Sparen bei der Privaten Krankenversicherung

So können Sie Beitragssteigerungen umgehen

Verbraucher | Volle Kanne - Sparen bei der Privaten Krankenversicherung

Jedes Jahr im November bekommen privat Krankenversicherte Post von ihrem Versicherer - und die dürfte für viele wenig erfreulich ausfallen. Der Grund: Die Branche erwartet, dass im kommenden Jahr eine Teuerungswelle über Privatversicherte hereinbricht.

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6 min
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Video verfügbar bis 31.10.2017, 03:30

Für das kommende Jahr werden durchschnittliche Beitragssteigerungen von über zehn Prozent befürchtet. Eine gute Möglichkeit, als Privatversicherter die monatlichen Beiträge zu senken, ist ein interner Tarifwechsel. Per Gesetz haben alle Versicherten ein solches Wechselrecht - zumindest, wenn der Tarif gleichartig ist. Das bedeutet: Haben Sie als Kunde bisher eine Versicherung für ambulante, stationäre oder zahnärztliche Heilbehandlung, können Sie in jeden anderen Tarif Ihres Versicherers wechseln, der ebenfalls diese Bereiche abdeckt. Wie umfangreich die jeweiligen Leistungen sind, spielt keine Rolle - ebenso wenig, wie alt oder krank Sie sind und wann Sie den Vertrag abge¬schlossen haben.

Die Rechte und Altersrückstellungen, die Sie in Ihrem bestehenden Vertrag erworben haben, dürfen Sie bei einem internen Tarifwechsel komplett mitnehmen. Zudem wird keine erneute Gesundheitsprüfung fällig. Nur, wenn Sie in einen Tarif mit mehr Leistungen als bisher wechseln wollen, kann die Versicherung dafür Risikozuschläge erheben und eine erneute Gesundheitsprüfung fällig werden.

Regelmäßiger Tarifwechsel

Je länger Sie schon in Ihrem aktuellen Tarif sind, desto höher sind Ihre Chancen, bei Ihrem Versicherungsunternehmen einen günstigeren zu finden. Das gilt vor allem für Unternehmen, die häufig neue Angebote auf den Markt bringen, da in deren älteren Tarifen die Beiträge steigen. Bleiben dort die überdurchschnittlich gesunden Neuzugänge aus, verändert sich die Mischung von Kranken und Gesunden im Bestand. Dadurch reichen die ursprünglich kalkulierten Beiträge nicht, um die Ausgaben zu decken.

Sie sollten nicht nur einmal, sondern sogar regelmäßig den Tarif wechseln. So können Sie in sinnvollen Zeitabständen entscheiden, ob der Tarif noch gut ist oder ob es bessere Alternativen gibt. Als Faustregel empfiehlt es sich, alle fünf Jahre einen Vergleich mit anderen Angeboten Ihres Versicherers anzustellen. Das Gesetz sieht keine Beschränkungen vor, wie oft Sie den Tarif wechseln dürfen. Angesichts des damit verbundenen Aufwands ist ein häufigerer Wechsel meist nicht sinnvoll.

Leitlinien der Versicherer

Um ihren Kunden beim internen Tarifwechsel zu helfen haben 25 private Krankenversicherer gemeinsame Leitlinien vereinbart. Seit 2016 sollen Anfragen der Versicherten schneller bearbeitet, Kunden ab 55 Jahren automatisch über ihr Wechselrecht aufgeklärt und Vor- und Nachteile verschiedener Tarife gut erklärt werden.

Allerdings sieht Julika Unger, Beraterin in den Bereichen Versicherungen und Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, in dieser Hinsicht nach wie vor Verbesserungsbedarf: "Wir haben dazu keine repräsentativen Zahlen, stellen aber in der Beratung fest, dass die Versicherten nur bei Beharrlichkeit sinnvolle Vorschläge vom Versicherer erhalten und mit ihren Fragen oftmals allein gelassen werden."

