Gehirn lernt jedoch noch bis ins hohe Alter, weswegen regelmäßige Therapien sinnvoll sind und den Zustand des Patienten deutlich verbessern können.

Generell wird die Therapie individuell auf den Patienten und seinen Neglect angepasst. Verfahren wie die optokinetische Stimulation zum Beispiel haben das Ziel, die Wahrnehmung in der vernachlässigten Raumhälfte zu verbessern. So sollen Reize in diesem Bereich auch im Alltag schneller erkannt werden. Ergebnisse zur Wirksamkeit von Medikamenten in der Neglect Behandlung stehen noch aus. Sie können die Therapien unter Umständen unterstützen, aber nicht ersetzen. Im Alltag sollten Angehörige darauf achten, die vernachlässigte Seite des Betroffenen immer gezielt mit einzubeziehen, indem sie den Patienten z.B. stets von dieser Seite ansprechen.

Aspekt: Psyche

Neben der Funktionstherapie wird mitunter, gerade bei chronischem Neglect, auch eine Psychotherapie empfohlen. Liegt der Schlaganfall, der Unfall oder die neurologische Erkrankung länger als ein halbes Jahr zurück, werden die Menschen zum ersten Mal damit konfrontiert, dass die Veränderungen sie womöglich ein Leben lang begleiten werden und dass diese nicht mehr umkehrbar sind.

Darüber kann in einer psychotherapeutischen Behandlung gesprochen werden. Denn wenn es dem Patienten emotional schlecht geht, kann sich das auch negativ auf den Neglect auswirken und diesen verschlechtern.

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