Grenzenlose Freiheit für Narren?

Was Sie an Karneval beachten müssen

Ein Küsschen hier, ein Schnäpschen da und ein Schnitt in die Krawatte des Kollegen – wenn die Narren regieren, wird manches etwas lockerer gesehen. Doch nicht jeder hat Verständnis für den Ausnahmezustand. Was ist erlaubt und was verboten? Rechtsanwalt Kay P. Rodegra klärt auf.

An Weiberfastnacht geht es den Herren an die Krawatte. Dabei ist das Schlips-Abschneiden rein rechtlich gesehen eine Beschädigung fremden Eigentums. Im Rheinland gehört dieser Brauch jedoch zum Karneval dazu, sodass die Damen keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten haben. Vorsicht sei hingegen geboten bei brauchtumsunerfahrenen Besuchern, warnt Kay P. Rodegra: „Wird die Krawatte gegen den Willen abgeschnitten, muss sie ersetzt werden.“

Party am Arbeitsplatz

An Karneval erklären die Narren gerne auch den Arbeitsplatz zur Partyzone. Dies ist jedoch nur erlaubt, wenn der Arbeitgeber einverstanden ist. Den Genuss von Alkohol müsse der Chef nicht gestatten, weiß Rodegra. Gerade im Rheinland hat der Chef gegen ein Glas Sekt aber meist nichts einzuwenden. Morgens mit einem Rausch vom Vortrag ins Büro zu kommen, kann aber zu einer Abmahnung führen.

Auch in punkto Verkleidung dürfen Arbeitnehmer nicht auf jegliche Konvention pfeifen. Insbesondere in Bereichen mit Publikumsverkehr kann der Chef eine gewisse Kleiderordnung vorschreiben. Auch wer am Arbeitsplatz die Übertragung der Rosenmontagszüge im Fernsehen oder Internet verfolgen möchte, benötigt dafür eine Erlaubnis.

Keine freien "Narren-Tage"

Verkleidete Frauen küssen einen Mann
An Karneval wird gerne "jebützt". Quelle: dpa

Obwohl Tage wie Rosenmontag in manchen Regionen Deutschlands als hohe Feiertage gelten – gesetzlich gesehen sind sie es nicht. Im Umkehrschluss heißt das: Wer lieber feiert statt zu arbeiten, muss dafür Urlaub beantragen. „Einen Anspruch auf Freistellung wegen örtlichen Brauchtums gibt es nicht, selbst wenn man in einer Karnevalshochburg im Rheinland lebt“, führt Rodegra aus. Allerdings gibt es durchaus Arbeitsverträge, in denen festgelegt ist, dass am Rosenmontag nicht gearbeitet werden muss. Gewährt der Arbeitgeber jedoch drei Jahre lang vorbehaltlos freie „Narren-Tage“, dann könne daraus ein Anspruch entstehen, so der Anwalt. Sich krank zu melden, um dann feiern zu gehen, ist keine gute Idee. Damit riskiert man eine Abmahnung oder sogar die fristlose Kündigung.

Während die Karnevalisten ausgelassen feiern, sehnen manche Anwohner ihre Ruhe herbei. Den Lärm während der Umzüge müssen sie allerdings ertragen. Nachts müssen aber auch die Narren einen Gang herunterschalten. Ab 22 Uhr ist die Nachtruhe einzuhalten, streng genommen auch vor den Gaststätten. Wer allzu laut durch die Straßen zieht, riskiert eine Anzeige wegen Ruhestörung. Im Rheinland herrscht am Rosenmontag diesbezüglich aber Ausnahmezustand.

Autofahren an Karneval

Verkleideter Mann beim Alkoholtest
Alkohol am Steuer ist auch an Karneval verboten. Quelle: dpa

Keine Kulanz wird Autofahrern entgegen gebracht, die meinen, auch in punkto Alkohol am Steuer Narrenfreiheit beanspruchen zu können. Im Gegenteil: Vielerorts werden die Kontrollen an den Karnevalstagen verstärkt. Wer mit 0,5 Promille unterwegs ist, zahlt mindestens 500 Euro, muss für einen Monat den Führerschein abgeben und bekommt zwei Punkte. Ab 1,1 Promille liegt eine Straftat vor und man seinen Führerschein. Doch auch mit weniger als 0,5 Promille kann man Probleme bekommen, wenn man in einen Unfall verwickelt ist.

Gegen verkleidete Autofahrer hat die Polizei hingegen nichts einzuwenden. Es sei denn, die Sicherheit ist gefährdet, zum Beispiel, weil der Fahrer mit Clownsschuhen, einem ausladenden Hut oder gar einer Vollmaske hinter dem Steuer sitzt. Verkleidet man sich selbst als Polizist, gilt: Solange die Polizei-Verkleidung als Spaß zu erkennen ist, gibt es keine Probleme. Wer allerdings eine echte Uniform trägt, macht sich strafbar.

Kein Freibrief für Aufdringlichkeiten

Ein „Bützje“ ist in Köln und Düsseldorf zwar normal, dennoch sollte man sich in den Karnevalshochburgen gegenüber fremden Menschen und auch Kollegen damit zurückhalten.
Die närrische Zeit ist kein Freibrief für Aufdringlichkeiten. Auch beim Schunkeln im Straßenkarneval oder auf Prunksitzungen geht es nur so weit, wie Nebendame oder Nebenmann es wünschen. Bei einer Prunksitzung kann man sicherlich von einer Einwilligung des Nachbarn ausgehen und sich gerne einhaken. Auf der Straße ist eher Vorsicht geboten.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet