Epilepsie bei Kindern

Anfälle zeigen sich oft schon in jungen Jahren

Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Etwa drei Viertel der Betroffenen bekommen schon in der Kindheit oder der Jugend erste Anfälle – manchmal kaum merklich, manchmal stark ausgeprägt.

Unter dem Begriff Epilepsie werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst. Sie alle haben das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle gemeinsam. Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung ist betroffen. Bei etwa 75 Prozent der Erkrankten zeigen sich diese Anfälle schon im Kindes- oder Jugendalter.

Dabei kommt es zu einer übermäßigen Aktivitätsentladung in den Nervenzellen im Gehirn. Je nach Beteiligung der Nervenzellen kann es dadurch zu kurzfristigen Bewusstseins- oder Empfindungsstörungen kommen und zu mehr oder weniger starken Krampfanfällen.

Warum krampft man?

Die genaue Ursache (oder die Verkettung von Auslösern) einer Epilepsie ist oft nicht leicht zu ergründen. Sicher ist, dass Veränderungen im Bau oder Stoffwechsel von Nervenzellen das Auftreten von Anfällen begünstigen. Dass viele Epilepsien altersgebunden bei Kindern auftreten, bestätigt die Annahme, dass Reifungsvorgänge im kindlichen Gehirn bei der Krankheit eine große Rolle spielen. Infekte, Fieberschübe und Schlafentzug scheinen sie weiter zu begünstigen.

Experten gehen davon aus, dass bei einem Anfall mehrere Auslöser wie Veranlagung, hirnorganische Störungen, altersgebundene Reifungsvorgänge und starke Reizungen einzelner Sinne zusammenwirken. Epilepsie ist keine Erbkrankheit, allerdings kann eine erhöhte Anfallsbereitschaft vererbt werden.

Begrenzt oder umfassend?

Es gibt viele unterschiedliche Formen dieser Krankheit, die man heute vor allem hinsichtlich des Ursprungs, der Ausprägung und Schwere der Anfälle einteilt. Dabei wird zwischen fokalen Epilepsien, die an einem begrenzten Ort im Gehirn entstehen, und generalisierten Epilepsien, bei denen der Anfall das gesamte Gehirn umfasst, unterschieden.

Mögliche Merkmale eines Anfalls können Bewusstseinsstörungen, Muskelzuckungen und Krämpfe, Wahrnehmungsstörungen, Benommenheit, Automatismen, Erröten, starker Speichelfluss, Herzstolpern oder Schweißausbrüche sein. Die Anfälle können wenige Sekunden anhalten, aber auch bis zu einer Viertelstunde.

Epilepsie diagnostizieren

Für eine genaue Eingrenzung von Epilepsie und Anfällen durch einen Neurologen ist die möglichst genaue Schilderung der Symptome von entscheidender Bedeutung. Videoaufnahmen können sehr hilfreich sein.

Besonders wichtig ist die Untersuchung des Kindes mit einem Elektroenzephalogramm (EEG), das bei generalisierten Anfällen auch in anfallsfreien Zeiten Hinweise auf die Vorgänge im Gehirn liefern kann. Ein Langzeit-EEG oder eine Ableitung im Schlaf können die Diagnose erhärten. Wird eine Hirnschädigung als Ursache vermutet, erfolgen meist Untersuchungen im MRT.

Wie begegnet man einem Anfall?

Bei einem Anfall heißt es für Eltern, Ruhe zu bewahren. In der Regel klingen die Symptome von alleine wieder ab. Doch ein sehr schwerer Anfall (medizinisch „status epilepticus“) bedeutet auch Lebensgefahr. Gegenstände, die eine Verletzungsgefahr bedeuten könnten, sollten außer Reichweite gelegt werden. Beengende Kleidungsstücke gilt es zu lösen und der Betroffene sollte nach dem Anfall in die stabile Seitenlage gebracht und auf ein Kissen gebettet werden. Ein krampflösendes Notfallmedikament ist nur bei längeren und schweren Anfällen notwendig.

Auf die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes hat eine Epilepsie in vielen Fällen keine gravierenden Auswirkungen. Das Ziel ist immer, mit unterschiedlichen Medikamenten weitestgehend Anfallsfreiheit zu ermöglichen. Während die Erkrankung viele Betroffene im Alltag kaum beeinträchtigt, gibt es auch schwere und schlecht zu behandelnde Epilepsien, die Kinder und Familie sehr belasten. Sie begegnen vielen Vorurteilen. Auch deshalb ist Aufklärung so wichtig.

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