Herz stets überwacht

Pilotprojekt soll Vorhofflimmern rechtzeitig melden

Elektrokardiogramm zeigt Vorhofflimmern

Verbraucher | Volle Kanne - Herz stets überwacht

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Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten Herzerkrankungen. Dabei steht das Vorhofflimmern auf Platz eins. Allein 2013 haben rund 150.000 Herzpatienten einen Schrittmacher oder Defibrillator implantiert bekommen. Trotzdem leben diese Menschen weiterhin mit einem erhöhten Risiko, zum Beispiel einen Schlaganfall zu erleiden. Das telemedizinische Kardionetzwerk Westsachsen ist ein Pilotprojekt, das solche kritischen Situationen frühzeitig erkennen und verhindern soll. Dazu müssen die Patienten nicht einmal beim Arzt sein, denn die Überwachung erfolgt aus der Ferne.

Herzrhythmusstörungen können sowohl als harmloses Phänomen bei gesunden Personen, als auch als krankhafte bis lebensbedrohliche Komplikation bei Krankheiten des Herzens und anderer Organe auftreten. Äußere Ursachen können sein: Nervosität, Aufregung oder Angst, hervorgerufen durch übermäßigen Koffein- und Alkoholkonsum, Medikamente wie Antidepressiva oder fieberhafte Infektionen.

Gestörter Rhythmus und die Folgen

Herzrhythmusstörungen können aber auch organisch bedingt sein, beispielsweise durch einen Herzinfarkt, durch Herzmuskelerkrankungen oder Herzklappenfehler. Die häufigste und gefährlichste Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern, denn es wird oft gar nicht bemerkt. Im schlimmsten Fall können Herzrhythmusstörungen zur Bildung von Blutgerinnseln führen, die dann einen Schlaganfall oder eine Herzschwäche verursachen können.

Das Schlaganfall-Risiko ist bei unbehandeltem Vorhofflimmern um das Fünffache, das Herzschwäche-Risiko um das Dreifache erhöht. Ohne Blutgerinnungshemmung ist bei über 70-Jährigen mit einem Schlaganfall-Risiko von 20 bis 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren zu rechnen. Viele Betroffene bekommen daher einen Schrittmacher oder Defibrillator implantiert.

Kontrollmöglichkeiten für Herzpatienten

Junge Frau bei Belastungs-EKG
Junge Frau bei Belastungs-EKG Quelle: imago

Herzpatienten mit einem Schrittmacher oder Defibrillator werden in der Regel halbjährlich kontrolliert. Dabei werden der Batteriezustand, die Funktion des Aggregats sowie der Sonden getestet. So können frühzeitig Batterieerschöpfung oder mögliche Sonden-Probleme erfasst werden, bevor es zu Funktionsausfällen kommt. Der halbjährliche Turnus hat allerdings Nachteile: Kritische Ereignisse wie das Vorhofflimmern bei einem Herzschrittmacherpatienten werden auch erst dann festgestellt. Damit bleibt das Risiko bestehen, durch ein Gerinnsel einen Schlaganfall zu erleiden.

Ein frühzeitiges und unmittelbares Erkennen von kritischen Situationen ist daher ganz wichtig. Viele Herzschrittmacher- und Defibrillatorenimplantate besitzen bereits die sogenannte Home-Monitoring-Funktion. Das heißt, sie sind ausgestattet mit einem kleinen Sender, der automatisch und tagesaktuell alle patienten- und implantatsspezifischen Parameter (Daten) über ein mobilfunkfähiges Übertragungsgerät, dem sogenannten Cardio-Messenger, an eine Klinik übermitteln kann. Der Vorteil: Der Patient wird rund um die Uhr überwacht und kontrolliert, kritische Ereignisse können sofort erkannt und eine entsprechende Behandlung unverzüglich eingeleitet werden. Das geschieht unabhängig davon, wo sich der Patient befindet, ob zu Hause oder im Urlaub im Ausland.

Telemedizinisches Kardionetzwerk

In Sachsen wurde 2013 ein deutschlandweit einzigartiges Netzwerk ins Leben gerufen, das Herz-Kreislauf-Erkrankte mit telemedizinischen Implantaten rund um die Uhr überwacht und betreut. Herzstück des telemedizinischen Kardionetzwerkes ist das Monitoring Center im Klinikum Sankt Georg in Leipzig. Von 1400 Patienten kommen hier die Daten zentral auf einem Computer an. Kardiologen sichten an ihm dann täglich alle Patientendaten. Werden bei einem Patienten kritische Werte festgestellt, informiert der Kardiologe umgehend den für die Nachsorge zuständigen Arzt.

Im westsächsischen Kardionetzwerk sind das inzwischen 30 Kliniken und niedergelassene Ärzte, die flächendeckend die Nachsorge der Patienten übernehmen. Somit kann unmittelbar und zeitnah nach einem kritischen Ereignis wie dem Vorhofflimmern der Patient behandelt werden. Mehr noch: Durch diese permanente Art der Nachsorge von Herzpatienten können auch Kosten im Gesundheitssystem gespart werden. Routinemäßige Implantat-Nachkontrollen können reduziert, Folgeerkrankungen und somit Krankenhauseinweisung vermieden werden. Einziger Wermutstropfen: Es ist ein Pilotprojekt, das noch nicht von den Krankenkassen anerkannt wird. Das bedeutet: Die Kosten für die telemedizinischen Geräte werden nicht übernommen.

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