Kein Gläschen in Ehren!

In der Schwangerschaft auf Alkohol verzichten

Verbraucher | Volle Kanne - Kein Gläschen in Ehren!

Für angeborene Behinderungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern ist Alkoholkonsum die häufigste Ursache. Die leibliche Mutter von Esmeralda konnte nicht vom Alkohol lassen: mit graviernden Folgen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.09.2017, 14:00

Schwangere, die Alkohol trinken, riskieren Fehlbildungen bei ihrem ungeborenen Kind. Auf diese Tatsache wird zwar immer wieder hingewiesen, dennoch gönnt sich manche werdende Mutter gerne einmal ein "Gläschen in Ehren". Die möglichen Folgen werden meist nicht bedacht oder gar verharmlost. Dabei kann während der Schwangerschaft nur die Devise gelten: Finger weg vom Alkohol!

Trinken Frauen während der Schwangerschaft Alkohol, kann das zu Entwicklungsstörungen und lebenslangen geistigen oder körperlichen Behinderungen bei den noch ungeborenen Kindern führen. Untersuchungen zufolge trinkt etwa jede vierte bis fünfte Schwangere geringe oder größere Mengen Alkohol.

In Deutschland werden deshalb jährlich mehr als 10.000 Kinder mit der fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) geboren. Diese Bezeichnung leitet sich aus dem Englischen ab (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) und ist der Sammelbegriff für das gesamte Spektrum vorgeburtlicher Schäden durch Alkohol.

Alkohol wirkt als Zellgift

Der Alkohol gelangt durch die Plazenta und über die Nabelschnur direkt in den Kreislauf der noch ungeborenen Kinder. Er kann dort nur sehr schlecht abgebaut werden. Alkohol wirkt als Zellgift, er hemmt die Zellteilung (und damit das Wachstum) und schädigt das kindliche Gehirn. Es gibt keinen Grenzwert, der für den Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft ungefährlich wäre. Alkoholexzesse oder häufiges Trinken erhöhen das Risiko für FASD deutlich. Aber nur Frauen, die komplett auf Alkohol in der Schwangerschaft verzichten, können FASD zu hundert Prozent vermeiden.

Verschiedene Ausprägungen

Treffen alle der vier genannten Kriterien zu, sprechen Ärzte von der stärksten Ausprägung von FASD, nämlich dem Vollbild FAS (fetalen Alkoholsyndrom). Bei weniger Übereinstimmungen stellen Ärzte gegebenenfalls die Diagnosen pFAS (partielles fetales Alkoholsydnrom) oder ARND (Alkoholbedingte neurologische Entwicklungsstörung). Zu beachten ist, dass die Auffälligkeiten im Wachstum und Gesicht im Verlauf des Kindes- und Jugendalters oft deutlich zurückgehen oder ganz verschwinden.

Die Störungen des zentralen Nervensystems bleiben jedoch ein Leben lang. Dazu zählen Defizite in den Bereichen: Sprache, Feinmotorik, räumliche Wahrnehmung, Orientierung, Rechenfertigkeiten, Lern- oder Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, soziales Verhalten und Emotionen (Bindungsstörungen, Schlafstörungen, Traumata, Aggressivität, Delinquenz, Suchterkrankungen, u.a.). Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft getrunken haben, kommen außerdem öfter als andere Kinder mit Organschäden – zum Beispiel Nierenschäden oder Herzfehler – zur Welt.

Therapie und Betreuung

Eine frühe Diagnose – möglichst noch vor dem sechsten Lebensjahr – ist für Betroffene sehr wichtig. Bei Verdacht auf FASD sollte das Kind daher zu einem erfahrenen Spezialisten überwiesen werden, der die Diagnose stellen und eine angemessene Betreuung einleiten kann. Allerdings gibt es bislang nur wenige spezialisierte Anlaufstellen für FASD in Deutschland.

FASD ist nicht heilbar. Betroffene brauchen intensive und strukturierte Betreuung – oft auch als Erwachsene (betreutes Wohnen, Assistenzen), um im Leben zurecht zu kommen. Wichtig ist der frühe Beginn mit Therapien (Neuropsychologische Psychotherapie, Ergotherapie, Psychomotorik-Gruppen, etc.) und Trainings, um bestimmte Defizite störungsspezifisch zu behandeln oder zu mildern. Bestimmte Begabungen der Kinder können zusätzlich gefördert werden. Eltern und Pflegeeltern können verschiedene soziale Hilfen und Leistungen beantragen.

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