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PIMS – Gefährlicher Kreislaufschock bei Kindern

Erkrankung tritt nach Corona-Infektion auf

Ein neuartiges postvirales Syndrom lässt Kinderärzte Alarm schlagen: Die Erkrankung PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) kann mit einem fieberhaften Infekt verwechselt werden.

5 min
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13.04.2021
13.04.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.04.2023

Zuerst machte es den Anschein, dass Kinder und Jugendliche sich zwar mit dem Coronavirus anstecken können, die Infektion aber in den meisten Fällen ohne nennenswerte Auswirkungen bliebe. Doch inzwischen wurden nicht nur Experten und Politiker eines Besseren belehrt. Denn einige Kinder erkranken an einer neuen, noch seltenen Krankheit, die mit dem Coronavirus in Zusammenhang gebracht wird. Ihr Name ist PIMS - "Pädiatrisches Inflammatorisches Multiorgan Syndrom".

PIMS nach Corona-Infektion

In der Regel tritt diese Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen zwei bis drei Wochen nach einer Coronavirus-Infektion auf. Die Corona-Infektion selbst verläuft bei ihnen meist symptomfrei und wird unter Umständen gar nicht bemerkt.

Was ist PIMS?

Bei diesem postviralen Syndrom handelt sich um eine besonders stark ausgeprägte Entzündungsreaktion des Immunsystems. Das heißt, wie ein Lauffeuer verbreitet sie sich im ganzen Körper und befällt dort alle Organe einschließlich der Blutgefäße. Das Immunsystem scheint sich also gegen den eigenen Körper zu wehren.

PIMS-Fälle steigen parallel zu Covid-19-Fällen

Die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie, kurz DGPI, führt seit dem 27.5.2020 das deutschlandweite PIMS-Melderegister. Bis zum 28.3.2021 wurden der DGPI 255 Fälle gemeldet. Es zeigte sich ein Höhepunkt an PIMS Erkrankungen Ende Dezember 2020, der parallel zum Höhepunkt der COVID-19 Hospitalisierungen bei Kindern und Jugendlichen aufgetreten ist.

Das heißt also: Mit steigenden Infektionszahlen und Covid-19-Fällen steigen auch die PIMS-Fälle.

Wissenschaft am rätseln

Warum gerade Kinder und Jugendliche von diesem neuen postviralen Entzündungssyndrom betroffen sind, darüber ist sich die Wissenschaft noch nicht einig. Es könnte am noch jungen Immunsystem bei Kindern liegen. Denn das ist, im Unterschied zu Erwachsenen, stark, aber noch „unerfahren“. Es lernt quasi noch und konnte sich in der Vergangenheit noch nicht mit vielen Erregern und Viren auseinandersetzen. Das heißt, es reagiert auf Viren und Erreger heftiger als das Immunsystem von Erwachsenen.
Ein möglicher Grund also, warum es zu dieser überbordenden Immunreaktion auf eine zurückliegende Infektion kommen könnte.

Bei älteren Covid-19 Patienten trifft das Virus im Gegensatz dazu meist auf ein durch frühere Infekte geschultes und mitunter durch Vorerkrankungen geschwächtes Immunsystem.

Diagnose von PIMS

In den meisten Fällen war die Aufnahmediagnose eine andere als PIMS. Das Problem: Da die Corona-Infektion bei Kindern und Jugendlichen, die an PIMS erkranken, bereits Wochen zurück liegt, lässt sich das Virus mit den üblichen Testverfahren (PCR-Test oder Antigen Schnell-Test) nicht mehr nachweisen. Die Testergebnisse sind in daher meist negativ. Nur über einen Antikörpertest im Blut kann die frühere Corona-Infektion bei diesen Patienten nachgewiesen werden.

Und genau da liegt die Schwierigkeit der Diagnose. Wird dieser Antikörper-Bluttest nicht gemacht, ist es schwierig das relativ seltene PIMS zu diagnostizieren.

Symptome von PIMS

Die häufigen Anfangs-Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Fieber sind eher unspezifisch und ähneln zunächst denen einer Blinddarmentzündung oder einer viral oder bakteriell bedingten Magen-Darm-Infektion. Ein wichtiger Unterschied liegt jedoch in dem hohen und lang anhaltenden Fieber, das sich über Tage hartnäckig halten kann, und das sich mit fiebersenkenden Medikamenten kaum senken lässt.

Da die Entzündungsreaktion den ganzen Körper befällt, sind zum Beispiel folgende weitere Symptome typisch für PIMS: gerötete Augen (blutunterlaufen, ohne Sekretbildung), Schwellungen und Hautrötungen an Händen und Füßen, eine vergrößerte Milz, Funktionsstörungen des Herzens und der Blutgefäße, sowie eine gelbliche Hautfarbe. Im Extremfall kann es sogar zu Schockreaktionen kommen, wie man sie nur von einer Sepsis (umgangssprachlich: Blutvergiftung) her kennt. Die betroffenen Kinder haben in solchen Fällen einen sehr schlechten Gesundheitszustand und müssen intensivmedizinisch betreut werden.

Wie wird PIMS therapiert?

Bei PIMS helfen keine herkömmlichen, fiebersenkenden Medikamente. Darum werden PIMS-Patienten mit Cortison, blutverdünnenden Medikamenten, einer systemischen Antibiotikatherapie und mit Immunglobulinen behandelt.

Verlauf der PIMS-Erkrankung

In der Regel verläuft die PIMS-Erkrankung nach einer solchen Behandlung glimpflich. Trotzdem müssen die Patienten noch eine gewisse Zeit regelmäßig zu Kontrolluntersuchen, gerade wenn ihre Organe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Vor allem das Herz und die Herzkranzgefäße sollten nach der PIMS-Erkrankung von einem Herzspezialisten aufmerksam kontrolliert und beobachtet werden. Denn die größte Gefahr bei PIMS ist, dass die Entzündungsreaktionen krankhafte Veränderungen rund um das Herz verursachen und somit zu Spätfolgen wie Herzklappenschwäche, Beeinträchtigungen der Herzkranzgefäße oder allgemeinen Funktionsstörungen der Herzleistung führen können.  

Aufgetreten sind solche Herz- Kreislauf- Probleme als Spätfolgen einer PIMS-Erkrankung bei weniger als 10 Prozent der Patient*innen. Tödliche Verläufe sind der DGPI bis zum 28.3.2021 nicht gemeldet worden.       

 

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