Achtung bei Unisex-Tarifen

Beim Tarifwechsel gilt es einiges zu beachten. Die meisten privat Versicherten haben noch einen Tarif, dessen Beiträge getrennt nach Männern und Frauen kalkuliert sind, einen sogenannten Bisextarif. Sie können in einen anderen Bisex¬tarif ihres Versicherers wechseln oder in eines der neuen Unisex-Angebote mit gleichen Beiträgen für Frauen und Männer.

Seit dem 21. Dezember 2012 dürfen die Versicherer Neukunden nur noch diese Art von Tarif anbieten, bei denen die Beiträge geschlechtsunabhängig kalkuliert sind. Kunden, die von Bisex- in Unisex-Tarife wechseln, verlieren jedoch für immer das Recht, wieder zurückzukehren. Denn der Wechsel von einem Unisex- in einen Bisex-tarif ist nicht erlaubt. Damit fällt angesichts der oft noch stark eingeengten Unisex-Tarifvielfalt ein Großteil der Wechseloptionen weg. Zudem versperren Sie sich mit dem Wechsel in Unisex für immer die Option auf den beitragsgünstigen Standardtarif. Sie können aber heute kaum wissen, ob Sie diesen Notausgang nicht doch einmal brauchen werden.

Problem der Umsetzung

Grundsätzlich hat jeder Privatversicherte das Recht, den Tarif zu wechseln und dadurch bei gleich gutem Schutz Beiträge zu sparen. Das Problem liegt in der Umsetzung: Grundsätzlich hat die Versicherung keinen Anreiz, Ihnen beim Finden des für Sie optimalen Tarifs zu helfen. Schließlich bekommt sie dann weniger Geld für die gleiche Leistung. Außerdem will sie keine Älteren oder Kranken in einem neuen verkaufsoffenen Tarif, der dadurch teurer wird für potenzielle Neukunden. Daher können Sie, wenn Sie selbst aktiv werden und versuchen, Ihr Recht auf einen Tarifwechsel durchzusetzen, auf Probleme stoßen.

Dennoch sollten sich Wechselwillige, auch aus Sicht der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, zuallererst an Ihren Versicherer wenden. Beraterin Julika Unger rät: "Dieser ist seinem Versicherungsnehmer gegenüber gesetzlich zur Information verpflichtet. Versicherte sollten die Tarifwechselvorschläge auf die Leistungen und das auch damit verbundene Kostenrisiko hin überprüfen. Die Fragen sollten lauten: Wie hoch sind die Beiträge? Wie hoch liegen die Selbstbehalte? Welche Leistungen sind erstattungsfähig? Wie viel Prozent der Kosten in den einzelnen Leistungsbereichen übernimmt der Versicherer? Welche Leistungen werden im Gegensatz zum alten Tarif gekürzt?"

Tarifangebote schwer prüfbar

Macht Ihnen Ihre Versicherung ein Angebot für einen Tarifwechsel, sollten Sie diesem nicht blind vertrauen. Da Sie nicht alle Wechselmöglichkeiten kennen, wissen Sie nicht, ob der angebotene Tarif tatsächlich der beste für Sie ist. Eventuell bekommen Sie sogar so viele Tarife gezeigt, dass die Informationsflut mehr verwirrt als informiert.

Manchmal erhebt die Versicherung Risikozuschläge für bestimmte Mehrleistungen, die entweder zu hoch oder gar nicht gerechtfertigt sind. Dadurch ist es schwer, den eigentlichen Preis des Tarifs zu erkennen. Zudem weisen die Versicherungen meist nicht darauf hin, dass Sie ein Recht haben, Mehrleistungen für sich auszuschließen, um dadurch Risikozuschläge zu vermeiden.

Hilfe beim Tarifwechsel

Seien Sie auch bei Angeboten von Dienstleistern skeptisch, die gegen ein (oft fürstliches) Honorar zur Beitragsersparnis verhelfen wollen. Da es darunter einige schwarze Schafe gibt, rät Unger zur Vorsicht: "Betroffene sollten darauf achten, dass es bei dem Tarifwechsel nicht lediglich darum geht, den laufenden Beitrag zu senken. Sollten Betroffene - und davon ist im zunehmendem Alter auszugehen - Krankheitskosten haben, ist außerdem entscheidend, wie hoch die Selbstbehalte liegen und der Anteil, der vom Versicherer nicht übernommen wird."

