Früherkennung bei Prostatakrebs

PSA-Test: Pro und Contra

Verbraucher | Volle Kanne - Früherkennung bei Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Viele Urologen empfehlen Männern über 45 regelmäßige Vorsorge - zum Beispiel durch den PSA-Test. Kritiker halten diesen für kontraproduktiv.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.09.2017, 14:00

Welche Früherkennung für Prostatakrebs ist sinnvoll? Umstritten ist vor allem der sogenannte PSA-Test, der von den Patienten selbst gezahlt werden muss. Kritiker bemängeln, dass bei der Blutuntersuchung häufig falscher Alarm ausgelöst wird.

Für Männer ab 45 Jahren bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine Untersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs an. Diese beinhaltet die Abtastung der Hoden sowie eine rektale Untersuchung zur Abtastung der Prostata. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) empfehlen zusätzlich eine Blutuntersuchung als Selbstzahlerleistung – den sogenannten PSA-Test – zur Sicher-stellung der Diagnose. Kritiker äußern jedoch Zweifel an Effizienz des Tests.

Die Abkürzung PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen. Gemeint ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Geringe Mengen davon wandern ins Blut und können so mit dem PSA-Test gemessen werden. Bei einem Prostatakarzinom steigt der PSA-Wert in der Regel an. Die DGU hat einen Richtwert von vier Nanogramm pro Milliliter Blut festgelegt. Ein höherer Wert kann ein Hinweis auf ein Prostatakarzinom sein – doch er ist noch keine gesicherte Krebsdiagnose. Denn auch durch andere Faktoren kann der PSA-Wert ansteigen, insbesondere durch Entzündungen, eine gutartige Vergrößerung der Prostata, durch Druck (z.B. Radfahren) und auch durch sexuelle Aktivität bis zu 48 Stunden vor der Blutentnahme.

Pro: Frühe Diagnose kann Leben retten

Urologen und auch betroffene Krebspatienten sind sich sicher, dass der Früherkennungstest Leben retten kann. Wenn alle Störfaktoren ausgeschlossen und dennoch bei mehrmaligem PSA-Test erhöhte Werte vorhanden sind, raten die Ärzte unbedingt zu weiteren Untersuchungen wie einer speziellen rektalen Ultraschallaufnahme der Prostata, einer Gewebeentnahme und gegebenenfalls auch einem MRT.

Sie beziehen sich dabei auf eine europäische Langzeitstudie mit zwei Gruppen: Bei der einen wurde der Test regelmäßig durchgeführt, die Männer der zweiten Gruppe machten keinen PSA-Test. Das Ergebnis: Bei knapp 30 Prozent der Männer mit PSA-Test wurden tatsächlich Krebszellen gefunden, die aus Sicht der Ärzte eine weitere Behandlung erforderlich machen.

Contra: Falscher Alarm ist belastend

Kritiker beziehen sich auf dieselbe europäische Studie, interpretieren die Ergebnisse jedoch anders. Bei der Mehrzahl der Männer hätte sich ein erhöhter PSA-Wert als Fehlalarm erwiesen, weil keine Krebszellen gefunden wurden. Die Männer und ihre Familien hätten sich wochenlang umsonst Sorgen gemacht. Zudem verlaufe Prostatakrebs sehr unterschiedlich: Er kann so langsam wachsen, dass er gar keine Beschwerden verursacht und nicht behandelt werden muss. Diese Betroffenen versterben nach Ansicht der Kritiker eher an anderen Ursachen, bevor sich der Krebs überhaupt bemerkbar macht. Eine Krebsdiagnose führt jedoch zu enormer psychischer Belastung und zu einer Therapie mit vielen Nebenwirkungen.

Dieses Argument lassen die Befürworter der Früherkennung nur für schwer kranke und betagte Männer gelten, deren Lebenserwartung geringer als 13 Jahre ist. Bei gesunden, jüngeren Männern ab 45 Jahren sehen sie unbedingt einen Überlebensvorteil, weil eine anschließende Behandlung das Sterberisiko reduziere. Kritiker errechnen aus der europäischen Vergleichsstudie: Bei einem Mann unter 1000 führte der PSA-Test tatsächlich zur Verlängerung seines Lebens. Bei 30 Männern unter 1000 wäre die Therapie hingegen nicht nötig gewesen. Sie fordern die Urologen auf, im Vorgespräch zur Früherkennung auf diese Fakten hinzuweisen damit der Patient selbst entscheiden kann, ob er sich im Fall der Fälle auch einer Behandlung unterzieht die vielleicht nicht nötig gewesen wäre. Die Krux an der Sache: Niemand kann voraussagen wie sich der Krebs im Einzelfall entwickelt. Es braucht weitere Forschungen, um einen aggressiven Prostatakrebs frühzeitig von einem harmloseren, der sehr langsam wächst, zu unterscheiden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet