Kuren für pflegende Angehörige

Reha-Maßnahme beantragen

Verbraucher | Volle Kanne - Kuren für pflegende Angehörige

Wer einen Angehörigen pflegt, geht selbst oft an die Belastungsgrenze. Dabei kann eine Kur helfen, sich mal um sich selbst zu kümmern. Pflegende Angehörige haben einen Anspruch auf eine Reha-Maßnahme – „Volle Kanne“ erklärt, was man beachten muss.

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"Ich kann nicht mehr!" Es dauert lange, bis Pflegende diesen Satz nicht nur denken, sondern auch aussprechen – und meist noch länger, bis sie sich Hilfe suchen. Die Möglichkeit einer  Reha-Maßnahme für pflegende Angehörige, ist vielen gar nicht bekannt: Dabei haben sie seit dem Inkrafttreten des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes im Jahr 2013 einen Rechtsanspruch darauf.

Reha beantragen

Eine Reha kann man zum Beispiel über den Hausarzt beantragen: Schildern Sie Ihre  Lebenssituation, die daraus resultierende seelische Belastung und die körperlichen Beschwerden. Der Arzt sollte eine umfassende Begründung für die Notwendigkeit der Reha-Maßnahme erstellen. Die dafür notwendigen, ausgefüllten Formulare schickt der Arzt an die Krankenkasse, die den Antrag prüft. Auch verschiedene Sozialverbände wie AWO, VdK, Caritas oder das Müttergenesungswerks bieten Beratungsstellen an. „Hier bespricht man mit Ihnen das weitere Vorgehen und hilft bei der Auswahl der für Sie und Ihre gesundheitliche Situation richtigen Kurklinik“, erklärt Marlies Gemein vom Müttergenesungswerk.

Gespräch Arzt mit Patient
Gespräch Arzt mit Patient Quelle: imago

Lehnt die Krankenkasse den Antrag ab, kann man innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Auch dabei kann der Arzt helfen – genauso wie die Beratungsstelle, die mit dem Betroffenen den Antrag gestellt hat.

Welche Reha soll es sein?

Eine Vorsorge- oder Reha-Maßnahme dauert in der Regel drei Wochen. „Zwischen zwei Kuren sollen immer vier Jahre liegen. Ausnahmen gibt es nur in besonderen Fällen“, weiß Marlies Gemein.

Bei der Wahl der Reha hat der Patient ein Wunsch- und Wahlrecht. „Ihre berechtigten Wünsche werden geprüft und oft wird ihnen entsprochen“, so die Expertin des Müttergenesungswerks. Von einer ambulanten Reha rät sie pflegenden Angehörigen ab: „Sie sollten die Maßnahme außerhalb des häuslichen Umfelds durchführen, damit sie selbst – und nicht die pflegebedürfte Person – im Fokus stehen.“ Die Krankenkasse muss die Kosten für die genehmigte Maßnahme übernehmen. Der gesetzliche Eigenanteil von zurzeit zehn Euro pro Tag muss selbst getragen werden.

Betreuung für den Pflegebedürftigen

Damit der Pflegebedürftige während der Reha versorgt ist, kann man eine  Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege – zum Beispiel in einem Pflegeheim – in Anspruch nehmen. Bei der Organisation hilft die Pflegekasse, die zumindest einen Teil der Kosten übernimmt.

Grundsätzlich gibt es auch die Möglichkeit, die Pflegeperson in die Reha mitzunehmen. Expertin Gemein rät davon allerdings eher ab: „Der pflegende Angehörige wird sich dann nicht auf sich konzentrieren können und sich nicht entspannen. So kann sie oder er nicht genügend Kraft tanken.“ Eine Ausnahme seien behinderte Kinder; einige Einrichtungen des Müttergenesungswerks haben sich auf diese Fälle spezialisiert: „Mütter oder Väter von behinderten – auch erwachsenen – Kindern, kommen immer erholt, gesünder und kräftiger von einer "Mutter-Kind-Kur" zurück, und auch den Kindern geht es besser, weil auch sie behandelt werden.“

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