Eine neutrale Beratung hilft, die Optionen eines internen Tarifwechsels besser einzuschätzen. Hilfe bekommen Sie bei einigen Verbraucherzentralen oder bei unabhängigen, behördlich geprüften Honorar- oder Versicherungsberatern. Adressen finden Sie über den Bundesverband der Versicherungsberater unter www.bvvb.de.

Sie verdienen im Gegensatz zu Vertretern oder Maklern keine Provision, sondern werden direkt von Ihnen bezahlt. Dadurch haben sie grundsätzlich ein Interesse an Ihrem Anliegen eines Tarifwechsels und stehen auch nicht auf der Seite des Versicherers. Erscheint Ihnen das zu zahlende Honorar zu hoch, bedenken Sie, dass Sie auf viele Jahre hinaus sparen, wenn Sie den Tarif verbessern. Außerdem klappt der Wechsel mit einem Berater meistens deutlich schneller. Auch das spart Beiträge.

Versicherungswechsel lohnt meist nicht

Statt des Tarifs gleich die Versicherungsgesellschaft zu wechseln, um zu sparen, lohnt sich in aller Regel nicht. Zum einen können nur Gesunde zu einem neuen Versicherer wechseln. Alle anderen werden kaum ein Unternehmen finden, das sie annimmt. Oder der Beitrag wird durch Risikozuschläge so hoch, dass sich durch einen Wechsel nichts mehr sparen lässt. Schwierig¬keiten haben selbst Menschen, die nicht akut krank sind, aber in der Vergangenheit zum Beispiel psycho¬therapeutisch behandelt wurden.

Ein weiterer Grund: Wer seinen Vertrag vor dem 1. Januar 2009 geschlossen hat, würde durch einen Wechsel seine gesamten, angesparten Altersrückstellungen verlieren. Das bedeutet, Sie müssten beim neuen Versicherer nicht nur die laufende Versorgung bezahlen, sondern auch die Rück¬stel¬lungen für die höheren Krank¬heits-kosten im Alter komplett neu aufbauen. Das verteuert den Beitrag so sehr, dass sich ein Wechsel in den meisten Fällen gar nicht lohnt. Wer seinen Versicherungsvertrag nach dem Stichtag 1. Januar 2009 geschlossen hat und noch keine Vierzig ist, für den kann sich ein Wechsel unter Umständen lohnen. Hier gilt es, die Angebote genau zu vergleichen.

Was für Beamte wichtig ist

Von ihrem Dienstherrn erhalten Beamte einen Zuschuss zu allen Gesundheitsleistungen. In der Regel wird diese sogenannte Beihilfe mit einer privaten Krankenversicherung kombiniert. Dann übernimmt der Dienstherr einen Teil der Kosten für Ärzte, Medikamente oder einen Krankenhausaufenthalt, den anderen Teil der private Krankenversicherer. Neben den Beamten selbst sind auch ihre engen Familienangehörigen beihilfeberechtigt, jedenfalls solange sie nicht berufstätig sind.

Die meisten Beamten sind daher privat versichert. Der Grund dafür ist einfach: Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung ist die GKV eine Vollversicherung, die nicht beihilfekonform ist. Die Kassen übernehmen zwar die vollen Kosten für die medizinische Versorgung, sofern der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung die entsprechende Behandlung vorsieht. Einen Kostenzuschuss durch den Dienstherrn gibt es für gesetzlich Versicherte aber nicht.

Freiwillig gesetzlich krankenversicherte Beamte müssen daher – wie Selbstständige auch – die vollen Beiträge alleine zahlen. Die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse hat für Beamte daher in der Regel wenig Sinn. Eine Ausnahme besteht, wenn der Versicherte sehr wenig verdient – beispielsweise weil er nicht mehr voll arbeitet – oder falls er wegen einer Vorerkrankung keinen günstigen privaten Versicherungsschutz bekommt. Daher gelten die Informationen zum internen Tarifwechsel und den Wechsel in die GKV genauso auch für beihilfeberechtigte Beamte, die in der privaten Krankenversicherung lediglich ergänzend versichert sind.

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