Schüler als Lebensretter

Wiederbelebung auf dem Stundenplan

Verbraucher | Volle Kanne - Schüler als Lebensretter

Rund 100.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Herzstillstand - dabei zählt jede Minute. Verschiedene Initiativen machen deshalb schon Schüler mit Erste-Hilfe-Maßnahmen vertraut.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.03.2017, 14:00

Plötzlich hört das Herz auf zu schlagen – Herzstillstand. Fast 100.000 Mal passiert das jedes Jahr auf der Straße, im Supermarkt - irgendwo in Deutschland. Aber nur in etwa jedem achten Fall beginnen Passanten vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Wiederbelebung. Dabei ist jede Minute entscheidend. Verschiedene Initiativen haben deswegen damit begonnen, bereits Schüler für den Ernstfall vorzubereiten.

Bis zu zwölf Minuten kann es in Deutschland dauern, bis der Notarzt beim Patienten ist. Wenn bis dahin nicht reagiert wurde, ist es meist zu spät: Nachdem das Herz aufgehört hat zu arbeiten, wird das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stellt bereits nach 30 Sekunden alle Funktionen ein. Spätestens zehn Minuten danach kommt es für gewöhnlich zu irreversiblen Hirnschäden. Die einfachste Methode, um den Restsauerstoff ins Gehirn zu befördern, wo er jetzt am meisten gebraucht wird, ist die Herzdruckmassage. Wie einfach man die Wiederbelebungsmaßnahme erlernen kann, zeigen mehrere Initiativen, die Schüler derzeit zu Lebensrettern ausbilden.

Schulung nach dem Schneeballprinzip

Unter dem Motto "Prüfen - Rufen - Drücken" schult das Deutsche Rote Kreuz seit September 2015 Lehrer in Baden-Württemberg. Die geben - ausgestattet mit Informationsmaterial und Übungspuppen - ihr Wissen in Wiederbelebung an die Schüler weiter. So sollen jedes Jahr alle Schüler ab der siebten Klasse die Reanimation entweder neu erlernen oder auffrischen - ohne dass sie einen Ersten-Hilfe-Kurs besuchen müssen.

Der Wiederbelebungskurs ist so aufgebaut, dass er sich in den Unterricht integrieren lässt. In Zweierteams üben die Schüler an den Übungspuppen, wie die Herz-Druck-Massage funktioniert. Das eingebaute Klicken in den Puppen verrät, ob sie tief genug drücken. Erst ab einer Drucktiefe von fünf bis sechs Zentimetern, etwa einem Drittel des Brustkorbdurchmessers, erzielt die Herz-Druck-Massage den gewünschten Erfolg: Der lebenswichtige Blutkreislauf wird in Gang gehalten, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Mit Stayin' Alive im Takt

Etwa 100 bis 120 Mal pro Minute sollte das Herz komprimiert werden, um einen Blutkreislauf bei der Reanimation aufzubauen. Aber wie schnell muss man drücken, um 100 Mal pro Minute zu schaffen? Dabei hilft ein Trick: Der Bee-Gees-Song „Stayin‘ Alive“ gibt den richtigen Takt vor - und passt thematisch auch gut. Ebenfalls funktionieren die Songs "Dancing Queen" von ABBA oder "Like a Prayer" von Madonna.

Neu ist, dass die Beatmung komplett wegfällt. Viele Menschen haben aus Ekel vor der Mund-zu-Mund-Beatmung eine Wiederbelebung gar nicht erst versucht. Dadurch, dass diese Hürde wegfällt, erhoffen sich die Initiatoren, dass jetzt mehr Menschen bereit sind, Hilfe zu leisten.

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