Leben und sterben ohne Schmerzen

Umfassende Versorgung dank Palliativmedizin

Schild Palliativ-Station im Krankenhaus

Verbraucher | Volle Kanne - Leben und sterben ohne Schmerzen

Der Bundestag hat das Hopiz- und Palliativgesetz beschlossen, mit dem die Versorgung von Menschen an ihrem Lebensende verbessert werden soll.

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Wer hilft, wenn alle lebenserhaltenden Maßnahmen ausgeschöpft wurden? Wie kann man Menschen ein lebenswertes Leben ermöglichen, wenn ihre Tage gezählt sind und ihre Schmerzen immer schlimmer werden? Was muss man bei der Begleitung des Kranken, aber auch der direkten Angehörigen beachten? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigt sich die Palliativmedizin.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert den Begriff Palliativmedizin als die „aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten, mit einer progredienten, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative (heilende) Behandlung anspricht und die Beherrschung der Schmerzen, anderer Krankheitsbeschwerden, psychologischer, sozialer und spiritueller Probleme höchste Priorität besitzt“.

Historisches

Cicely Saunders vom St. Christopher’s Hospice in England gilt als Begründerin der heutigen Palliativmedizin und Hospizarbeit. Sie formulierte die Ziele der Hospiz- und Palliativbetreuung mit dem Satz: „Nicht dem Leben mehr Tage hinzufügen, sondern den Tagen mehr Leben geben.“

Auch in Deutschland findet die Palliativmedizin immer mehr Anerkennung. So stehen inzwischen für die stationäre Versorgung an Krankenhäusern etwa 230 Palliativstationen zur Verfügung, allerdings mit sehr unterschiedlicher Verteilung auf die einzelnen Bundesländer und auch der tatsächliche Bedarf ist damit bislang nicht gedeckt.

Schmerzlinderung an erster Stelle

Mit dem Fortschreiten einer nicht (mehr) heilbaren Erkrankung leiden betroffene Patienten oft unter extremen Schmerzen und weiteren lebensbeschwerlichen Symptomen. Neben den körperlichen Beschwerden wird die Lebensqualität meist auch durch psychische und soziale Sorgen beeinträchtigt. Hauptziel der palliativmedizinischen Betreuung ist die Verbesserung und Erhaltung der Lebensqualität durch schmerz- und symptomlindernde Maßnahmen, ohne den Kranken zusätzlich zu belasten.

Palliativ kommt vom lateinischen „pallium“ und bedeutet „Mantel“: Die Maßnahmen der Palliativmedizin sollen sich wie ein schützender Mantel um den Patienten legen. Im Vordergrund steht die Behandlung und Linderung der vorliegenden Krankheitssymptome, um den Patienten ein möglichst beschwerdefreies Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Die Palliativmedizin sieht das Sterben als normalen Prozess. Sie will den Tod weder hinauszögern noch beschleunigen. Palliativstationen verstehen sich nicht als Sterbestationen. Sie sind auch keine Einrichtung der Dauerpflege. Ziel ist es, den Betroffenen eine Weiterbetreuung zu Hause oder in einer anderen Einrichtung wie einem Hospiz zu ermöglichen, um in Würde Abschied nehmen und sterben zu können.

Leben soll lebenswert bleiben

Die Palliativmedizin versorgt vor allem Patienten mit einem unheilbaren Krebsleiden sowie Patienten, die von einer unheilbaren chronischen Erkrankung betroffen sind. Viele dieser Patienten leiden unter typischen Symptomen wie Schmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen, Atemnot, Muskelschwäche, Bewegungseinschränkungen, Blasen- und Darmstörungen. Zudem verschlechtern Ängste und Depressionen bei vielen Patienten die Lebensqualität erheblich.

Die palliativmedizinische Therapie richtet sich gegen die jeweiligen Krankheitssymptome der Patienten und betreut diese bei psychischen oder psychosozialen Problemen. Hierfür ist eine eng aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachrichtungen, speziell ausgebildeten Pflegekräften, Sozialarbeitern, Seelsorgern und Psychotherapeuten notwendig.

Was gehört alles dazu?

Ein entscheidender Bestandteil ist die medikamentöse Schmerztherapie sowie die Symptomkontrolle im Verlauf der Behandlung. Daneben nutzt die Palliativmedizin sämtliche zur Verfügung stehenden Therapieformen, auch chirurgische Eingriffe sowie eine intensivmedizinische Versorgung, wenn diese, nach Abwägung von Nutzen und Risiken, zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beiträgt oder mit großer Wahrscheinlichkeit beitragen kann.

Neben einer auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichteten Krankenpflege kommt auch der psychologischen, seelsorgerischen und spirituellen Betreuung eine bedeutende Rolle zu. Im Zentrum sämtlicher therapeutischer Ansätze steht deshalb das „einfühlsame offene Gespräch“ zwischen den Patienten und dem betreuenden Personal. Die Patienten sollen jederzeit mitteilen können, wie sie Ihre Krankheit erleben und welche Bedürfnisse und Ängste sie haben.

Ausbildung weiter ausbaufähig

Die angemessene medizinische Versorgung und optimale Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen ist noch immer medizinisches Neuland. Ein Hauptproblem liegt in der defizitären Ausbildung von Ärzten. Erst vor fünfzehn Jahren wurde in Deutschland der erste Lehrstuhl für Palliativmedizin eingerichtet. Seitdem sind vier weitere dazugekommen. Im Juni 2009 wurde das "Gesetz zur Regelung des Assistenzpflegebedarfs im Krankenhaus" verabschiedet. Es sieht vor, dass Medizinstudenten künftig auch in der Versorgung Schwerkranker und Sterbender ausgebildet und geprüft werden.

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