Die Angst beherrscht den Tag

Wie Panikattacken die Gesundheit beeinflussen

Verbraucher | Volle Kanne - Die Angst beherrscht den Tag

Nicholas Müller weiß wie es sich anfühlt, wenn Ängste das Leben bestimmen. Davon erzählt er bei "Volle Kanne". Dr. Christoph Specht erklärt die Hintergründe der Erkrankung und mögliche Therapien.

Beitragslänge:
17 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.04.2017, 14:00

Herzrasen, Atemnot und Übelkeit - Panikattacken sind eine besondere Form der Angststörung. Sie kommen aus heiterem Himmel, manchmal sogar ohne einen konkreten Auslöser - und werden von intensiven körperlichen Reaktionen begleitet. Von den Betroffenen können sie als lebensbedrohlich wahrgenommen werden. Zwar verschwinden die Symptome nach ein paar Minuten meist wieder von selbst. Dennoch stellt sich die Frage: Wie lassen sich diese behandeln?

Panikattacken können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen, wenn der Betroffene in einer andauernden Angst vor der nächsten Panikattacke lebt, also eine Angst vor der Angst entwickelt. Wenn Panikattacken mit bestimmten Situationen, Objekten oder Orten in Verbindung gebracht werden, kann sich daraus eine phobische Angststörung entwickeln. Das heißt, der Betroffene entwickelt zum Beispiel eine Phobie vor Kaufhäusern, weil er sie mit seinen Panikattacken in Verbindung bringt.

Während eine Panikattacke nach wenigen Minuten vorüber sein kann, ist es ein Kennzeichen der generalisierten Angststörung, dass sie über einen langen Zeitraum andauert. Wer an dieser Form der Angststörung leidet, hat monatelang mit Sorgen und Befürchtungen zu kämpfen, die um alle Bereiche des Lebens kreisen können, wie beispielsweise um Krankheiten, um die Kinder und den Partner oder das Alter.

Reine Definitionssache

Was eine Panikattacke ist, ist medizinisch genau definiert. Sie zeichnet sich nicht allein durch ein Gefühl der Angst oder Panik aus. Sie wird in der Regel von folgenden Symptomen begleitet: Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Erstickungsgefühle, Beklemmungsgefühle in der Brust, Übelkeit, Schwindel, Gefühl der Unwirklichkeit, Angst die Kontrolle zu verlieren, Todesangst, Taubheitsgefühle, Hitzewallungen oder Kälteschauer.

Von einer Panikattacke kann man sprechen, wenn mindestens vier dieser Symptome abrupt auftreten und innerhalb von zehn Minuten ihren Höhepunkt erreichen. Ein weiterer Hinweis auf eine Panikattacke ist, wenn zu diesen Symptomen unrealistisch gesteigerte Befürchtungen kommen, beispielsweise der Gedanke, man könnte einen Hirntumor haben oder einen Schlaganfall erleiden.

Warum gerät man in Panik?

Oft geht einer Panikattacke eine längere Phase psychischer oder physischer Belastung voraus, beispielsweise ein Todesfall in der Familie oder eine schwere Krankheit. Möglicherweise gibt es eine genetische Veranlagung. Wenn Verwandte ersten Grades bereits an Panikattacken leiden, ist die Wahrscheinlichkeit, selbst eine zu erleiden, deutlich erhöht. Aber auch die Erziehung, belastende Erlebnisse oder Traumata in der Kindheit können dazu führen, dass jemand generell sensibler auf belastende Situationen oder körperliche Symptome reagiert, die beim Betroffenen eine Panikattacke in Gang setzen können.

Menschliches Gehirn (Animation)
Der sogenannte Mandelkern im Gehirn spielt bei Panikattacken eine Rolle. Quelle: ZDF

Wissenschaftler haben festgestellt, dass im Gehirn bei einer Panikattacke der Bereich des sogenannten Mandelkerns besonders aktiv ist. Dieser ist für die Regulierung von Emotionen zuständig. Möglicherweise reagiert jenes Emotionszentrum bei den Betroffenen überempfindlich. Außerdem scheinen bestimmte Neurotransmittersysteme des Gehirns aus dem Gleichgewicht zu geraten. Unter anderem ist die Menge des körpereigenen Neurotransmitters GABA reduziert, welcher die Angstgefühle mildert. Gleichzeitig reagieren die Rezeptoren der Nervenzellen weniger sensibel auf GABA und den beruhigend wirkenden Hirnbotenstoff Serotonin.

Diagnose: Körper erfolglos durchleuchtet

Die Diagnose ist schwierig, weil Ärzte und Patient zunächst nach einer körperlichen Ursache suchen. In der Regel liegt keine körperliche Erkrankung vor, auch wenn die Betroffenen selbst davon überzeugt sind. Bei der Diagnose führt der Arzt oder Psychotherapeut ein ausführliches Gespräch und setzt unter Umständen spezielle Angstfragebögen ein.

Außerdem muss ausgeschlossen werden, dass hinter der Attacke keine andere psychische und körperliche Erkrankung steckt, zum Beispiel eine Depression oder eine Schilddrüsenerkrankung. Denn durch diese können ähnliche Symptome wie bei einer Panikattacke hervorgerufen werden, ohne dass eine Panikstörung zwingend vorliegen muss.

Therapie durch Konfrontation

Bei Panikstörungen werden vor allem Therapie-Techniken aus dem Bereich der Verhaltenstherapie eingesetzt. Bewährt hat sich die sogenannte Konfrontationstherapie, um das mit der Panikstörung häufig verbundene Vermeidungsverhalten zu behandeln. Hier wird der Patient schrittweise an Situationen herangeführt, die eine Panikattacke bei ihm auslösen. Unter Anleitung des Therapeuten kann er die aufkommenden Ängsten und körperlichen Symptome während der Attacke bewusst durchleben und sich mit ihnen auseinander setzen.

Wenn keine äußeren Reize als Auslöser gefunden werden, können körperliche Reaktionen wie Schwindel, Herzrasen oder Übelkeit auch durch spezielle Übungen hervorgerufen werden, damit der Betroffene unter Anleitung des Arztes lernt, damit umzugehen.

Medikamente und mehr

Wenn nötig, kann die Panikstörung, besonders bei akuten Fällen, auch durch Medikamente unterstützend behandelt werden, etwa mit Antidepressiva. Als wirkungsvoll haben sich dabei selektive Serotonin-Rückaufnahme-Hemmer erwiesen. Sie lindern nicht nur die Angst, sondern hellen auch die Stimmung auf und steigern den Antrieb.

Ergänzend ist es hilfreich, wenn der Arzt mit dem Patienten Erklärungsmodelle entwickelt für das, was sich in seinem Körper während einer Panikattacke abspielt. So kann der Betroffene im Idealfall lernen, wie er während einer Panikattacke Angst steigernde Gedanken vermeidet, dass er die Symptome kontrollieren kann und dass von ihnen keine Bedrohung ausgeht.

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