Das alljährliche Niesen beginnt

Kurz- und langfristige Hilfe

Verbraucher | Volle Kanne - Das alljährliche Niesen beginnt

Der mehr als milde Winter hat Folgen: So werden Pollenallergiker dieses Jahr besonders früh schon mit ihrer Allergie konfrontiert werden.

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3 min
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Video verfügbar bis 25.02.2017, 09:09

Für Pollen-Allergiker beginnt bald wieder eine lange Leidenszeit: Frühlingshafte Temperaturen werden den Pollenflug wieder so richtig auf Trab bringen. Schnelle Hilfe versprechen Augentropfen und Nasensprays. Doch langfristig erlöst nur eine Desensibilisierung von den Beschwerden.

Allein in Deutschland sind mittlerweile bis zu 14 Millionen Menschen von einer Pollenallergie, dem Heuschnupfen betroffen; Tendenz steigend. Meist handelt es sich dabei um eine allergische Reaktion auf Blütenpollen von Bäumen, Sträuchern und Gräsern.

Ursache der Pollenallergie ist eine Überempfindlichkeit des Immunsystems auf an sich harmlose Stoffe. Die Neigung zu einer solchen Reaktion ist vermutlich angeboren. Kommt es zu einem Kontakt mit Pollenallergenen, reagiert das Immunsystem mit der Bildung spezifischer Antikörper.

Klassische Symptome

Bei einem erneuten Kontakt behandelt der Körper die Pollen wie gefährliche Eindringlinge und versucht, sie zu bekämpfen. Antikörper und Allergen verbinden sich und veranlassen bestimmte Körperzellen, Botenstoffe – vor allem Histamin – auszuschütten, welche die allergische Reaktion im Körper weitervermitteln. Dadurch kommt es zu den verschiedenen Beschwerden. Typische Symptome einer Pollenallergie sind die Schwellung der Nasenschleimhaut, Fließschnupfen mit starker wässriger Flüssigkeitsbildung, Niesattacken sowie eine verstopfte Nase.

Birkenpollen
Von Birkenpollen werden im Frühjahr viele geplagt.

Häufig sind auch die Augen beteiligt: sie röten sich, brennen und jucken und der Tränenfluss vermehrt sich. Daneben können weitere Beschwerden wie Atemnot, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen auftreten. Zudem kann es bei einem Heuschnupfen nach jahrelangem Verlauf zu einem sogenannten „Etagenwechsel“ kommen. Das bedeutet, dass sich die Allergie auf die unteren Atemwege ausweitet und in der Folge zu einem allergischen Asthma führt. „Wenn es erst einmal so weit gekommen ist, dann ist eine Allergie viel schwerer zu behandeln“, erklärt Medizinjournalist Dr. Christoph Specht. Hinzu komme, dass sich das allergische Asthma verselbständige und dann auch ohne Allergene auftrete – etwa bei kalter Luft oder körperlicher Anstrengung.

Hypo- und Desensibilisierung

Zahlreiche Medikamente wie entzündungshemmende Nasensprays und Augentropfen, vor allem aber sogenannte Antihistaminika können die Symptome lindern. Sie beseitigen jedoch nur die Beschwerden und nicht die eigentliche Ursache, die Allergie. Die einzig wirksame Möglichkeit bietet hier bislang nur eine spezifische Immuntherapie.

Bei der klassischen Hypo- oder Desensibilisierung wird der allergieauslösende Stoff regelmäßig und in langsam steigender Dosierung unter die Haut gespritzt. „Dies geschieht am Anfang einmal wöchentlich, dann werden die Intervalle immer größer – bis letztlich etwa eine Spritze im Monat verabreicht wird“, erklärt Dr. Christoph Specht. So wird der Körper nach und nach an die Allergene gewöhnt. Die Behandlung gehört in die Hand eines allergologisch erfahrenen Arztes. Sie dauert insgesamt etwa drei bis fünf Jahre und wird in der beschwerdefreien Zeit durchgeführt. Die Erfolgsaussichten sind je nach Allergen unterschiedlich.

Cluster-Immuntherapie

Bei der Cluster-Immuntherapie wird die maximale Allergendosis schon innerhalb von zwei bis vier Terminen erreicht. Daher kann diese Variante auch noch relativ kurzfristig vor Beginn der Pollensaison durchgeführt werden. Dennoch schließt sich auch hier in der Regel eine sogenannte Erhaltungsphase an. Eine Immunisierung ist unter Umständen auch mit Tropfen oder Tabletten möglich. Die Behandlung kann vom Patienten selbst durchgeführt werden. Bei dieser sublingualen Immuntherapie wird täglich eine Allergenlösung beziehungsweise -tablette unter die Zunge gegeben.

Gerade für Betroffene mit Angst vor Spritzen oder die beruflich stark eingebunden sind und nicht so häufig, wie im Fall der Spritzentherapie, den Arzt aufsuchen können, ist diese Form der Immuntherapie eine Alternative. Die Tropfenvariante steht zumindest für die gängigsten Pollenallergene zur Verfügung, die Tablette bisher nur für Gräserallergien. Das Ziel aller genannten Verfahren ist es, das Immunsystem langfristig unempfindlich gegenüber den Allergenen zu machen. Empfohlen wird eine Behandlung vor allem Betroffenen mit starken allergischen Beschwerden. Die Erfolgschancen sind umso besser, je früher mit der Therapie begonnen wird und je weniger die Allergie bereits fortgeschritten ist. „Die Langzeitwirksamkeit ist allerdings noch nicht belegt“, schränkt Dr. Christoph Specht ein.

Alternative Behandlungsmethoden

„Es gibt keine Studien, die belegen könnten, dass Eigenbluttherapien, Ozontherapien oder homöopathische Mittel eine Wirkung hätten“, sagt Dr. Christoph Specht und nennt eine Ausnahme: „Mehrere Placebo kontrollierte und doppeltblind-Studien lieferten Beweise dafür, dass Galphimia-Glauka, der mexikanische Goldregen, einen kleinen Effekt haben kann. Allerdings geht man davon aus, dass es sich nicht um einen homöopathischen, sondern um einen ‚normalen‘ pflanzlichen Effekt handelt.“ Der Medizinjournalist vermutet, dass es sogar wirkungsvoller sein könnte, aus dem Wirkstoff einen normalen Extrakt herzustellen. Bei der Akupunktur sei die Datenlage umstritten, so Specht. Wenn etwas wirke, dann sei die Wirkung unspezifisch und vermutlich darauf zurückzuführen, dass körpereigene Endorphine ausgeschüttet werden.

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