Schlaganfall behandeln

Eine Situation, in der jede Minute zählt

Verbraucher | Volle Kanne - Schlaganfall behandeln

Bei einem Schlaganfall ist Eile geboten - wegen der Gefahr bleibender Gehirnschäden ist eine sofortige Behandlung erforderlich.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.03.2017, 14:00

Ein Schlaganfall ist ein akuter Notfall. Er wird durch Störungen der Blutversorgung des Gehirns ausgelöst. Durch den plötzlichen Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen kann es zum Absterben von Nervenzellen kommen, was wiederum zum Ausfall von Funktionen des Zentralen Nervensystems führt.

Meist verursacht eine Arteriosklerose einen Verschluss der hirnversorgenden Gefäße. Eine zweite mögliche Ursache ist der Verschluss durch ein Blutgerinnsel, das mit dem Blutstrom in ein Gefäß gelangt. Etwas seltener ist eine Hirnblutung die Ursache für einen Schlaganfall, bei der ein Riss in einer Hirnarterie entsteht. Alter, Bluthochdruck und Diabetes erhöhen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Auch genetische Vorbelastung, Durchblutungsstörungen und Herzkrankheiten begünstigen einen Hirnschlag. Rauchen, Stress, Übergewicht, Alkohol und Bewegungsmangel sowie Fettstoffwechsel-störungen, hormonelle Kontrazeptiva und Vorhofflimmern sind weitere Risikofaktoren.

Oft kündigt sich ein Schlaganfall durch bestimmte Symptome an. Solche Warnzeichen, die sich bereits durch einen vorübergehenden Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen im Gehirn ergeben können, sind Lähmungserscheinungen, Gefühls-, Sprach- und Sehstörungen, plötzliche Gedächtnislücken oder neurologische Ausfälle. Auch Kopfschmerzen und Übelkeit gehen einem Schlaganfall häufig voraus. Neben stärker ausgeprägten Formen der genannten Symptome verursacht ein schwerer Schlaganfall Bewusstseinstrübungen bis hin zu einer lebensbedrohlichen Bewusstlosigkeit.

Schnell handeln

Betroffene sollten sofort von einem Notarzt und in der Folge von einem Neurologen untersucht werden. Die neurologischen Untersuchungen geben Aufschluss über den Typ des Schlaganfalls. Die Computertomographie zeigt, ob ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung die Ursache ist. Auf sogenannten Stroke Units können Betroffene intensiv beobachtet und durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachärzte behandelt werden. Die entscheidenden Maßnahmen müssen in den ersten Stunden erfolgen. Ist ein Blutgerinnsel die Ursache, kann die Durchblutung des Gehirns durch eine Lysetherapie wiederhergestellt werden. Dabei wird das Blutgerinnsel durch spezielle Medikamente aufgelöst.

Eine Lysetherapie sollte so schnell wie möglich eingeleitet werden. Als maximales Zeitfenster gelten etwa zwei bis drei Stunden. Schlaganfälle, die durch gerissene Gefäße verursacht wurden, können mit der Lysetherapie nicht behandelt werden. Grundsätzlich gilt: je schneller behandelt wird, desto geringer sind in den meisten Fällen die möglichen Folgeschäden. Besonders bei einer zu spät einsetzenden Erstversorgung sind Folgeschäden wie Lähmungen und Sprachstörungen trotz entsprechender Reha-Maßnahmen oft nicht mehr vollständig rückgängig zu machen.

Das "Stroke-Einsatz-Mobil"

Die Abkürzung STEMO steht für "Stroke-Einsatz-Mobil". Es handelt sich dabei um das erste spezielle Schlaganfall-Rettungsfahrzeug, das im Rahmen eines Forschungsprojekts von der Charité Berlin und der Berliner Feuerwehr entwickelt wurde. Seit Februar 2011 ist es im Großraum Berlin im Einsatz. Das Fahrzeug verfügt über einen Computertomographen, modernste Labordiagnostik und eine telemedizinische Vernetzung. Dadurch kann mit der Diagnose und Behandlung direkt vor Ort begonnen werden, das heißt, noch bevor der Patient in einer Schlaganfallklinik weiterversorgt wird.

Alarmiert wird das Stroke-Einsatz-Mobil durch ein spezielles Abfrageprotokoll, das bei Eingang des Notrufs in der Leitstelle ausgelöst wird. Das Fahrzeug ist mit einem als Notarzt qualifizierten Neurologen, einem als Rettungssanitäter ausgebildeten Röntgenassistenten sowie einem Rettungsassistenten besetzt. Das Team kann nach klinischer und radiologischer Absicherung der Diagnose noch am Einsatzort mit der Lysetherapie beginnen und den Patienten anschließend auf die nächstgelegene Stroke Unit transportieren.

Kältetherapie: Wie funktioniert sie?

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung eines Schlaganfalls ist die sogenannte Hypothermie (auch Kältetherapie genannt). Dabei wird die Körpertemperatur des Patienten einen ganzen Tag lang auf 35 Grad Celsius herab gekühlt. Um zu verhindern, dass der Körper durch Muskelzittern versucht, die Temperatur wieder zu erhöhen, erhalten die Patienten Medikamente gegen das Kältezittern. Die Kühlung wird bei Bewusstsein des Patienten durchgeführt und wird als unangenehm empfunden. Je nach Schweregrad des Schlaganfalls werden Patienten bei dieser Therapie auch in ein künstliches Koma versetzt.

Mann nach Kältetherapie
Mann nach Kältetherapie Quelle: imago

Da bei einem Schlaganfall das Gehirn vor allem mit Sauerstoff unterversorgt ist, wird es durch die Kühlung in eine Art Winterschlaf versetzt. In diesem gekühlten Zustand benötigt das Hirn weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Auf diese Weise wollen die Forscher die bleibenden körperlichen Schäden wie Behinderungen sowie die Zahl der Todesfälle nach einem Schlaganfall reduzieren. Wichtig für die Wirksamkeit ist, dass die Kühlung so schnell wie möglich erfolgt, am besten innerhalb der ersten sechs Stunden. Außerdem nutzen die Mediziner die Kühlung, um gefährliche Schwellungen des Hirns zu stoppen.

Bisherige Erfahrungen

Bisher gibt es viele Erfahrungen und Studien mit der Kältetherapie im Rahmen von Tierversuchen – mit sehr positiven Ergebnissen. Bei Menschen wurde die Methode noch nicht häufig angewendet, nur in schweren Einzelfällen. Denn bisher gibt es noch zu wenig Daten, die einen häufigen Einsatz der Therapieform rechtfertigen würde. Daher läuft aktuell eine europaweite Studie, in der rund 1500 Patienten in über 80 Schlaganfallzentren mit der Kältetherapie behandelt werden. Die neurologische Klinik des Uniklinikums Erlangen leitet die Studie. Bei positivem Ergebnis soll die Methode in der Breite angewendet werden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet