Paranoide Schizophrenie

Wenn man das Wort schizophren hört, denken viele an verrückte Menschen, an Horrorfilme und an „gespaltene“ Persönlichkeiten. Aber was bedeutet es wirklich mit dieser Persönlichkeitsstörung zu leben? Wie kommen Patienten im Alltag mit der Krankheit klar?

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5 min
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24.10.2019
Video verfügbar bis 24.10.2020

Die Schizophrenie ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, bei der Betroffene ihre Umgebung in veränderter, oft beängstigender Form wahrnehmen. Auch die Gefühlsempfindungen sind gestört. Menschen mit einer schizophrenen Psychose leben phasenweise in einer anderen, realitätsfernen Welt, die von Halluzinationen und im Falle des Haupttyps, der paranoiden Schizophrenie, mit Verfolgungswahn und Beobachtungserleben geprägt ist.

Ursachen

Die genauen Ursachen sind ungeklärt, aber es werden verschiedene Auslöser für das Auftreten schizophrener Schübe verantwortlich gemacht. Dazu zählt die genetische Disposition, wobei aber in 80 Prozent der Fälle keine weiteren Betroffenen in der Familie sind. Mediziner gehen davon aus, dass Schizophrene auf äußere und innere Reize sensibler reagieren als andere Menschen. Insofern gelten auch belastende Situationen und Stress (posttraumatische Belastungsstörung) als Auslöser. Auch biochemische Ursachen, verbunden mit einer veränderten Gehirnstruktur bedingen höchstwahrscheinlich die Symptome.

Letztlich stört ein Ungleichgewicht der chemischen Substanzen (Neurotransmitter/Botenstoffe) wie Dopamin die Informationsverarbeitung im Gehirn, was zu einer veränderten Wahrnehmungswelt führt. Auch Drogen können zu einer Entgleisung des Botenstoffwechsels im Gehirn beitragen. Hirnforscher haben herausgefunden, dass auch die Gehirnstruktur Veränderungen aufweist: zum Beispiel ist das für das emotionale Empfinden wichtige Limbische System verändert. Zudem gibt es weniger Neuronen, die im Gehirn Reize weiterleiten.

Symptome

Eine Schizophrenie kann sich mit unterschiedlichen Symptomen äußern, die auch von der Krankheitsphase abhängen.

In der Vorphase der Erkrankung (Prodromalphase), die sogar schon Jahre vor der akuten Phase auftreten kann, haben Betroffene Schlafstörungen, depressive Phasen, sind antriebslos, nervös und unkonzentriert sowie unangemessen reizbar und angespannt. Viele reagieren auf Licht und Geräusche überempfindlich.
Geht die Erkrankung in die akute Phase über, kommt es zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen (Bedrohungsängste, Verfolgungswahn) – Fachleute nennen das die positiven Schizophreniesymptome. Viele Betroffene hören Stimmen, die sie bedrängen oder ihren Namen rufen.

Geht die Krankheit in die chronische Phase über, zeigen sich so genannte Negativsymptome, die von Antriebslosigkeit, Erschöpfung und mangelnder Emotionalität gekennzeichnet sind. Betroffene sind dann nicht mehr in der Lage, ihren Beruf vollwertig auszuüben, zeigen keine Freude mehr, verlieren das Interesse an Hobbys oder sozialen Kontakten. Oft klingt die eigene Stimme monoton, und die Mimik verliert an Ausdruck.

Die häufigste Form einer schizophrenen Psychose ist die paranoide Schizophrenie. Patienten leiden vor allem unter Wahnvorstellungen (u.a. Verfolgungs-, aber auch Beziehungswahn). Dabei werden harmlose Handlungen anderer (oft sogar vertrauter) Menschen als persönliche Bedrohung interpretiert. Charakteristisch sind die akustischen Halluzinationen in Form von Stimmen, deren Aussagen (oft Kommentare oder Beschimpfungen, manchmal auch Befehle) als absolut real wahrgenommen werden.

Diagnose

Da die ersten Anzeichen häufig unspezifisch sind, wird die Diagnose oftmals erst spät gestellt, meist in einer Fachklinik oder von einem Facharzt für Psychiatrie. Es gibt festgelegte Kriterien und spezielle klinische Fragebögen zu den Leitsymptomen einer Schizophrenie, die in einem ausführlichen Gespräch abgefragt werden (beispielsweise zu Stimmen, Wahnvorstellungen, Halluzinationen aller Sinne, apathischem Verhalten, verflachten emotionalen Regungen etc.).

Wichtig ist, dass andere Hirnerkrankungen (Hirntumoren, Epilepsie) ausgeschlossen werden. Für die Diagnose werden Blut- und Urinuntersuchungen (als Nachweis für Stoffwechselstörungen oder Drogeneinfluss) ebenso vorgenommen wie diverse bildgebende Untersuchungen (Computertomografie, Kernspintomografie). Die Diagnose kann unter Umständen schwerfallen, weil eine Schizophrenie auch zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen (bipolare Störung, Angststörung) auftreten kann.

Therapie

Schizophrene Psychosen werden in erster Linie mit Medikamenten behandelt. Dabei spielen Medikamente, die den Stoffwechsel der Botenstoffe regulieren und Halluzinationen, Wahnvorstellungen sowie Angstzustände reduzieren, eine entscheidende Rolle. Diese Antipsychotika (auch als klassische oder atypische Neuroleptika bezeichnet) sind wirksam, haben aber zum Teil starke Nebenwirkungen - vor allem die klassischen Neuroleptika - wie Muskelzuckungen, Zittern, extremer Speichelfluss, Mattigkeit, verminderte Reaktionen und starke Gewichtszunahme. Dadurch steigt das Risiko, dass Patienten vor allem in akuten schizophrenen Phasen die Medikation absetzen, was in der Regel zu schweren Rückfällen (mit erhöhter Suizidgefahr) führt.

Mitunter werden zusätzlich auch Antidepressiva und Beruhigungsmittel verschrieben. Seit kurzer Zeit hat sich auch die Meinung durchgesetzt, dass eine begleitende Psychotherapie hilfreich sein kann. Eine gezielte Psychotherapie soll Betroffenen ermöglichen, beängstigende Wahrnehmungen besser zu verarbeiten, Frühwarnzeichen zu erkennen und mit Stress oder belastenden Situationen besser umzugehen.

Genesungsbegleiter

Zusätzlich zu den therapeutischen Ansätzen gibt es so genannte ‚Ex-in’-Genesungsbegleiter, die Betroffene im Alltag unterstützen und bei akuten Krisen zur Seite stehen. Es handelt sich dabei um selbst von einer psychischen Erkrankung Betroffene, die ihrer Krankheit bereits reflektiert gegenüberstehen und anderen Betroffenen aus der eigenen Erfahrung heraus gezielt helfen wollen. ‚Ex-in’ kommt aus dem Englischen und steht für ‚experienced involvement’, also das Einbeziehen anderer therapieerfahrener Menschen.

Wer Genesungsbegleiter werden möchte, muss eine einjährige Ausbildung absolvieren, deren Inhalte deutschlandweit festgelegt sind. In Deutschland sind inzwischen fast 400 Genesungsbegleiter tätig, unter anderem an Kliniken, an sozialpsychiatrischen Zentren, in der beruflichen Rehabilitation oder in der Jugendhilfe.

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