"Pille danach" rezeptfrei

Beratung erfolgt in der Apotheke

Wenn das Kondom geplatzt ist oder die Pille vergessen wurde, mussten Frauen, die eine Schwangerschaft ausschließen wollten, bislang einen Arzt aufsuchen. Doch mittlerweile ist die "Pille danach" rezeptfrei, wird also nach Beratung in der Apotheke auch ohne Rezept verkauft.

Die "Pille danach" ist ein Notfallmedikament zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft (Notfallkontrazeptivum), beispielsweise nach einer Verhütungspanne oder nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Die "Pille danach" ist demnach nicht zur generellen Verhütung geeignet. Wichtig ist bei jeder "Pille danach": Je schneller die Einnahme nach dem Verkehr erfolgt (idealerweise innerhalb von 12 Stunden) desto sicherer ist die Wirkung. Aktuell sind zwei Wirkstoffe verschiedener Hersteller auf dem Markt: Levonorgestrel und Ulipristalacetat. Je nach Präparat liegt der späteste Zeitpunkt der Einnahme bei 72 (Levonorgestrel) bis 120 Stunden (Ulipristalacetat) nach dem Verkehr. Nach der Einnahme muss weiter verhütet werden (Kondom).

Nachgewiesenes Wirkprinzip

Das Wirkprinzip beider Wirkstoffe ist die Verzögerung des Eisprungs. Kurz vor dem Eisprung steigt das sogenannte luteinisierende Hormon (LH) an, das den Eisprung letztendlich auslöst. Levonorgestrel verzögert diesen Anstieg und somit den Eisprung. Ulipristalacetat ist ein selektiver Progesteron-Modulator. Er kann den Eisprung auch noch verhindern, wenn das luteinisierende Hormon bereits angestiegen ist.

Ist der Eisprung bereits erfolgt, kann er demnach durch die "Pille danach" nicht mehr verzögert werden. Eine Schwangerschaft könnte also eintreten. Andere Wirkmechanismen, die zum Beispiel Auswirkungen auf die Gebärmutterschleimhaut haben, werden derzeit noch diskutiert.

Rezeptfreiheit ist neu

Seit März 2015 gibt es die "Pille danach" in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke. Der vorherige Arztbesuch und die Ausstellung eines Rezeptes sind entfallen. Die Beratung übernimmt der Apotheker. Eine diskrete Beratung wird üblicherweise in Beratungsecken oder einem Beratungsraum geleistet. Ob die Einnahme der "Pille danach" aufgrund des Zyklusverlaufs wirklich notwendig ist, kann nur der Frauenarzt durch eine Ultraschalluntersuchung von Eierstöcken und Gebärmutter erkennen.

Die "Pille danach" soll nur an die betroffene Frau selbst nach vorheriger persönlicher Beratung abgegeben werden. Man kann nicht mehrere Packungen als Vorrat mitnehmen. Apotheker haben die Möglichkeit, die Beratung schriftlich zu dokumentieren. Die Preise liegen je nach Präparat zwischen 16 und 35 Euro, die Kosten können Frauen bis 20 auf Rezept von der Krankenkasse erstattet werden. Bei unter 14-Jährigen muss der Frauenarzt das Präparat verordnen und die Erziehungsberechtigten hinzuziehen.

Was bei den Wirkstoffen zu beachten ist

Levonorgestrel ist ein Gestagen, also ein weibliches Geschlechtshormon, das auch bei der „normalen“ Pille oder der Hormonspirale zum Einsatz kommt. In den 1990er-Jahren kam die erste "Pille danach" mit Levonorgestrel als Wirkstoff auf den Markt. Levonorgestrel muss spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden (Einzeldosis 1,5 Milligramm). Sollte eine Schwangerschaft bestehen, weiß man, dass die einmalige Einnahme von 1,5 Milligramm Levonorgestrel unbedenklich ist. Stillende Frauen sollten nach Einnahme 12 Stunden bis zum nächsten Stillen abwarten. Der Preis der Levonorgestrel-Präparate liegt in Deutschland bei rund 16 bis 19 Euro.

Ulipristalacetat ist ein Wirkstoff, der Hormonrezeptoren blockiert und ebenso wie das Levonorgestrel den Eisprung blockiert bzw. nach hinten verschiebt. Der Wirkstoff ist seit 2009 als "Pille danach" (Einzeldosis von 30 Milligramm) auf dem Markt und wird in niedrigerer Dosierung auch zur Behandlung von Myomen eingesetzt. Diese "Pille danach" kann noch bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Bei Ulipristalacetat sind die Auswirkungen auf eine bestehende Schwangerschaft nicht eindeutig geklärt, deshalb sollte eine Schwangerschaft zuvor ausgeschlossen sein. Stillende Frauen sollten eine Stillpause von einer Woche einhalten. Der Preis liegt in Deutschland bei rund 30 bis 35 Euro.

Nebenwirkungen und Einschränkungen

Nach der Einnahme kann sich die Monatsblutung um einige Tage verschieben sowie in der Stärke verändert sein. Außerdem kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Spannungsgefühlen in der Brust oder auch Bauchschmerzen kommen. Kommt es innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme zu Erbrechen oder Durchfall, kann es sein, dass der Wirkstoff noch nicht komplett aufgenommen ist und somit nicht voll wirksam ist. Man sollte sich in diesem Fall Rat beim Frauenarzt oder beim Apotheker einholen. Üblicherweise muss dann eine weitere Dosis eingenommen werden.

Wechselwirkungen mit ansonsten eingenommenen Medikamenten sollten mit Arzt oder Apotheker abgeklärt werden. Es gibt Krankheitsbilder und Medikamente, bei denen die "Pille danach" nicht oder nur nach Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden sollte (beispielsweise Antiepileptika oder Johnanniskraut). Es gibt Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit bei einem erhöhten Körpergewicht abnehmen könnte. Anhaltende Bauchschmerzen nach der Einnahme der "Pille danach" sollten ärztlich abgeklärt werden, um zum Beispiel Zystenbildung auszuschließen.

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