Kaputt kurz nach Ablauf der Garantie

Obsoleszenz: Zufall oder Absicht der Hersteller?

Verbraucher | Volle Kanne - Kaputt kurz nach Ablauf der Garantie

In der Fachsprache heißt es Obsoleszenz: Gemeint ist die Frage, ob elektronische Geräte absichtlich so gebaut werden, dass sie nicht lange halten - manchmal nur bis kurz nach Ende der Garantiezeit.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.02.2017, 14:00

Ob Waschmaschine, Mobiltelefon oder Fernseher – kaum ist die Garantie abgelaufen, gibt das Gerät den Geist auf oder meldet schwere Defekte, die eine Reparatur nicht mehr lohnenswert machen. Der Verdacht: Hersteller sorgen bewusst mit Schwachstellen dafür, dass ihre Produkte nach geraumer Zeit kaputt gehen - um die Kunden zum Neukauf zu bringen. Was aber können Verbraucher tun, um solchen Ärger zu vermeiden?

Ob Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Haushaltsgeräte oder Autos – dass heute vieles immer schneller kaputt geht, ist für viele Experten kein Zufall: „Geplante Obsoleszenz“ heißt das im Fachjargon. Dahinter steckt eine einfache Idee. Man stellt ein Produkt so her, dass es nach einer bestimmten Zeit – im Idealfall kurz nach Ablauf seiner Garantiezeit – kaputt geht. Ein Trick, mit dem die Industrie den Wachstumsmotor am Laufen hält, denn ein Produkt, das ewig hält, sorgt für sinkende Absatzzahlen und weniger Umsatz.

Ganz schöner Murks

Stefan Schridde kennt viele solcher Fälle von vorzeitigem Verschleiß. Seinen Job in der Wirtschaft hat der Betriebswirt aufgegeben, um den Murks zu bekämpfen. Dafür sucht er Gleichgesinnte über seine Website Murks-nein-danke.de (Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich). Ein Einsender berichtet ihm beispielsweise von einem Staubsauger, der elf Tage nach Ablauf der Garantie den Geist aufgab. Neupreis des Gerätes war 99 Euro – die Reparatur hätte 114 Euro gekostet.

Das Gerät führt er Leon Haro, einem Techniker und Fachmann vor. Der stellt bei genauerer Untersuchung schnell fest, dass viele Bauteile wie Propeller oder Gummidichtungen auf eine Lebenszeit von zwei Jahren ausgelegt sind. Haro: „Im Klartext: Das ist eine Rückentwicklung vom Feinsten. Selbst unsere Vorfahren waren in der Lage, bessere Geräte zu bauen, die länger gehalten haben und reparaturfreundlich waren. Solche Produkte gehören nicht ins 21. Jahrhundert.“

Studie wird vorgestellt

Fällen wie diesen wollte auch das Umweltbundesamt auf den Grund gehen. Im Rahmen einer Studie versuchte unter anderem Siddharth Prakash vom Öko-Institut Freiburg herauszufinden, wie lange Dinge halten – und wie man sie langlebiger konstruieren könnte. Prakash erklärt: „Das Problem ist, dass diese Entscheidungsgrundlagen den Verbrauchern nicht bekannt sind. Das heißt, ich weiß als Verbraucher nicht, (…) wie lange das Produkt halten wird. Diese Information liegt mir nicht vor.“

Technikmarkt Staubsaugerabteilung
Preis und Haltbarkeit stehen oft in einem direkten Zusammenhang. Quelle: imago

In einer vorab veröffentlichten Pressemitteilung des Umweltbundesamtes heißt es dazu: „Erste Zwischenergebnisse der Studie belegen eine kürzere ‚Erst-Nutzungsdauer‘, vor allem bei Fernsehgeräten, zum Teil auch bei großen Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Kühlschränken.“ Weiter heißt es: „Strategien gegen Obsoleszenz müssten grundsätzlich ein breites Spektrum an Maßnahmen berücksichtigen, die sich sowohl an die Hersteller als auch an die Verbraucher richten.“ In der Pressemitteilung wird auch Rainer Grießhammer, Mitglied der Geschäftsführung vom Öko-Institut, zitiert: „Heute werden mehr Elektro- und Elektronikgeräte ersetzt, obwohl sie noch gut funktionieren. Häufig sind Technologiesprünge, wie bei Fernsehgeräten, ein Auslöser. Auf der anderen Seite stellen wir fest, dass der Anteil der Haushaltsgroßgeräte, die nicht mal fünf Jahre durchhalten und aufgrund eines Defekts ausgetauscht werden müssen, angestiegen ist.“

Billigprodukte vermeiden

Wie aber sollen diese Strategien aussehen, von denen das Umweltbundesamt spricht? Und was kann man als Verbraucher konkret tun, um sich vor solchem Ärger zu bewahren? Prakash: „Es gibt bei bestimmten Produktgruppen Preisgrenzen, an denen man sehen kann, es kann einfach nicht sein, dass die Produkte so billig verkauft werden. Da kann man wirklich davon ausgehen, dass sie weder ausreichend getestet sind, noch hochwertige Materialien eingebaut haben, noch irgendwelche klugen Designentscheidungen eine Rolle gespielt haben.“ Deswegen empfiehlt Prakash: „Als Verbraucher sollte man Abstand von solchen Produkten halten.“

Neben dem Vermeiden von Billigprodukten, die größtenteils aus Fernost kommen, kann vor allem helfen: Reparieren und Selbstmachen. Geeignete Anlaufstellen sind sogenannte Repair-Cafés. Aber auch im Netz gibt es viele „Do it yourself“-Videos, die in einfachen Schritten erklären, wie man bestimmte Defekte selbst beheben kann. Zudem ist es ratsam, auf sogenannte Klassiker zu setzen, die sich schon seit langer Zeit großer Beliebtheit erfreuen. Es muss nicht immer das Neueste sein, mit tollen – aber letztlich unnützen – Zusatzfunktionen.

Anfassen – oder leihen

Weiter empfiehlt es sich, ein Produkt dort zu kaufen, wo man es „anfassen“ kann, um sich zumindest einen ersten Eindruck von der Verarbeitung zu machen. Auch sollte man sich erkundigen, wie lange Ersatzteile für das Gerät angeboten werden. Manchmal hilft auch ein Blick ins Netz, um sich anhand von sogenannten Kundenrezensionen ein Bild zu machen – auch wenn dabei Vorsicht geboten ist. Denn manche überschwängliche, positive Rezension stammt in Wirklichkeit aus der Feder des Herstellers.

Und schließlich: Bevor Sie ein Gerät kaufen, das dann nur sporadisch im Einsatz ist, fragen Sie bei Freunden und Bekannten, ob Sie es sich bei ihnen ausleihen können – oder es sich vielleicht gemeinschaftlich anschaffen möchten.

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