Online-Therapie bei Depressionen

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Verbraucher | Volle Kanne - Online-Therapie bei Depressionen

Menschen, die an Depressionen leiden, können sich auch im Internet helfen lassen. Dr. Christoph Specht über Vor- und Nachteile dieser Online-Therapien.

Beitragslänge:
10 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.04.2017, 14:00

Oft beginnt es schleichend, mit Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Melancholie. Sofern kein einschneidendes Erlebnis passiert ist, denkt sich der Betroffene nichts dabei - einfach eine schlechte Phase. Die wenigsten denken an das Krankheitsbild einer Depression. Doch die steckt immer häufiger hinter solchen Symptomen: Laut einer aktuellen Studie der WHO gehören depressive Störungen zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen.

In Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen an Depressionen, weltweit schätzt man, sind es mehr als 120 Millionen. In Deutschland versterben jährlich über 10.000 Menschen durch Suizid, die Zahl der Suizidversuche ist Schätzungen zufolge 15- bis 20-mal so hoch. Nach Angaben der WHO ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache bei Menschen zwischen 15 und 29 Jahren.

Schnelle Hilfe ist also gefragt, doch oft trauen sich Betroffene nicht, das Leiden offen anzusprechen, ihre Probleme vielleicht sogar einem Wildfremden anzuvertrauen. Psychologen werden deshalb oft nicht aufgesucht. Auch die Angst, dem Arbeitgeber die eventuellen Fehlstunden erklären zu müssen, hält sie davon ab. Entscheiden sie sich endlich doch für eine Therapie, sind drei Monate Wartezeit keine Seltenheit. Die Folge: Depressive ziehen sie sich immer stärker zurück – eine Spirale, die immer tiefer in die Krankheit führt.

Hilfe im Netz?

Genau deshalb kommen immer mehr Online-Tools auf den Markt, die Patienten mit depressiven Erkrankungen helfen sollen. Häufig bieten Krankenkassen diese Tools kostenlos an, andere Anbieter verlangen Gebühren für die Nutzung. Die meisten Angebote sind nach Modulen aufgebaut, bei denen die Nutzer stufenweise verschiedenste Übungen machen. Bei manchen Angeboten erhalten sie dann nach Abschluss der Übungen ein Feedback von einem Therapeuten, der dem User zu Beginn des Programms zugeteilt wird.

Selbsteinschätzungen, Tagespläne, Überprüfung der Schlafzeiten – all das wird in den Programmen abgedeckt. Ein großer Teil beruht auf dem Selbstmanagement des Patienten. Den großen Vorteil sehen Befürworter darin, dass die Hemmungen geringer seien, sich behandeln zu lassen, da alles sehr anonymisiert ist. Außerdem bekommt der Patient schneller Hilfe, da es keine großen Wartezeiten für die Nutzung der Programme gibt. Und sie können zu jeder Zeit, in heimischer und sicherer Umgebung das Tool nutzen.

Der gläserne Patient?

Für Kritiker sind jedoch viele wichtige Fragen ungeklärt: Wer genau sitzt hinter dem Computer und gibt Feedback? Was ist mit Datenschutz? Die Berufsverbände der Therapeuten kritisieren vor allem die mangelnde Rückkopplung zum Patienten. In einer „Face-to-Face“-Situation bekommen Therapeuten die persönliche Reaktionen unmittelbar mit und können notfalls sofort intervenieren. Außerdem seien viele Programme auf Verhaltensänderungen ausgelegt, was nicht für jeden Patienten die richtige Methode sei. Gerade Depressionspatienten seien zudem schlecht in der Lage, sich selbst einzuschätzen. Und genau darauf basieren viele Programme. Denn gerade depressive Menschen verdrängen häufig vieles. Aufgabe des Therapeuten sei dann, genau das an die Oberfläche zu bringen und zu behandeln.

Auf jeden Fall sollten Betroffene vor Nutzung eines solchen Programms hinterfragen, ob es sich um ein seriöses und professionelles Angebot handelt und mit dem behandelnden Arzt über die Eignung in der individuellen Situation sprechen.

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