Therapie für Flüchtlinge

Zu wenig Plätze für Menschen mit Kriegstrauma

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Verbraucher | Volle Kanne - Therapie für Flüchtlinge

Flüchtlinge leiden häufig unter Kriegstraumata - eine spezielle Therapie soll helfen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.12.2016, 14:00

Seit Monaten beherrschen Meldungen über die Flüchtlingskrise die Nachrichten: Es geht vor allem um überfüllte Flüchtlingsheime und überforderte Behörden und Einsatzkräfte. Lösungen werden meist auf bürokratischer Ebene gesucht, doch das reicht nicht aus.Studien des Kompetenzzentrums Psychotraumatologie der Universität Konstanz zeigen, dass fast die Hälfte aller Flüchtlinge unter einem ausgeprägten Kriegstrauma leiden.

Quälender Durst, Überlebensangst, Folter und menschenunwürdige Umstände: Diese Erfahrungen in der Heimat und auf der Flucht hinterlassen nicht nur seelische Spuren, sondern auch körperliche. Nach neuesten Forschungsergebnissen können sogar Auswirkungen auf das Erbgut der Immunzellen im Blut die Folge sein. Es kann zu neurobiologischen Veränderungen des Gehirns kommen. Aber wie behandelt man Menschen, die so extrem traumatisiert worden sind? Und wie überbrückt man die kulturellen und sprachlichen Barrieren in der Therapie?

Die „Narrative Expositionstherapie“

Das Kompetenzzentrum Psychotraumatologie der Universität Konstanz ist auf die Therapie von Flüchtlingen spezialisiert. Es hat die Narrative Expositionstherapie (NET) für Flüchtlinge entwickelt. Es handelt sich dabei um eine „Zeugnis-Therapie“. Die Erzählungen der Patienten werden von Dolmetschern übersetzt. Die Erlebnisse werden in „gut“ und „schlecht“ mit Hilfe von Blumen und Steinen eingeteilt – eine Symbolik, die fernab von Bildung und Sprachbarrieren verständlich ist.

Zusammen mit dem Therapeuten ordnet der Patient die Kriegs- und Fluchterlebnisse chronologisch ein. So lernt er, seine schlimmen Erfahrungen in der Vergangenheit zu verankern und trägt sie nicht als permanente Last mit sich herum. Außerdem eignet er sich so eine Gefährdungsbeurteilung an. Das hilft ihm, die permanente Angst vor allem zu reduzieren und Erlebtes zu verarbeiten. In zehn Doppelsitzungen können die Therapeuten bereits Erfolge erzielen, Erfolge, die das Kompetenzzentrum sogar wissenschaftlich nachweisen kann. So konnte in Studien gezeigt werden , dass die neurobiologischen Veränderungen am Gehirn nach der Therapie wieder zurück gehen können.

Mehr Therapieplätze erforderlich

Angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsströme gibt es für dieses Verfahren noch viel zu wenige Therapieplätze: In Konstanz bekommen derzeit 130 Patienten einen Platz. Täglich kommen dort unzählige Hilferufe von Behörden, Schulen und Ärzten an. Das Team aus dem Kompetenzzentrum fordert deshalb, mehr in die Therapie der Flüchtlinge zu investieren und vor allem auch Therapeuten auf die kommenden Herausforderungen besser vorzubereiten.

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