Pflege durch Angehörige

Wie Sie Überforderung vermeiden

Verbraucher | Volle Kanne - Pflege durch Angehörige

Wer Angehörige zu Hause pflegt, braucht vor allem Zeit - wer sie im Heim pflegen lässt, braucht vor allem Geld. Wofür also sollte man sich entscheiden?

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.05.2017, 14:00

Die meisten Menschen möchten ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen. Doch wie soll das funktionieren, wenn man sich nicht mehr selbst versorgen kann? In der Regel springen Angehörige ein und übernehmen die anfallenden Aufgaben – eine Herausforderung, die schnell zu Überforderung führt.

Je nach Dauer und Intensität geht die Pflege von Angehörigen an die Substanz. Vor allem im Umgang mit dementen Menschen kommt man schnell an seine Grenzen. Körperlicher und auch geistiger Verfall verändern einen Menschen und fordern viel Toleranz und Geduld vom Pflegenden. Pflegeexpertin Heike Nordmann rät, die Entscheidung, die Pflege für einen Angehörigen zu übernehmen, ganz bewusst zu treffen – nicht aus falschem Pflichtgefühl oder finanziellen Gründen. „Pflege verändert auch das Verhältnis, die Beziehung zueinander, mitunter massiv. Deshalb sollte auch möglichst in einer Art ‚Familienrat‘ besprochen werden, wer welche Hilfe leisten kann und welche Hilfe die pflegebedürftige Person annehmen kann“, so Nordmann.

Vor Überforderung schützen

Häusliche Pflege erstreckt sich oftmals über mehrere Jahre. Nordmann warnt: „Auch bei besten Absichten kann man irgendwann an seine Grenzen gelangen. Nicht selten kommt es dann zu Handlungen, die man sich nie vorstellen konnte. Gerade mit Demenzkranken ist es schwierig, immer die Nerven zu behalten, die Person nicht anzuschreien oder gar handgreiflich zu werden. Alle Alarmglocken sollten läuten, wenn man von Außenstehenden auf problematische Handlungsweisen angesprochen wird oder wenn man sich vor dem eigenen Tun erschreckt.“ Wichtig ist, immer wieder zu prüfen, ob die Pflege zu Hause noch die angemessene Lösung für alle Beteiligten ist – bevor die Situation brenzlig wird.

Sobald sich eine längere Pflege abzeichnet, solle man die Organisation des Alltags auf möglichst viele Schultern verteilen, rät die Pflegeexpertin. „Zudem bietet die Pflegeversicherung Möglichkeiten, sich professionelle Hilfe von Pflegediensten ins Haus zu holen. Helfen kann auch, sich eine Auszeit zu nehmen, etwa durch Tagespflege oder Betreuungs- und Entlastungsleistungen“, so Nordmann. Als „Pflegender“ darf man vor allem auch sich selbst nicht vergessen und muss die eigenen Belastungsgrenzen akzeptieren, sonst lässt sich die Pflege nicht gut über einen längeren Zeitraum bewerkstelligen.

Helfende Angebote

Angehörige können sich bei der Pflegekasse der zu pflegenden Person beraten lassen. Manche Pflegekassen bieten auch spezielle Programme für pflegende Angehörige an. Zudem weist Nordmann auf Angebote im direkten Umfeld hin:

„In vielen Bundesländern haben Kommunen und Pflegekassen sogenannte Pflegestützpunkte eingerichtet. Dort kennt man auch ehrenamtliche Unterstützungsangebote wie Kirchenkreise, Nachbarschaftshilfen oder Pflegebegleiter. Angehörige sollten sich frühzeitig erkundigen, welche Optionen in ihrem Umfeld angeboten werden.“ Außerdem sollen Krankenkassen für pflegende Angehörige bevorzugt Rehabilitationsmaßnahmen bewilligen. Ein Antrag könne sich also lohnen.

Finanzielle Unterstützung mäßig

Pflegegeld muss der Pflegebedürftige beantragen. Dieses Geld kann er an seine Angehörigen weitergeben. Darüber hinaus gibt es einen kleinen Ausgleich: Die Pflegekasse übernimmt Beiträge zur Rentenversicherung – in manchen Fällen auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und zur Krankenversicherung. „Wer wegen der Pflege eines Angehörigen aus dem Beruf aussteigt oder seine Arbeitszeit reduziert, kann den damit verbundenen Lohnausfall durch ein zinsfreies Darlehen von Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben etwas abpuffern“, erklärt Nordmann. Insgesamt aber, gibt die Expertin zu bedenken, gäbe es bisher keine echte finanzielle Ausgleichsleistung für den Pflegeeinsatz Angehöriger.

Alle Leistungen der Pflegeversicherung müssen bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragt werden. Hat die Pflegekasse den Antrag grundsätzlich bewilligt und eine Pflegestufe zugeteilt, stehen alle Leistungen zur Verfügung. Einzelne Leistungen wie die Verhinderungspflege, Betreuungs- und Entlastungsangebote oder Maßnahmen zur Anpassung der Wohnung müssen jedoch extra angefordert werden. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat die gesetzlichen Leistungen bei häuslicher Pflege durch Angehörige zusammengefasst: Pflege durch Angehörige (pdf) sowie die gesetzlichen Leistungen für berufstätige pflegende Angehörige: Berufstätige Angehörige (pdf).


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