Von Abwarten bis Rausschneiden

Die verschiedenen Therapieoptionen bei Prostatakrebs

Verbraucher | Volle Kanne - Von Abwarten bis Rausschneiden

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Viele Betroffene fürchten starke Nebenwirkungen, wenn es zur Organentfernung kommt. Doch je nach Krebs-Art gibt es auch andere Möglichkeiten.

Beitragslänge:
5 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.01.2017, 14:00

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Nach Schätzungen erkranken pro Jahr mehr als 67.000 Männer, die meisten sind über 50. Es gibt Hochrisikotumoren, die schnell wachsen und meist radikal behandelt werden müssen. Der Großteil sind jedoch langsam wachsende Tumoren. Es stehen bei der Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms, das also noch keine Metastasen gebildet hat, vier verschiedene Optionen zur Verfügung, die in einer der größten urologischen Studien, der Prefere-Studie, nun erstmals miteinander verglichen werden können.

Bei der Prostatektomie werden die Prostata und die Samenblasen operativ entfernt. Je nach Tumor kann es sein, dass auch die Lymphknoten im Becken mit entfernt werden müssen. Das entnommene Gewebe wird anschließend pathologisch untersucht. Das Stadium der Erkrankung lässt sich so feststellen. Es gibt verschiedene Operationstechniken. Bei der minimal-invasiven Operation werden durch kleine Schnitte Kamera und Instrumente sowie eine Lampe eingeführt. Diese OP wird heute in vielen Fällen mit Hilfe eines Roboters durchgeführt, der durch den Operateur bedient wird. Es gibt außerdem die Möglichkeiten, die Prostata entweder durch einen Zugang durch einen Schnitt am unteren Bauch oder den Damm zu entfernen. Auch wenn der Operateur versucht, keine Nerven zu schädigen, kann es durch die Operation zu Impotenz und Inkontinenz kommen.

Der Vorteil ist: Das tumortragende Organ ist nicht mehr im Körper, kann also keinen neuen Tumor entwickeln. Vor dem Eingriff steht eine umfassende Beratung durch den Arzt, da die Nebenwirkungen besprochen werden müssen und auch das Alter und die sonstige Konstitution des Patienten berücksichtigt werden müssen. Da das Prostatakarzinom meist langsam wächst, können Männer aber auch ohne Behandlung oft noch zehn oder mehr Jahre mit der erkrankten Prostata leben. Somit muss auch die potentielle Lebenserwartung mit berücksichtigt werden.

Brachytherapie – strahlende Kapseln

Bei der Brachytherapie werden über den Damm ultraschallgesteuert mithilfe von Hohlnadeln winzige Kapseln in die Prostata eingesetzt. Die Kapseln, etwa so groß wie ein Reiskorn, sind gefüllt mit strahlendem Material. Die freigesetzte Strahlung, die nur einige Millimeter weit reicht, soll den Tumor zerstören und dabei möglichst das umliegende Gewebe schonen. Es ist bei dem Einsetzen der Seeds wichtig, sie möglichst gleichmäßig in der Prostata zu verteilen, um eine gleichmäßige Strahlung zu gewährleisten.

Operationsroboter DaVinci gegen Prostatakrebs
Der Operationsroboter "Da Vinci" wird gegen Prostatakrebs eingesetzt. Quelle: imago

Die Seeds, die nur einige Monate lang strahlen, bleiben in der Prostata, sie werden nicht wieder entfernt und sind für den Patienten nicht zu spüren. Regelmäßige lebenslange Kontrollen sind wichtig, da das erkrankte Organ im Körper verbleibt und nicht klar ist, ob sich nicht ein erneuter Tumor entwickeln kann. Der Eingriff erfolgt unter Narkose, kann aber theoretisch auch ambulant gemacht werden.

Bestrahlung von außen über die Haut

Bei der perkutanen Strahlentherapie liegt der Patient auf einer Art Tisch unter einem Linearbeschleuniger, der sich um ihn herum bewegen kann. Die Strahlung soll möglichst genau die Prostata treffen, deshalb wird sie zuvor mithilfe einer Computertomographie lokalisiert. Das ist wichtig, da das umliegende Gewebe möglichst wenig Strahlung abbekommen und so möglichst wenig geschädigt werden soll. Die Bestrahlung erfolgt mit ionisierenden Strahlen, die die Krebszellen zerstören. Die Strahlentherapie ist für den Patienten recht zeitaufwändig. Um die Therapie für den Patienten verträglicher zu gestalten, wird die Bestrahlung auf verschiedene Sitzungen verteilt. Der Patient wird somit über mehrere Wochen, immer werktags, für bis zu ungefähr zwei Minuten bestrahlt. Mit Vorbereitungszeit dauert eine Sitzung ungefähr eine Dreiviertelstunde.

