Sepsis oft unterschätzt!

Ohne schnelle Behandlung lebensgefährlich

Verbraucher | Volle Kanne - Sepsis oft unterschätzt!

Bei einer Blutvergiftung gelangen Keime und von ihnen frei gesetzte Giftstoffe in die Blutbahn. Über das Blut verteilen sie sich im Körper. Ohne schnelle Behandlung ist das lebensgefährlich.

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4 min
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Video verfügbar bis 11.04.2017, 10:05

Es kann ganz harmlos beginnen, zum Beispiel mit einem kleinen Schnitt im Finger. Dann wird er rot, schwillt an und tut weh. Ein Zeichen dafür, dass sich die Wunde entzündet hat, ausgelöst durch Bakterien, deren Gift oder durch Pilze. Für Menschen mit einem schwachen oder geschwächten Immunsystem kann das lebensgefährlich werden. Gelangen die Keime ins Blut und somit in andere Organe, dann wird aus einer lokalen Infektion eine Sepsis.

60.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an den Folgen einer Sepsis beispielsweise durch eine Lungenentzündung. Die Zahl der Betroffenen, die eine Sepsis erleiden, ist in den letzten zehn Jahren mit einer jährlichen Zuwachsrate von acht bis 13 Prozent dramatisch angestiegen. Die Gründe dafür sind vielseitig. Zum einen liegt es daran, dass die Bevölkerung immer älter wird. Zum anderen werden immer mehr Patienten noch im hohen Alter Hoch-Risiko-Eingriffen (Einsetzen eines neuen Hüftgelenks, schwere Krebsoperationen) unterzogen.

Gerade bei solchen Operationen ist die Infektionsgefahr sehr hoch, weil viele dieser Patienten oft ein geschwächtes Immunsystem haben. Der Körper ist dann kaum noch in der Lage, eine Infektion zu bekämpfen. Die Gefahr, an einer Sepsis zu versterben, ist dann hoch. In 60 Prozent aller Fälle lösen körpereigene Keime eine Sepsis aus.

MRSA besonders gefährlich

Oftmals haben es die Ärzte bei einer Sepsis mit besonders aggressiven Keimen zu tun, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent sind, die sogenannten multiresistenten Keime. Hauptursache dafür ist der jahrelange und massenhafte Gebrauch von Antibiotika bei Menschen und vor allem in der tierverarbeitenden Industrie. 1800 Tonnen Antibiotika werden jährlich allein in Deutschland prophylaktisch in der Massentierhaltung eingesetzt. Menschen, die in dieser Branche arbeiten, zählen inzwischen mit zu den Risikogruppen (neben Krebspatienten, älteren Menschen, Unfallopfern, Brandverletzten).

Multiresistente Keime in den Griff zu bekommen wird daher für Ärzte immer schwieriger, denn neue Antibiotika sind nicht in Sicht. Noch gibt es hochwirksame Antibiotika auch gegen multiresistente Keime. Doch die setzen Ärzte nur im extremen Notfall ein, um die „Waffen“, die sie noch haben, nicht zu verlieren oder stumpf werden zu lassen.

Blutvergiftung erkennen

Bei einer Sepsis ist das Immunsystem nicht in der Lage, eine bestehende Infektion an ihrem Ursprung ausreichend zu bekämpfen. Die Erreger können sich dann über den Blutweg im Körper ausbreiten. Als Folge kommt es zu umfassenden Entzündungsreaktionen, die sich auf den gesamten Körper auswirken. Das Wichtigste bei einer Sepsis (Blutvergiftung) ist daher die frühzeitige Diagnose, denn dann ist sie mit einer Antibiotika-Therapie gut behandelbar. Doch leider wird sie oft von niedergelassen Ärzten als Wundheilungsstörung betrachtet und auch als solche behandelt.

Mann auf Intensivstation
Nach einem septischen Schock muss der Patient oft auf die Intensivstation. Quelle: imago

Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, dann kann sie im schlimmsten Fall mehrere Organe befallen und zum septischen Schock führen. Die Folge: ein oder mehrere Organe versagen. Bei den folgenden Anzeichen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden: eine schlechte oder sehr lange andauernde Wundheilung, Fieber (höher als 38 Grad Celsius oder niedriger als 36 Grad Celsius), eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz.

