Schluss mit Stottern

Über Anzeichen, Ursachen und Therapiemöglichkeiten

Verbraucher | Volle Kanne - Schluss mit Stottern

Anja Frey betreut Kunden bei der Bahn, obwohl sie stottert. Sie lässt sich davon nicht unterkriegen, sondern schickt ihre Reisenden gekonnt in den Urlaub - trotz des ein oder anderen Hängers.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.10.2017, 14:00

Kommunikation ist ein Muss, denn täglich steht man in Kontakt mit anderen. Doch das Sprechen kann zu einem fast unüberwindbaren Hindernis werden, wenn Menschen stottern. Mit seinem Stottern steht man aber nicht allein – immerhin stottert ein Prozent aller Deutschen. Auch viele Prominente hatten einst damit zu kämpfen, unter ihnen Bruce Willis, „Der Graf“ von "Unheilig", der Fußballer Hamit Altintop, Rowan Atkinson alias Mr. Bean, König George VI. und Marilyn Monroe.

Etwa 800.000 Menschen in Deutschland stottern. Für Betroffene können ganz alltägliche Situationen zur Belastung werden, wie der Kauf einer Fahrkarte beispielsweise. Die Angst und der Wunsch, das Stottern zu vermeiden, können das ganze Leben beherrschen und Einfluss auf Beruf und Freizeitaktivitäten nehmen.

Das Stottern entsteht meist im Kindesalter, in einer Entwicklungsphase, in der sich das Kind körperlich, geistig, emotional und sprachlich am schnellsten verändert. Viele Einflüsse aus dem körperlichen, psychischen, sprachlichen und sozialen Bereich können bei der Entstehung eine Rolle spielen. Unangemessene und negative Reaktionen der Mitmenschen, auch Mitleid oder Verlegenheit, können dazu beitragen, dass sich ein Stotterer immer weiter aus der Gesellschaft zurückzieht.

Ursachen und Symptome

Die Ursachen sind noch nicht ausreichend erforscht. Es gibt zwar Theorien, die versuchen, das Entstehen und die Ursachen zu erklären, doch gibt es bislang keine ausreichenden Belege. Es wird aber angenommen, dass die meisten Stotterer eine genetische Veranlagung dazu haben. Stottern kann beispielsweise auch durch eine neurologische Erkrankung entstehen. Ebenfalls möglich sind psychologische oder organische Ursachen.

Stottern ist eine Unterbrechung des Redeflusses durch Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern, längeren Pausen, Dehnungen oder Blockaden. Es gibt zudem sekundäre Symptome, wie auffällige Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur oder zusätzliche Körperbewegungen, beim Sprechen.

Stottern oder was?

Bei der Diagnose ist zu unterscheiden, ob es sich tatsächlich um Stottern handelt oder um eine so genannte physiologische Redeunflüssigkeit, wie sie beispielsweise bei Kindern vorkommen kann. Dies wird als Poltern bezeichnet und ist eine Störung, die sich durch ein erhöhtes Sprechtempo und eine undeutliche Aussprache äußert.

Auch ein Trauma kann zu Stottern führen, das allerdings nicht mit dem gängigen Stottern gleichzusetzen ist und völlig anders therapiert werden muss. Zur Diagnose sollte unbedingt eine Befragung von Angehörigen und Freunden gemacht werden, da die Betroffenen in einer diagnostischen Situation oft flüssiger sprechen als im Alltag.

Endlich flüssig sprechen

Es gibt verschiedene Ansätze, die jeweils für sich erfolgversprechend sein können. Folgende Methoden können unterschieden werden: eine lokale Sprechtherapie, die sich mit dem Stotterereignis als Block auseinandersetzt. Hierzu werden Modifikationstechniken erlernt. Das heißt, dass der Stotterer bei schwierigen Wörtern eine bestimmte Sprechtechnik anwenden kann, um mehr Kontrolle über das Stottern zu bekommen oder es sogar zu verhindern.

Im Gegensatz dazu befasst sich die globale Sprechtherapie mit der gesamten Sprechweise. Sie versucht, durch einen systematischen Aufbau der Sprache das Stottern im Idealfall gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Vorsicht vor unseriösen Angeboten

Moderne Therapien setzen sich nicht nur mit Sprechtechniken auseinander, sondern betrachten auch die Psyche, die Angst vor dem Stottern und das daraus resultierende Vermeidungsverhalten. Es gibt aber keine Idealtherapie, denn jedem Betroffenen kann eine andere Therapieform helfen. Eine Therapie, die eine völlige Heilung nach kurzer Zeit verspricht, gehört sehr wahrscheinlich zu den unseriösen Angeboten.

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