Wie bei der Brachytherapie bleibt die Prostata im Körper, was ein Restrisiko mit sich bringt. Als kurzfristig auftretende Nebenwirkungen der Bestrahlung können Entzündungen des umliegenden Gewebes und der Organe (beispielsweise im Harntrakt oder Darm) auftreten. Langfristig kann es auch bei dieser Therapiemethode zu den typischen Problemen mit Potenz, Kontinenz oder auch Schwierigkeiten mit dem Darmtrakt kommen.

Abwarten und Überwachen

Die Methode der aktiven Überwachung ist eine abwartende Strategie und kommt deshalb auch nur bei langsam wachsenden Tumoren in Frage. Zugrunde liegt die Tatsache, dass der lokal begrenzte Prostatakrebs meistens nur langsam wächst und die Lebenserwartung auch mit dem Krebs noch über zehn Jahre betragen kann. Bei der aktiven Überwachung wird der Patient in kurzen Abständen untersucht. In regelmäßigen Abständen werden Biopsien durchgeführt, das entnommene Gewebe wird pathologisch untersucht, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.

Mithilfe einer Blutabnahme wird der PSA-Wert bestimmt. Ist dieser Wert, der das prostataspezifische Antigen abbildet, in einem bestimmtem Maß erhöht, wird genauer untersucht. Bestätigt sich der Verdacht auf eine fortschreitende Krebserkrankung, wird eine radikale Behandlung eingeleitet. Der Vorteil der aktiven Überwachung liegt in dem Vermeiden einer eventuellen Übertherapie des Patienten. Das Ziel ist demnach, den Patienten eine unter Umständen unnötige Therapie zu ersparen, aber rechtzeitig genug zu reagieren, um den Tumor gegebenenfalls zu bekämpfen. Diese abwartende Strategie kann für manche Patienten sehr zermürbend sein. Bei den Biopsien besteht das Risiko von Infektionen.

Was ist die Prefere-Studie?

In der Prefere-Studie sollen erstmalig die vier Therapieoptionen beim lokal begrenzten Prostatakrebs (Prostataentfernung, Bestrahlung von außen, Brachytherapie, aktive Beobachtung) direkt miteinander verglichen werden. Um die Objektivität zu gewährleisten, erfolgt die Zuteilung der Therapie zufällig (randomisiert). Allerdings hat der Patient die Möglichkeit ein bis zwei Methoden auszuschließen.

Teilnehmen können prinzipiell Männer mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom, das als Niedrigrisikotumor eingestuft ist und das zuvor noch nicht behandelt wurde. Männer mit dieser Diagnose können ihren Urologen auf die Studie ansprechen. Bei Interesse findet man im Internet weitere Informationen sowie Kontaktadressen der teilnehmenden Studienzentren.

Der Link zur Studie: Prefere.de (Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich.)

Früherkennung ab 45

Um Prostatakrebs rechtzeitig zu erkennen, sind die Früherkennungsuntersuchungen enorm wichtig. Empfohlen wird die Untersuchung ab einem Alter von 45 Jahren. Gibt es eine familiäre Vorbelastung, sollte man sich beraten lassen und eventuell schon früher zur Früherkennungsuntersuchung gehen. Bei der Untersuchung werden die Prostata, das äußere Genital und die umliegenden Lymphknoten abgetastet. Ein Gespräch über aktuelle Umstände und Beschwerden findet statt. Die jährliche Untersuchung wird von den Kassen üblicherweise ab 45 übernommen.

Auch besteht die Möglichkeit des PSA-Tests, zu dem der Arzt beraten kann. Es wird Blut abgenommen und geprüft wie hoch der Wert des Prostataspezifischen Antigens ist. Ist dieser Wert erhöht, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung, gut- oder bösartig, der Prostata sein. Dann muss entschieden werden, ob eine Gewebeprobe zur Untersuchung entnommen wird. Die Kosten für den PSA-Test müssen üblicherweise selbst getragen werden.

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