Obstbäume für den Garten

Tipps von Pflanzenexperte Elmar Mai

Verbraucher | Volle Kanne - Obstbäume für den Garten

Frisch geerntetes Obst aus dem eigenen Garten schmeckt besonders gut. "Volle Kanne"-Pflanzenexperte Elmar Mai erklärt, worauf es beim Pflanzen und Pflegen von Obstbäumen und Gehölzen ankommt.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.09.2017, 14:00

Obstbäume im Garten sehen nicht nur schön aus: Gleichzeitig kann man auch noch leckere Früchte ernten. Ob man sich für Äpfel, Birnen oder Quitten entscheidet, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Elmar Mai erklärt, worauf Sie bei Kauf und Pflege müssen. Der Gartenexperte empfiehlt zudem, auch Wildobst wie Sanddorn oder Felsenbirne zu pflanzen.

Frisch geerntetes Obst ist immer eine Bereicherung des Speiseplans. Wer intelligent plant, kann über einen langen Zeitraum frische Äpfel ernten, denn die Saison beginnt mit den frühesten Sorten im August und endet erst mit den Frösten im November mit der Ernte der Lageräpfel. Es gibt auch sogenannte Familienbäume, bei denen mehrere Sorten zusammen auf einem Stamm wachsen. Auch bei Birnbäumen gibt es eine reiche Auswahl, Quitten hingegen sind nicht sehr verbreitet, obwohl sie äußerst wertvolle Vitaminspender im Trio der Kernobst-Arten sind.

Kleine Sorten für kleine Gärten

Bei Obstbäumen geht die klare Tendenz zum Halbstamm oder Buschbaum. Solche Bäume sind deutlich kleiner als die klassischen Bäume auf Hochstämmen. Speziell bei den immer kleiner werdenden Gärten sind kleinere Bäume notwendig, außerdem ist die Ernte einfacher. Auch durch den richtigen Schnitt lassen sich Bäume im Zaum halten. Von einigen Arten und Sorten gibt es auch Spindelbäume, die sehr schlank wachsen, zum Beispiel die „Ballerina-Äpfel“. Grundsätzlich sollte man sich bei der Baumschule genau über die Wuchseigenschaften informieren und bei der Auswahl auf einen symmetrischen Wuchs achten.

Wenn der Baum keine Früchte trägt

Apfelbäume sind von Natur aus nicht selbst fruchtbar. Sie brauchen in der Regel einen anderen Apfelbaum als Pollenspender. Die Bestäubungsbiologie ist kompliziert und bedarf des Rates eines Fachmanns vor Ort. Oft wird die Schuld am Misserfolg bei der Ernte dem Wetter oder der Sorte in die Schuhe geschoben, in Wahrheit sind die Blüten nur nicht fruchtbar bestäubt worden. Eine früh blühende Apfelsorte etwa kann von einer spät blühenden logischerweise nicht befruchtet werden, zudem sind viele Sorten auch untereinander nicht fruchtbar.

Bei so genannten Familienbäumen sind bereits zwei Sorten, die sich gegenseitig befruchten können und zwei verschiedene Apfelsorten tragen, auf einen Stamm gepfropft. Mit der Zeit kann allerdings das Problem auftreten, dass eine der beiden Sorten abgestoßen wird. Auch hier sind sehr viel Erfahrung und Wissen nötig, um solche Probleme zu vermeiden.

Tipps fürs Pflanzen

Bäume ohne Erde – so genannte wurzelnackte Pflanzen – müssen an Trieben und Wurzeln stark zurückgeschnitten werden. Vorteil: Sie sind viel preiswerter. Sie sollten aber nur im Herbst gepflanzt werden – und zwar direkt nach dem Kauf: Dafür ein Loch buddeln, dann viel Wasser hineingießen, bis es richtig schlammig ist. Den Baum vorher noch einmal in Wasser stellen, bis die Wurzeln vollgesogen sind. Der Baum muss mit viel Wasser in den Boden gebracht werden, damit sofort ein Kontakt zwischen Wurzeln und Erde entsteht. Ziehen Sie einen ringförmigen Damm für Gießwasser und stützen Sie den Baum am Ende mit einem Pfahl. Die teurere, aber bequemere Alternative sind Pflanzen im Container, die sowohl im Herbst als auch im Frühjahr gepflanzt werden können. Das Pflanzen von Containerware ist viel leichter, da genügend Wurzeln vorhanden sind.

Fallobst
Fallobst sollte man sofort einsammeln.

Wer im Herbst pflanzt, sollte nicht mehr düngen. Gedüngt wird erst wieder, wenn der Laubaustrieb beginnt. Die Bäume brauchen ohnehin nicht viel Dünger, die Wurzeln sollen nämlich in der Erde suchen und sich ausbreiten. Im Frühjahr kann Langzeitdünger eingesetzt werden, wenn sich junge Bäume etablieren müssen.

Standort und Abstand

Nicht zu dicht pflanzen! Die Bäume müssen so weit auseinander gepflanzt werden, dass der Wind noch gut hindurchwehen kann. Im Endzustand dürfen die Baumkronen sich nicht berühren, sonst ist der Baum krankheitsanfälliger und das Obst fault schneller. Erfragen Sie den genauen Abstand bei der Baumschule, denn der hängt von der Sorte ab.

Grundsätzlich kann man die Bäumchen auch im Kübel pflanzen: Damit sollten Sie aber besser bis zum Frühjahr warten, um das Problem der Überwinterung direkt auszuklammern. Für Balkon und Terrasse immer Containerware verwenden.

Heimisches Wildobst

Unter Wildobst versteht man wenig genutzte oder kaum züchterisch bearbeitete fruchttragende Bäume und Sträucher. Wildobst ist sehr zu empfehlen, weil es ökologisch nahtlos in die Gärten passt. Viele der Arten und Sorten sind heimische Gewächse, die einheimischen, wild lebenden Tieren Nahrung spenden. Zudem können sie typischen Krankheiten und Schädlingen durch Jahrtausende lange Anpassung ohne Eingreifen des Gärtners widerstehen. Wildobst ist gut an die Böden und das Klima angepasst und verleiht dem Garten eine angenehme Natürlichkeit.

Sanddorn am Strauch
Sanddorn ist gesund und eine Zierde für den Garten. Quelle: dpa-bildfunk

Viele dieser Pflanzen kennen die Gärtner, ohne zu wissen, dass ihre Früchte essbar sind, etwa Amelanchier, die Felsenbirne, die häufig in Gärten Verwendung findet: als Ziergehölz mit schönen Blüten im Frühling und mit toller Herbstfärbung am Ende des Jahres. Wer seinen Garten extensiv pflegen und viele spannende Naturbeobachtungen machen möchte, hat mit Wildobst eine riesige Palette an Möglichkeiten.

Die schwarzfruchtige Apfelbeere, Aronia melanocarpa, ist ein sensationeller Vitaminspender, ebenso der Sanddorn. Beim Sanddorn ist es wichtig ist zu wissen, dass es männliche und weibliche Pflanzen gibt. Zur Ernte werden Zweige geschnitten: Sanddorn trägt nämlich am besten an frischem Holz, das durch radikalen Schnitt gefördert wird. Auch heimische Bäume wie die Eberesche und Verwandte bieten ein Feld für Entdeckungsfreudige.

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