Syphilis und Co. auf dem Vormarsch

Sexuell übertragbare Krankheiten verbreiten sich weiter

Verbraucher | Volle Kanne - Syphilis und Co. auf dem Vormarsch

Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Ansteckungen werden aus Scham oft verheimlicht.

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Video verfügbar bis 01.09.2017, 14:00

Die Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland steigt und steigt. Im letzten Jahr wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 6834 Fälle gemeldet, 19 Prozent mehr als im Vorjahr (5722 Fälle) - und der mit Abstand höchste Wert seit 2001, dem Zeitpunkt,als Syphlis meldepflichtig wurde. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch sehr viel höher liegt, da Geschlechtskrankheiten wie Syphilis aus Scham oft verheimlicht werden.

Der Erreger der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum. In der Regel wird es durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Es ist aber auch möglich, dass zum Beispiel eine infizierte Schwangere ihr ungeborenes Kind auf dem Blutweg ansteckt. Am häufigsten betroffen sind Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren.

Unbehandelt entwickelt sich die Krankheit in vier Stadien. Im Primärstadium erscheint ein schmerzloses Geschwür, das Flüssigkeit absondert, am Penis, an den Schamlippen oder in der Scheide - im Falle von Oralverkehr auch im Mund oder bei Analverkehr im Darm.

Knochen und Organe befallen

Drei bis sechs Wochen später geht die Krankheit mit grippeartigen Beschwerden in ihr Sekundärstadium über. Erkrankte entwickeln einen Hautausschlag, aus dem sich später nässende Knötchen bilden. Diese Flüssigkeit ist hoch ansteckend. Es folgt meist eine Phase des Stillstandes. In das Tertiärstadium geht eine Syphilis in der Regel nach drei bis fünf Jahren über. Dann werden neben Blutbahnen und Atemwegen auch Knochen, Muskeln und innere Organe, besonders Speiseröhre, Magen und Leber, befallen. Überall dort können verhärtete Knoten entstehen. Auf der Haut bilden sich große Geschwüre. Brechen die Knoten auf, kann umliegendes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden.

Unbehandelt kommt es zehn bis 20 Jahre nach Ausbruch der Syphilis zu schweren neurologischen Störungen, die zu geistigem Abbau und Demenz führen können. Das Gehen und die Kontrolle über Blase und Darm sind gestört. In diesem Endstadium, das in Industrienationen nur noch selten auftritt, sind die Betroffenen im weiteren Verlauf gelähmt oder sterben sogar.

Behandlung mit Penicillin

Das Bakterium kann mit einem Abstrich von Geschwür oder Ausschlag und in einer Blutprobe nachgewiesen werden. Schwangere werden routinemäßig auf Syphilis untersucht. Im Falle, dass eine Syphilis festgestellt wird, sollten alle Personen, mit denen man sexuellen Kontakt hatte, informiert werden.
Das Heilmittel zur Behandlung der Syphilis ist Penicillin. Dabei ist es meist ausreichend, wenn ein- oder zweimal ein länger wirkendes Penicillin gespritzt wird. Bei einer Spätsyphilis braucht man allerdings häufig mehr Injektionen mit deutlich höheren Dosierungen. Die Symptome einer Frühsyphilis verschwinden zwar im Prinzip auch ohne Behandlung, die Therapie mit Antibiotika ist aber nötig, um einen Übergang in die Spätsyphilis und eine Infektion anderer Personen zu verhindern.

Weitreichende Folgen

Die Spätsyphilis mit neurologischen Symptomen und dem Befall innerer Organe ist oft mit einer schlechteren Prognose verknüpft. Nach Behandlungsende sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig. Mit der Verwendung von Kondomen lässt sich das Risiko einer Ansteckung deutlich reduzieren. Bei wechselnden Sexualpartnern ist dies umso wichtiger. Ausschließen lässt sich das Risiko einer Infektion aber auch durch die Benutzung eines Präservativs nicht. Auch beim Küssen kann zum Beispiel eine Übertragung der Bakterien durch ein Geschwür im Mundraum erfolgen.

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