Pillen aus dem Netz

Dr. Christoph Specht über Medikamente aus dem Internet

Verbraucher | Volle Kanne - Pillen aus dem Netz

Medikamente, die schlank, schön, stark oder sexy machen sollen, werden gerne online gekauft - Medizinjournalist Dr. Christoph Specht warnt vor falschen Versprechungen und gefährlichen Inhaltsstoffen.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.06.2017, 14:00

Medikamente sind im Internet häufig günstiger als in Apotheken, können aber auch gefährlich sein. Deshalb sollte man beim Kauf einiges beachten.

Medikamente, die angeblich schlank, schön, stark oder sexy machen, zählen im Internet zu den Verkaufsschlagern. Das seien die vier ‚s‘, sagt Medizinjournalist Dr. Christoph Specht: „Top-Renner sind vor allem Schlankheitsmittel. Ob als Cremes oder Pillen, alles wird angeboten, aber das meiste sollte man mit Vorsicht genießen, nur die wenigsten Medikamente taugen wirklich etwas.“ Daneben seien vor allem Muskelaufbaupräparate begehrt: „Starke Anabolika für Bodybilder und Fitnessleute, die schneller Muskeln aufbauen wollen und zu diesen Mitteln greifen.“ Außerdem sehr gefragt seien Potenzmittel: „Präparate wie Viagra sind besonders beliebt und auch besonders häufig zu bekommen.“

Das Motiv, sich derartige Mittel zu besorgen, sei meist der Wunsch, einen vermeintlichen Makel zu beseitigen: „Deswegen möchte man aber nicht gleich zum Arzt gehen. Oder man weiß, dass der Arzt einem sowieso nichts verschreiben würde.“ Bei Erektionsstörungen käme zudem häufig Scham hinzu: „Man will nicht, dass jemand von dem Problem erfährt, deswegen bestellt man lieber anonym im Netz.“

Über- oder unterdosierte Wirkstoffe

Zwar seien Medikamente im Internet häufig günstiger als in der Apotheke – dafür aber auch gefährlicher: „Im besten Fall erhält man aus dubiosen Quellen Pillen, die keinen Wirkstoff enthalten. Oft ist aber was ganz anderes drin, oder zwar das Richtige aber davon zu wenig oder auch zu viel. Das ist schon bei einem Mittel gegen Erektionsstörungen vorgekommen und dann wird's richtig gefährlich.“ Als Beispiel nennt er Viagra beziehungsweise den darin enthaltenen Wirkstoff Sildenafil: „Das Medikament wurde in der Herz-Kreislauf-Forschung entwickelt, man hat dabei aber festgestellt, dass es für das Herz gar nicht gut ist. Stattdessen stärkt es die Potenz. So ist es zum Megaseller geworden, kann im Zweifel aber auch große Schäden anrichten und ist deshalb verschreibungspflichtig.“ Zudem werde bei einigen Medikamenten gegen Erektionsstörungen durch einen überdosierten Wirkstoffgehalt das Risiko für die Verbraucher zusätzlich erhöht. Umgekehrt gebe es bei Medikamenten aus dubiosen Quellen auch das Problem der Wirkstoffunterdosierung: „Das ist in Entwicklungsländern ein Problem, beispielsweise bei Malariamedikamenten.“

Lebensgefährlich könne es werden, wenn ein anderer Wirkstoff enthalten sei als angegeben, warnt Specht: „Das ist besonders typisch für Schlankheitsmittel, die oft aus China kommen. Die sollen angeblich rein pflanzlich sein, stattdessen ist aber Sibutramin drin, ein Amphetamin.“ Dadurch sei es schon zu Todesfällen gekommen, auch in Deutschland: „Also unbedingt Finger weg!“

Zertifizierte Online-Apotheken

Diese Risiken des Medikamentenkaufs im Internet könne man ausschließen, indem man sich an seriöse Händler wende: „Online-Apotheken müssen in Deutschland zertifiziert sein und eine sogenannte Präsenz-Apotheke haben, also eine Niederlassung.“ Erkennbar seien die Seiten dieser Apotheken üblicherweise an einem EU-Siegel.

Wem es nur darum gehe, Geld zu sparen, kann Medikamente auch vor Ort im Ausland kaufen. Allerdings müsse man dabei beachten, dass man nur begrenzte Mengen nach Deutschland einführen darf, maximal einen Dreimonatsbedarf. „Dann darf ich sogar Medikamente mitbringen, die hier verschreibungspflichtig sind und im Urlaubsland vielleicht nicht. Gefälschte Medikamente dürfen aber unter keinen Umständen eingeführt werden.“

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