Leben ohne Krankenversicherung

Eine Rückkehr in die Versicherung wird teuer

Verbraucher | Volle Kanne - Leben ohne Krankenversicherung

In Deutschland ist die Krankenversicherung Pflicht, dennoch leben etwa 128.000 Menschen ohne - vor allem Selbständige mit geringem Einkommen. Gesundheitsexpertin Regina Behrendt erläutert die Folgen.

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5 min
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Video verfügbar bis 06.04.2017, 14:00

In Deutschland gilt die Krankenversicherungspflicht. Dennoch leben hierzulande etwa 128.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Der Gang zum Arzt ist für sie mit hohen Kosten verbunden. Und ist man erst einmal aus der Krankenversicherung ausgetreten oder hat man es versäumt, die Beiträge zu bezahlen, wird die Rückkehr teuer.

Angestellte, die bis zu 4687,50 Euro brutto im Monat verdienen, müssen gesetzlich krankenversichert sein. Geringverdiener, Gutverdiener und Selbstständige sind von dieser Regelung ausgenommen. Sie haben die Wahl: Entweder sie gehen in die private Krankenversicherung oder sie melden sich freiwillig bei der gesetzlichen Krankenversicherung an.

Trotz Versicherungspflicht wird nicht kontrolliert, ob man tatsächlich versichert ist oder nicht. Viele Selbstständige versichern sich erst gar nicht oder melden sich ab, wenn ihnen die Krankenversicherung zu teuer wird. Im Krankheitsfall müssen die Betroffenen die Kosten für die Behandlung weitestgehend selbst tragen. „In diesem Fall zahlt die Krankenversicherung nur für die Behandlung akuter Erkrankungen und von Schmerzzuständen sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft. Außerdem werden Früherkennungsuntersuchungen übernommen“, erklärt Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Beiträge zurückzahlen

Für denjenigen, der wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung möchte, wird es teuer: Die nicht gezahlten Beiträge müssen zumindest teilweise nachgezahlt werden. „Wer keine Krankenversicherung hatte und laut Gesetz eigentlich versicherungspflichtig ist, fällt unter den sogenannten Auffangtatbestand“, erklärt Behrendt. „In diesem Fall werden die Beitragsschulden reduziert auf zurzeit rund 42 Euro im Monat.“ Dies gilt aber nur, wenn der Betroffene länger als drei Monate ohne Krankenversicherung war und in dieser Zeit keine Leistungen in Anspruch genommen hat.

Eventuell kommen noch Säumniszuschläge hinzu. „Der Säumniszuschlag ist quasi der Strafzins, weil man nicht gezahlt hat. Er beträgt ein Prozent“, sagt Regina Behrendt. Als freiwillig Versicherter müsse man jedoch alle ausstehenden Beträge nachzahlen – die Forderungen können dann leicht auf mehrere Tausend Euro anwachsen.

Beratung sinnvoll

Wisse man von seiner Beitragspflicht und zahle trotzdem nicht, könne man nicht damit rechnen, dass die Forderungen verjähren, so Regina Behrendt. „Wer aus wirtschaftlichen Gründen nicht zahlen kann, sollte sich mindestens um eine Ratenzahlung oder Stundung bemühen, damit ihm kein Vorsatz unterstellt wird“, ergänzt sie.

Unter bestimmten Umständen könne man auf Antrag bei der Krankenkasse die Beiträge reduzieren, indem ein geringeres Einkommen angerechnet werde. Dies sei zum Beispiel möglich, wenn man einen Gründungszuschuss erhalte oder wenn die Hälfte des Gesamteinkommens der Bedarfsgemeinschaft niedriger als das angesetzte Mindesteinkommen ist. Zudem dürfe man keine Einkünfte aus Vermietung haben und nur über ein begrenztes Vermögen verfügen. Für Betroffene sei eine Beratung bei der Schuldnerberatung oder der Verbraucherzentrale sinnvoll.


Privat Versicherte

Für privat Versicherte gilt seit 2009 die Versicherungspflicht. Auch privat Versicherte müssen die Schulden bei ihrer Krankenversicherung zurückzahlen, allerdings wird der säumige Betrag anders berechnet als bei gesetzlich Versicherten. Bei privat Versicherten wird der sogenannte Prämienzuschlag fällig. Dieser besteht in den ersten sechs Monaten aus der vollen Versicherungsprämie, in den nachfolgenden Monaten wird ein Sechstel davon angerechnet.

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