Wieder laufen können

Exoskelett für Gelähmte

Verbraucher | Volle Kanne - Wieder laufen können

Trotz Querschnittlähmung wieder gehen können - ein Traum für viele Betroffene. Für Gianna Regenbrecht ist er nach einem Reitunfall teilweise wahr geworden - mithilfe eines Gehroboters.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.08.2017, 14:00

Viele Betroffene, die nicht vollständig querschnittsgelähmt sind, träumen davon, in einem gewissen Umfang wieder laufen zu können. Ihre Hoffnungen ruhen auf einer futuristisch anmutenden Therapie: dem Training in einem Laufroboter. Dieser wiegt 14 Kilo und verleiht die Kraft, Bewegungen über Nervenimpulse des Gehirns zu steuern. Er besteht im Wesentlichen aus einem Hüftrahmen, verstellbaren Bewegungsaggregaten für Ober- und Unterschenkel und den Schuhen. Physiotherapeuten sind speziell für die Therapie mit diesem Gerät geschult.

Wenn zum Beispiel aufgrund eines Unfalls oder eines Tumors der Spinalkanal der Wirbelsäule verletzt wird, kann es bei Betroffenen zu mehr oder weniger starken Verlusten von Sensibilität und Motorik kommen. Wenn nur ein Teil des Rückenmarks durchtrennt wird und Restfunktionen von Nerven und Muskeln verblieben sind, spricht man von einer inkompletten Querschnittslähmung.

Diese ist die Grundvoraussetzung für eine mögliche Therapie mit einem Laufroboter. Für viele Betroffene ist diese Diagnose verbunden mit der Hoffnung, verloren gegangene Fähigkeiten durch Reha-Maßnahmen und unterschiedliche Therapien wiederzuerlangen, was aber in der Regel mit einem mühsamen Weg verbunden ist. Im Zentrum steht oft der Wunsch, in einem gewissen Umfang (zum Beispiel an Krücken oder mit einem Rollator) wieder laufen zu können und damit Selbstständigkeit zurückzubekommen und unabhängig vom Rollstuhl zu sein.

Die Therapie mit Gehrobotern

Seit einigen Jahren gibt es unterschiedliche Therapieversuche für Gelähmte und die spezielle Entwicklung von Gehrobotern, deren Funktion meist dem Exoskelett von Insekten nachempfunden ist. Sie basiert auf der Steuerung von Bewegungen über Nervenimpulse des Gehirns.

Während einige Modelle über Bewegungssensoren oder zum Beispiel auch über Joysticks funktionieren und eher für den Hausgebrauch entwickelt wurden, ist der HAL-Laufroboter ein Therapieinstrument, von dem man sich eine schnellere und bessere Rehabilitation für Gelähmte mit verbliebenen Restfunktionen erhofft. Die Ziele dieser Therapie sind vor allem die Anregung von Hirnarealen und der erneute Muskelaufbau. Damit sollen Patienten in gewissem Umfang wieder besser, schneller und sicherer laufen können. Auch die Reduzierung von Spastiken ist ein wichtiges Therapieziel. In der Folge sollen Hilfsmittel, wie der Rollstuhl, möglichst auf ein Minimum reduziert werden.

Gute Ergebnisse mit HAL

Das HAL-Robotersystem wird derzeit in Deutschland in nur Kliniken eingesetzt. Die Ergebnisse von Studien (zum Beispiel in der Klinik Bergmannsheil in Bochum) sind vielversprechend. Dieser Laufroboter wiegt etwa 14 Kilogramm und besteht im Wesentlichen aus einem Hüftrahmen mit der elektronischen Steuerungseinheit, individuell verstellbaren Bewegungsaggregaten für Ober- und Unterschenkel und den Schuhen in verschiedenen Größen.

Junge Frau bei Physiotherapie
Neben dem Lauftraining spielt auch die Physiotherapie eine große Rolle. Quelle: ZDF

Unter der Anleitung und Hilfe speziell geschulter Physiotherapeuten wird den Patienten der Laufroboter angelegt und sie werden verkabelt. Im Anschluss trainieren sie dann in etwa dreißigminütigen Einheiten auf einem Laufband. Der Roboter nimmt unterbrochene, abgeschwächte Signale des Gehirns, die über Nerven zur Bewegung in die Muskulatur geschickt werden, auf und schickt diese in seinen Prozessor und Motor. Somit unterstützt er die Bewegungen, die der Patient willentlich durchführen möchte. Außerdem verleiht er den Gelähmten die nötige Kraft dazu.

Kraft und Willen entscheidend

Auf dem Laufband müssen die Patienten (je nach Diagnose, Ausmaß der Lähmung und Stand der Therapie) in unterschiedlichen Geschwindigkeiten vorwärts und rückwärts laufen und verschiedene Bewegungen (zum Beispiel das Bein anheben, hochziehen und nach vorne strecken) ausführen. Das Training ist körperlich anstrengend und erfordert außerdem viel Willenskraft. Doch als Resultat scheint die Sensibilität und Muskelkraft bei einigen Patienten deutlich verbessert werden zu können.

Die Effekte der Therapie werden in regelmäßigen Abständen mit sogenannten Zehn-Meter-Gangtests überprüft. Dabei müssen die Patienten (unter Anleitung und Hilfe) aus dem Rollstuhl aufstehen und mit Krücken oder Rollator selbständig auf einem zehn Meter langen, markierten Streifen möglichst gerade entlanglaufen. Dabei wird jeweils zum Vergleich die Zahl der Schritte gezählt und die Zeit gestoppt. Für die Therapie mit Laufrobotern gibt es deutschlandweit derzeit immer wieder freie Plätze. Allerdings wird sie nicht von den Krankenkassen übernommen.

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