Wirksam oder gefährlich?

Alternativen zur Schulmedizin bei Krebserkrankungen

Verbraucher | Volle Kanne - Wirksam oder gefährlich?

Nachdem in NRW 70 Patienten an einer alternativen Krebs-Therapie gestorben sind, ist die Debatte um alternative Krebstherapien neu entfacht.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.08.2017, 14:00

Nach dem Tod von drei Patienten in einer alternativen Krebsklinik in Nordrhein-Westfalen ist die Diskussion um Therapiemöglichkeiten fernab der Schulmedizin neu entfacht. Können solche alternativen Behandlungen überhaupt funktionieren? Und gibt es welche mit nachgewiesener Wirksamkeit?

Viele Krebspatienten vertrauen neben oder gar statt einer klassischen, schulmedizinischen Behandlung auf die Wirksamkeit von sogenannten alternativen Therapiemöglichkeiten. Doch was hat man sich darunter vorzustellen?

Der Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) schreibt dazu auf seiner Website (Link: Alternative Krebsmedizin):

„Eine einheitliche Definition des Begriffs 'alternativ' existiert nicht: Für die einen gehören pflanzliche Mittel und Naturheilkunde dazu, für die anderen Homöopathie und Anthroposophie. Beliebt sind in Deutschland auch traditionelle Heilmethoden aus Asien oder Amerika, etwa chinesische Medizin, Ayurveda oder schamanische Medikamente. Manche Therapeuten empfehlen Krebsdiäten, Entsäuern und Entgiften, andere psychologische und spirituelle Tumortherapien.“

Das macht die Schulmedizin

In der Schulmedizin kennt man solche Irritationen hinsichtlich einer klaren Definition nicht. Hier wird auf wissenschaftlicher Basis behandelt. Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften bilden dabei den Rahmen dessen, was als sinnvoll und wirksam anerkannt ist. Die wissenschaftlichen Nachweise der Wirksamkeit werden mittels Laborversuchen und Studien mit Patienten erbracht, ohne die heute beispielsweise kein neues Krebsmedikament zugelassen wird.

„Zum Schutz von Patienten werden auch Nebenwirkungen und Risiken dokumentiert und veröffentlicht. Damit sind wichtige Daten weltweit zugänglich und jederzeit überprüfbar“, so der Krebsinformationsdienst am DKFZ.

Keine nachgewiesene Wirksamkeit!

Das Problem der meisten Behandlungsmethoden, die nicht auf diesen schulmedizinischen Vorgaben fußen: Für sie gibt es keine Wirksamkeitsnachweise, was dazu führt, dass sie nicht in ärztlichen Leitlinien auftauchen. Mehr noch: viele werden sogar als „nicht empfehlenswert“ eingestuft. Denn man weiß oftmals nur wenig über die Neben- und Wechselwirkungen. Zudem sind manche Vitamin- oder Mineralstoffpräparate lediglich Nahrungsergänzungsmittel, die den gleichen Status wie Obst und Gemüse haben.

Der Krebsinformationsdienst am DKFZ empfiehlt, Anbietern von alternativen Behandlungsmethoden folgende Fragen zu stellen:

Unseriöse Anbieter

Vorsicht ist geboten, wenn ein Anbieter verspricht, dass seine Methoden gegen alle Krebsarten, bei allen Patienten und in allen Krankheitsstadien helfen. Außerdem immer dann, wenn er keine Unterlagen zur Verfügung stellt, anhand derer sich Patienten selbst informieren können, und wenn er Vorkasse oder gar Bargeld verlangt. Und schließlich: Falls ein Mittel aus dem Ausland bestellt werden muss, etwa über das Internet, sollte man kritisch nachfragen: Denn was man wirklich geliefert bekommt, ist kaum überprüfbar. Oft gibt es Probleme mit der arzneilichen Qualität.

Bei fehlendem Nachweis hinsichtlich der Wirksamkeit entsteht ein weiteres Problem: In solchen Fällen ist davon auszugehen, dass die Krankenkassen oder die privaten Versicherungen die Behandlung nicht bezahlen. Auch der Anbieter spielt dabei eine Rolle: Ist er Arzt oder Heilpraktiker? Hat er eine Kassenzulassung oder rechnet er nur privat ab? Handelt es sich um eine Privatklinik oder ein öffentliches Krankenhaus?

Auswege in auswegloser Lage?

Ist der Krebs bereits weit fortgeschritten oder die Prognose sehr schlecht, hoffen Betroffene oftmals auf Hilfe durch Behandlungsmethoden, bei denen Nutzen und Risiken noch nicht gänzlich geklärt sind. Der Krebsinformationsdienst rät hierbei zur Differenzierung: „Zwischen dem Einsatz neuer Mittel in einer kontrollierten klinischen Studie und dem Einsatz alternativer Verfahren im individuellen Heilversuch gibt es Unterschiede. In Studien sind Patienten zum Beispiel gegen Risiken versichert, im Heilversuch meist nicht. Die Teilnahme an klinischen Studien müssen Patienten außerdem auch nicht selbst bezahlen.“

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