Radiojodtherapie

Klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, ist aber therapeutischer Alltag: Patienten nehmen eine radioaktive Tablette, die Zellen zerstört. Sie unterliegen dann tagelang den gesetzlichen Regeln des Strahlenschutzes.

something
5 min
something
22.04.2020
Video verfügbar bis 22.04.2021

Die Radiojodtherapie wird eingesetzt, um gezielt Gewebebereiche in der Schilddrüse zu verkleinern. Dabei wird mit radioaktivem Jod (I-131) therapiert.

Analyse: Überfunktion oder Unterfunktion?

Vor der Wahl der Therapie muss abgeklärt werden, welche Gewebeveränderungen in der Schilddrüse vorliegen. Bei Schilddrüsenproblemen wird häufig ein Ultraschall und dann, zur weiteren Abklärung des Krankheitsbildes, ein Szintigramm gemacht. Dieses bildgebende Untersuchungsverfahren stellt Stoffwechselprozesse dar. Zur Untersuchung wird den Patienten eine schwach radioaktive Substanz gespritzt, die sich in der Schilddrüse anreichert. Eine Gammakamera kann dann die Strahlung, die aus der Schilddrüse kommt, abbilden. Die Ergebnisse werden im Szintigramm sichtbar:

  • Ist auf dem Bild ein vorwiegend rötlicher Bereich zu sehen, handelt es sich um einen heißen Knoten. Hier konzentriert sich die radioaktive Substanz. Der heiße Knoten produziert mehr Hormone als die übrige Schilddrüse und deutet auf eine Überfunktion hin. Heiße Knoten sind immer gutartig und können in der Regel mit der Radiojodtherapie behandelt werden.
  • Ist auf dem Bild ein vorwiegend bläulicher Bereich zu sehen, handelt es sich um einen kalten Knoten. Er produziert weniger Hormone als das normale Schilddrüsengewebe und deutet auf eine Unterfunktion hin. In etwa zwei bis fünf Prozent der Fälle kann der kalte Knoten ein bösartiger Tumor sein. Zur weiteren Abklärung und Untersuchung kann eine Gewebeentnahme durch eine Feinnadelpunktion nötig sein.

Ablauf und Funktionsweise

Bei der Radiojodtherapie schlucken Patienten, die für die Radiojodtherapie infrage kommen, eine Kapsel, die radioaktives Jod enthält. Wie viel radioaktives Jod diese Kapsel enthält, wird zuvor in speziellen Untersuchungen, unter anderem dem Radiojodtest, bestimmt.

Die Kapsel löst sich im Magen-Darm-Trakt auf. Zunächst geht das radioaktive Jod ins Blut und wird so von der Schilddrüse, beziehungsweise nur von bestimmten Bereichen, aufgenommen. Die radioaktive Kapsel enthält unter anderem kurzreichende Betastrahlen, die im Millimeterbereich wirken und die entsprechenden Bereiche in der Schilddrüse bestrahlen. Diese gezielte innere Bestrahlung führt zum Zelltod und hemmt das Wachstum.

Aufenthalt auf der nuklearmedizinischen Therapiestation

Nach der Einnahme der Kapsel mit radioaktivem Jod müssen Patienten gemäß Strahlenschutzgesetz mindestens 48 Stunden auf der Station bleiben. In dieser Zeit haben sie eine geringe radioaktive Reststrahlung und dürfen keinen Besuch empfangen.

Die Therapiezimmer sind normal eingerichtet, aber es gibt auch Besonderheiten. Über ein Messfeld an der Zimmerdecke wird die Strahlung der Patienten konstant gemessen und an eine Anzeige außerhalb des Zimmers übermittelt. Weil Patienten die Strahlung auch über Ausscheidungen und das Waschwasser an die Umwelt abgeben können, wird das Abwasser in einer Abklinganlage gesammelt. Dort wird es etwa 120 bis 150 Tage aufbewahrt, bevor es ohne Gefahr in den normalen Abwasserkreislauf gegeben kann.

Gezielte Bestrahlung

Die Radiojodtherapie kann sehr genau eingesetzt werden und nur bestimmte Bereiche der Schilddrüse zerstören. Der Grund: Nur die Schilddrüse benötigt Jod für ihren Hormonstoffwechsel und nimmt es aus dem Blut auf. Die Menge wird vom TSH-Wert bestimmt.

TSH ist ein Hormon der Hirnanhangdrüse und reguliert die Hormonproduktion der Schilddrüse. Je mehr TSH im Blut, desto höher die Hormonproduktion der Schilddrüse. Bei heißen Knoten wird der TSH-Wert vor der Radiojodtherapie so weit wie möglich gesenkt. Denn: Der Knoten funktioniert autark und nimmt unabhängig von dem TSH-Wert Jod auf. Das Ziel vor der Behandlung: Das normale Schilddrüsengewebe soll so wenig wie möglich beziehungsweise kein Jod aufnehmen, der Knoten hingegen so viel wie nötig. Dann ist gewährleistet, dass nur der Knoten von innen bestrahlt wird, was zum Zelltod und somit zur gezielten Zerstörung des heißen Knotens führt.

Für wen kommt die Behandlung in Frage?

Grundsätzlich können sehr viele Patienten mit der Radiojodtherapie behandelt werden. Ausnahmen sind aber zum Beispiel Patienten mit bösartigen Knoten. Dann wird die Schilddrüse in der Regel entfernt. Die Radiojodtherapie kann aber auch dann zum Einsatz kommen, wenn nach der Entfernung noch Reste des Tumors vorhanden sind.

Weiterhin dürfen auch Personen, die vorher große Mengen Jod aufgenommen haben, z.B. über Medikamente oder Röntgenkontrastmittel, die Radiojodtherapie nicht wahrnehmen. Denn dadurch wäre die Aufnahme des radioaktiven Jods zur inneren Bestrahlung gestört. Ebenfalls sind schwangere Frauen oder Patientinnen, die stillen, von der Therapiemaßnahme ausgeschlossen.

Nebenwirkungen

Weitere Gesundheitsthemen

Grippeimpfung

Verbraucher | Volle Kanne -
Grippeimpfung und Coronavirus
 

Ist es sinnvoll jetzt auch Kinder zu impfen und reichen die bestellten Impfdosen aus?

Videolänge:
8 min
Corona-Update: Auf der Suche nach einem Impfstoff

Verbraucher | Volle Kanne -
Corona-Update vom 14. September
 

Dr. Christoph Specht erklärt, warum das größte Infektionsrisiko im privaten Umfeld besteht.

Videolänge:
7 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.