Ursachen und Verlauf

Meistens hat eine Sepsis ihre Ursachen in einer Infektion mit Bakterien, ausgehend von Entzündungsherden wie einer Lungen- oder Hirnhautentzündung sowie einer Wund- oder Katheter-Infektion. Eher selten stecken Viren oder Pilze dahinter. In vielen Krankenhäusern gibt es sogenannte spezialisierte septische Chirurgien, Fachabteilungen für Sepsis. Patienten mit Verdacht auf eine Sepsis sollten dort vorstellig werden.

Es werden drei Stadien unterschieden: Bei einer einfachen Sepsis verlassen die Erreger oder die von ihnen produzierte Gifte den ursprünglichen Entzündungsherd und breiten sich im Körper aus. Bei der schweren Sepsis versagen zusätzlich einzelne Organe abseits vom Infektionsort. Beim septischen Schock kommt es zum lebensbedrohlichen Blutdruckabfall und zum gleichzeitigen Versagen mehrerer Organe.

Keime gezielt bekämpfen

Eine Sepsis macht eine schnelle Therapie nötig, denn schon innerhalb der ersten Stunden kann sich ein schwerer, akut lebensbedrohlicher Zustand entwickeln. Darum gilt sie auch (wie beispielsweise ein Herzinfarkt oder Schlaganfall) als medizinischer Notfall. Zunächst werden die Ursachen der Infektion bekämpft. Das heißt, da es meistens Bakterien sind, werden über einen Abstrich die Keime bestimmt und mittels einer auf diesen Erreger abgestimmten Antibiotika-Kur behandelt.

Es ist wichtig, dass dies sofort, möglichst innerhalb einer Stunde nach der Sepsis-Diagnose, geschieht. Alle zwei bis drei Tage werden die eingesetzten Antibiotika vom Arzt neu bewertet, um die Behandlung gezielter auf die Erreger abstimmen zu können. Das verringert auch das Risiko, dass die Keime Antibiotika-Resistenzen aufbauen.

Sauerstoff und Blutdruck

Blutdruckmessung
Der Blutdruck spielt eine entscheidende Rolle. Quelle: imago

Neben der Bekämpfung der ursächlichen Erreger kommen je nach Schwere der Sepsis weitere Therapien zum Einsatz. So erfordert eine schwere Sepsis oder ein septischer Schock noch vor Beginn der ursächlichen Therapie, dass die Sauerstoffversorgung und der Blutdruck ausreichend hoch sind. Dafür wird den Betroffenen zunächst Flüssigkeit über eine Infusion verabreicht. Wenn trotz dieser sogenannten Volumenersatztherapie der Blutdruck zu niedrig oder die Organdurchblutung nicht gewährleistet ist, kommen zur weiteren Behandlung bestimmte Hormone zum Einsatz, um das Herz-Kreislauf-System anzuregen. Das sind sogenannte Katecholamine wie Noradrenalin oder Dopamin.

Bei einer schweren Sepsis kann es auch notwendig werden, den Infektionsherd operativ großflächig zu entfernen. Beispielsweise bei einer Knochensepsis, ausgelöst durch einen schweren Verkehrsunfall oder durch eine Hüft-Operation kann es passieren, dass dem Patienten infiziertes, krankes Knochenmaterial operativ entfernt werden muss, um die weitere Ausbreitung der Sepsis zu verhindern.

Schlechte Aussichten

Bei spätem Therapiebeginn, unklarem Infektionsherd oder dem Auftreten eines Multiorganversagens ist die Prognose ungünstig. Aufgrund der wachsenden Anzahl alter, geschwächter Patienten, zunehmender Antibiotikaresistenzen und immer mehr großen operativen Eingriffen kommt es immer häufiger zu einer Sepsis. Eine rechtzeitige Behandlung ist daher umso wichtiger.

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