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Plastikgipfel gegen Verpackungs-Wahnsinn

BUND-Experte Paul Kröfges beurteilt, was herausgekommen ist - und was nicht

Gurke in Plastikfolie

Wir alle kennen sie: erschreckende Bilder von vermüllten Flüssen und Meeren. Am Mittwoch traf sich Umweltministerin Svenja Schulze mit Vertretern aus Handel und Lebensmittelindustrie. Beim Thema Plastikvermeidung setzt sie weiter auf Freiwilligkeit.

01.03.2019
01.03.2019
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Zu einem „Runden Tisch“ hatte Svenja Schulze eingeladen – eine Art Plastikgipfel mit Supermarktketten, Lebensmittelindustrie, Verkäufern und Naturschutzverbänden. Doch wirklich Handfestes, wie man Plastikverpackungen in Zukunft vermeiden wolle, drang nicht durch. Paul Kröfges vom BUND Nordrhein-Westfalen ist ernüchtert über die Ergebnisse. „Das ist alles andere als ambitionierte Politik.“ Es fehle an verbindlichen Zielvorgaben und klaren Fristen, an die sich die Industrie zu halten hätte.

Erste Märkte verbannen Plastiktütchen für Obst und Gemüse

Doch genau auf diese freiwillige Selbstverpflichtung setzt die Umweltministerin – auch nach dem Gipfel. „Wenn es denn ernst genommen würde“, so Experte Kröfges, „wäre das natürlich die schnellste Lösung.“ Und doch sind wir weiter konfrontiert mit Plastik – vor allem im Supermarkt in der Obst- und Gemüseabteilung. Schnell eine Tomate abwiegen? Tütchen abreißen. Zwei Zitronen in den Einkaufswagen? In Plastiktütchen. Selbst Früchte mit robuster natürlicher Schutzschicht wie Orangen werden in Plastikbeuteln gewogen. Für Paul Kröfges vom BUND steckt das Problem in den Geschäftsstrukturen. „Da ist man offenbar nicht bereit, umzustellen.“ Die Probleme mit den übermäßigen Plastikverpackungen werde man allerdings nur in den Griff bekommen, wenn bestimmte Rationalisierungen zurückgestellt würden. Konkret bedeutet das laut Kröfges, mehr Mitarbeiter einzustellen, die den Kunden die Lebensmittel von Hand in deren selbst mitgebrachte Taschen oder Dosen reichen.

Einige Supermärkte reagieren bereits auf Svenja Schulzes vorsichtige Anstöße und setzen ihre Veränderungen werbewirksam um. Real kündigte am Montag an, bis 2020 die Plastikbeutel aus Obst- und Gemüseabteilungen zu verbannen. 70 Millionen Plastikbeutel wolle man so sparen, hieß es aus dem Unternehmen. Doch noch fehlt es an sinnvollen und günstigen Alternativen. Real will Papiertüten und waschbare Mehrwegnetze ausprobieren. Experte Paul Kröfges vom BUND bremst jedoch die Anfangseuphorie. „Eine ausgegebene Papiertüte sei ja erst einmal auch nur ein Wegwerfprodukt. „Und für die Papiertüte werden sogar mehr Ressourcen und Energie verbraucht als für Plastiktüten.“ Die beste Möglichkeit für Verbraucher sei somit, das Produkt in mehrfach verwendbare Taschen einzupacken.

Auch Müll aus Deutschland gelangt in die Weltmeere

Auch beim Getränkekauf sollten Verbraucher aufpassen. Rund 16 Milliarden Einweg-Plastikflaschen würden laut Deutscher Umwelthilfe jedes Jahr hergestellt. Jeder Deutsche verbrauche im Jahr durchschnittlich 192 Einwegflaschen aus Plastik. BUND-Experte Kröfges fordert eine konsequente Mehrwegquote von der Politik und rät dem Verbraucher: „Glas ist in der Ökobilanz auf jeden Fall besser als Plastik – auch von chemischer Seite werden da die wenigsten Stoffe an das Wasser abgegeben.“ Dass die Einwegflaschen recycelt werden, habe nicht viel zu bedeuten. „Meist findet ja eher ein Downcycling statt.“ Heißt: Aus den ehemaligen Flaschen könne meist nur noch Granulat hergestellt werden. Oft würden daraus wiederum Kunststofffasern für minderwertige Textilien.

Das Recycling von Einwegflaschen ist zwar besser, als sie zu verbrennen. Mehr aber auch nicht.“
Paul Kröfges, BUND

Der oft verbreiteten Meinung, der Müll aus Deutschland gelange sowieso nicht in die Weltmeere, widerspricht Kröfges entschieden. Immer wieder werde Plastikmüll durch starken Regen in die Gewässer gespült. „Jeder sieht es im Sommer an Gewässern oder bei Reinigungsaktionen.“ Außerdem exportiere Deutschland sehr viel Plastik nach Asien, wo es dann früher oder später doch in der Umwelt lande. Viel zu tun also noch – auch für den Verbraucher: „Plastik ist zwar nicht immer vermeidbar“, aber es müsse dann zumindest eine Wiederverwendung stattfinden. Und auch Umweltministerin Schulze wird sich mit ihren freiwilligen Selbstverpflichtungen erst noch beweisen müssen.

Mit Material von ZDF, dpa & DUH

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