Gerinnsel aus dem Kopf absaugen

Thrombektomie als wirksame Therapieergänzung

Computergrafik Blutgerinnsel

Verbraucher | Volle Kanne - Gerinnsel aus dem Kopf absaugen

Bei einem Schlaganfall gibt es zwei Therapiemöglichkeiten. Die Thrombolysetherapie ist schon etwas älter, die Thrombektomie gibt es erst seit rund zehn Jahren und sie war lange umstritten.

Datum:
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Ein Schlaganfall tut nicht weh. Tatsächlich werden viele Menschen erst auf ihn aufmerksam, wenn sie Sehbeeinträchtigungen oder Taubheitsgefühle spüren. Die Folge: Sie begeben sich viel zu spät auf den Weg in die Notaufnahme. Nach mehreren Stunden sind jedoch viele kostbare Gehirnzellen bereits abgestorben. Zurück bleiben oft schwere Folgen: Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen und Ausfälle der Sinnesorgane wie Augen und Ohren. Sind sie nicht sogar irreparabel, so können sie nur über langwierige Rehabilitation und viel Training wiedererlangt werden.

Meist sind Blutgerinnsel (medizinisch: Thromben), die eine Hirnarterie verstopfen, für den Schlaganfall verantwortlich. Deshalb nennt man ihn auch Hirninfarkt. Es kommt zu einer Minderdurchblutung des umliegenden Gewebes.

Behandlung mit Medikamenten oder Katheter?

Die Erstintervention im Standardfall, um das verschlossene Gefäß wieder zu öffnen (es zu rekanalisieren), ist die intravenöse Lyse. Dabei wird das Gerinnsel mithilfe des Medikaments rt-PA aufgelöst. Es setzt körpereigene Enzyme in Gang, die den Thrombus an Ort und Stelle abbauen sollen. Die Methode hat sich bewährt, insbesondere auch bei den leichteren bis mittelschwer betroffenen Patienten. Sie wird jedoch optimalerweise nur innerhalb von vier bis fünf Stunden nach den ersten Ausfallerscheinungen eingesetzt.

Seit rund zehn Jahren können Blutgerinnsel im Gehirn auch mittels eines winzigen Schlauches, dem Katheter, aus der Arterie entfernt werden. Die ist dann sinnvoll, wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreicht. Das Verfahren zur mechanischen Rekanalisation nennt man Thrombektomie oder endovaskuläre Therapie.

So funktioniert die Thrombektomie

Bei der Thrombektomie wird ein feiner Katheter von der Leiste aus eingeführt und unter Röntgenkontrolle langsam durch das Gefäßsystem vor bis ins Gehirn geschoben. Dort, wo die Arterie verstopft ist, wird der Blutpfropf in einem winzigen Drahtgestell fixiert, eingesaugt und durch den Schlauch abtransportiert. Das Greifwerkzeug, welches das Gerinnsel möglichst schonend entfernt, heißt Stentretriever oder Fangstent. Hier ist Präzision auf höchstem Niveau gefragt, denn der Pfropf bleibt dabei im besten Falle ganz. Zerfasert er, können kleine Teilchen wieder in die Blutbahn gelangen – wo sie unter Umständen weitere Blockaden anrichten.

Fließt durch das betroffene Hirnareal wieder Blut, ist die akute Durchblutungsstörung beendet. Manche Schädigungen lassen augenblicklich nach - vorausgesetzt, der Eingriff erfolgt schnell genug und es sind noch nicht zu viele Zellen zerstört.

Mittlerweile anerkannte Methode

Mehrere internationale Studien belegen, dass die Thrombektomie in Kombination mit der bekannten Thrombolysetherapie den Gesundheitszustand bestimmter Patienten nachhaltig verbessern kann. Dazu gehören auch jene, bei denen schon viel Zeit verstrichen ist, bevor die Intervention beginnt.

Nachdem die Methode in einigen älteren Studien (unter anderem mit mittlerweile veralteten Werkzeugen) nicht gut abgeschnitten hatte, halten Experten die Thrombektomie mittlerweile für sehr vielversprechend. Sie wird in Ergänzung zur Lyse angewendet, kann sie aber nicht ersetzen. Heute wird meist unverzüglich mit der Lyse begonnen, um im Falle des Verschluss einer großen hirnversorgenden Arterie mit schweren Ausfällen die mechanische Rekanalisation einzuleiten.

Bedauerliche Einschränkung

Derzeit kommen maximal zehn Prozent aller Schlaganfallpatienten für dieses Vorgehen in Frage. Diese müssen so schwer betroffen sein, dass der zu erwartende Erfolg die Therapie rechtfertigt – denn der Eingriff ist im Vergleich sowohl komplizierter als auch langwieriger und birgt ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet