Ohne Unterhalt

Viele Alleinerziehende bekommen keinen Kindesunterhalt

Verbraucher | Volle Kanne - Ohne Unterhalt

Viele Alleinerziehende warten vergebens auf die Unterhaltszahlungen vom Ex-Partner. Wie Sie trotzdem an Ihr Geld kommen, verrät Nicola Berkhoff vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.05.2017, 14:00

Nicola Berkhoff vom Verband allein erziehender Mütter und Väter erklärt, wie Eltern, die keinen Unterhalt erhalten, Unterstützung bekommen können.

Die Hälfte aller Alleinerziehenden bekommt keinen Kindesunterhalt und ein weiteres Viertel bekommt ihn unregelmäßig oder in unzureichender Höhe – diese Schätzung stammt von Nicola Berkhoff vom Verband allein erziehender Mütter und Väter, Landesverband Nordrhein-Westfalen (VAMV NRW). Einige Unterhaltspflichtige seien nicht in der Lage zu zahlen, andere seien nicht willens. Wobei bei ersterer Gruppe zumindest Skepsis angebracht sei: „Ich bin ganz sicher, es gibt viele, die könnten aber wollen nicht und verdienen zufällig 900 Euro – also den Eigenbehalt. Das ist schon erstaunlich.“ Im Übrigen seien Unterhaltspflichtige eigentlich sogar verpflichtet, so viel zu arbeiten, dass sie den Unterhalt zahlen können: „Wenn der Vater mit seinem Job nicht genug verdient, dann muss er eben einen Minijob dazu nehmen.“ Das Problem sei allerdings, dass es keine Instanz gebe, die überprüfen würde, ob der Unterhaltspflichtige sich überhaupt bemühe, genug zu verdienen, um Unterhalt zahlen zu können: „Jemand müsste die Bewerbungen des Vaters überprüfen – wie beim Jobcenter.“

Prinzipiell stünde den Alleinerziehenden bei unregelmäßigen, unvollständigen oder ausbleibenden Unterhaltszahlungen natürlich auch der Klageweg offen: „Ich rate in jedem Fall, eine Klage einzureichen", sagt die Expertin. So habe man am Ende einen Titel – damit könne man eine Zwangsvollstreckung erwirken.

Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt

Wenn ein Unterhaltspflichtiger seinen Unterhaltszahlungen nicht oder nur unzureichend nachkommt, kann der Alleinerziehende einen sogenannten Unterhaltsvorschuss beantragen – in der Regel beim zuständigen Jugendamt. Das zahlt für Kinder bis zum Alter von fünf Jahren 145 Euro im Monat und für Kinder von sechs bis elf Jahren 194 Euro im Monat. Berkhoff: „Das ist eine Ausfallersatzleistung, die nur sechs Jahre durchgehend oder bis das Kind zwölf ist, gezahlt wird. Danach ist die Frau auf sich allein gestellt – entweder sie schafft das mit ihrer Teilzeitstelle oder die ganze Familie geht in Hartz IV.“ Und da Letzteres „ganz oft der Fall“ sei, sieht Berkhoff in dieser Sache „gesetzgeberischen Handlungsbedarf“.

Ebenfalls beim Jugendamt angesiedelt ist der Fachdienst Beistandschaft – hier können sich Alleinerziehende kostenfrei dabei unterstützen lassen, den Unterhaltsanspruch der Kinder durchzusetzen. Wobei der Beistand niemals Partei für die Mutter oder den Vater, sondern immer nur für das Kind ergreift. Berkhoff: „Die arbeiten wie ein Anwalt für das Kind. Sie rechnen aus wie hoch der Unterhalt ist – und sie versuchen außergerichtlich eine Einigung herbeizuführen und wenn das gar nicht geht, dann gehen sie auch den Klageweg.“

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