Phantomschmerz

Über Phantomschmerz wird meistens nach einer Amputation berichtet. Lange wurde das als rein psychisches Problem abgetan. Heute vermutet man komplexe Vorgänge im Gehirn dahinter. Doch wie kann man Betroffene von diesen „unmöglichen Schmerzen“ befreien?

10 min
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23.09.2020
23.09.2020
Video verfügbar bis 23.09.2021

Als Phantomschmerzen bezeichnet man Schmerzen in Körperteilen, die nicht mehr vorhanden sind. Vorausgegangen ist in der Regel eine Amputation. Wieviele solcher Amputationen in Deutschland pro Jahr durchgeführt werden, wird nicht exakt erfasst. Aber man rechnet mit einer Größenordnung von etwa 60.000 pro Jahr. Und etwa 60 bis 80 Prozent aller amputierter Menschen empfinden Phantomschmerzen in dem entfernten Körperteil. Dabei handelt es sich am häufigsten um amputierte Arme und Beine. Die Phantomschmerzen können aber auch nach einer Brust- oder Zahnamputation auftauchen.

Ein Stechen oder Brennen

Die Phantomschmerzen äußern sich unterschiedlich stark, oft werden sie als Brennen oder elektrisierend wie Stromschläge beschrieben. Häufig auch als ein Stechen, wie mit einer Nadel oder einem Messer. In manchen Fällen spüren die Betroffenen auch ein starkes Kribbeln. Phantomschmerzen können tagsüber und nachts auftreten, werden aber oft nachts am stärksten wahrgenommen. Häufig wird der Phantomschmerz auch als ähnlich mit dem Schmerz vor der Amputation beschrieben.

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Ursachen

Tatsächlich ist es so, dass die exakten Ursachen, die zu Phantomschmerzen führen, noch nicht komplett geklärt sind. Früher wurde häufig gesagt, das müssen sich die Betroffenen nur einbilden. Schließlich kann ein Körperteil, der nicht mehr dran ist, auch keine Schmerzen verursachen. Heute geht man davon aus, dass Veränderungen im Gehirn dahinterstecken.

Denn in einem Teil unseres Gehirns sind alle Körperregionen abgebildet, dorthin werden über Nerven die Schmerzempfindungen gesandt. Man vermutet, dass auch nach der Amputation der entfernte Körperteil noch weiter dort im Gehirn abgebildet ist. Da aber von dem amputierten Körperteil keine Signale mehr ankommen, findet ein Umbau bzw. eine Umstrukturierung in diesem Gehirnteil statt. Der Vorgang kann zu Schmerzen führen. Auch vermutet man, dass die Region im Hirn, die wegen des amputierten Körperteils keine Signale mehr von ihm bekommen kann, jetzt von anderen Körperregionen Signale empfängt. Auch ist eine Theorie, dass die Phantomschmerzen mit unserem Schmerzgedächtnis zu tun haben könnten. Denn bei sämtlichen Verletzungen senden Schmerzrezeptoren Signale an das Rückenmark, von dort werden die dann weiter ans Gehirn geleitet. Langanhaltende Schmerzen können im Rückenmark quasi eine Art „Abdruck“ hinterlassen – eine Art Schmerzgedächtnis. So können weiterhin Schmerzsignale an die entsprechende Hirnregion gesandt werden - obwohl der Auslöser, der schmerzende Körperteil, entfernt wurde.

Therapien

Die „eine“ Therapie, die Patienten mit Phantomschmerzen zuverlässig hilft, gibt es nicht. In vielen Fällen müssen mehrere Ansätze ausprobiert werden. Nicht selten leiden Betroffene oft jahrelang unter Phantomschmerzen, ohne sie wirklich loszuwerden. Meistens werden Opiate eingesetzt, aber auch Schmerzmittel mit Antidepressiva oder Wirkstoffe, die an den Nerven ansetzen. Doch die Erfolge mit Medikamenten sind begrenzt. Auch verspüren viele Betroffene Nebenwirkungen.

Es gibt auch die Möglichkeit, mit Elektrostimulationen zu therapieren – also Stromreize, die helfen sollen, die alten Schmerzstrukturen auszuschalten.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Therapiemöglichkeiten wie z.B.: Injektionen, Akupunktur, Psychotherapie, Spiegeltherapie, mentales oder autogenes Training, Meditation, Yoga, Osteopathie. Manchmal verschwinden die Schmerzen auch nach Einsatz von Prothesen.

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