Für das Alter vorsorgen

Welche private Altersvorsorge lohnt sich für wen?

Verbraucher | Volle Kanne - Für das Alter vorsorgen

Mit der staatlichen Rente allein werden es viele am Lebensabend nicht über die Runden schaffen. Eine private Altersvorsorge muss her - doch welche? Expertin Stephanie Heise gibt Tipps.

Beitragslänge:
8 min
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Video verfügbar bis 20.09.2017, 14:00

Für viele wird die Rente nicht zu Leben reichen. Daher ist es wichtig, sich zusätzlich privat fürs Alter abzusichern. Möglichkeiten gibt es viele, doch jene Variante zu finden, die zur individuellen Situation passt, ist gar nicht so einfach. Stephanie Heise von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bringt Licht ins Dunkel.

Die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge sind abhängig von Einkommen, der Lebenssituation und dem Alter. Auch Schulden spielen einen Rolle: Sind Schulden vorhanden, sollten diese getilgt werden, bevor man beginnt, fürs Alter vorzusorgen, rät Renten-Expertin Stephanie Heise von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „In der Regel ist der Darlehenszins höher als der Sparzins“, gibt sie zu bedenken.

Zudem komme es beim Sparen auf die Risikobereitschaft an. Mit entsprechendem Risikobewusstsein und Wissen um die unterschiedlichen Produkte müssen 50-Jährige nicht zwangsläufig anders sparen als 30-Jährige. „Wenn 30-Jährige noch den Kauf einer Immobilie planen, müssen sie besonders auf Sparformen achten, die risikoarm und flexibel sind, damit sie jederzeit an ihr Geld kommen“, rät die Expertin. 50-Jährige sollten dagegen berücksichtigen, dass ein vorhandener Immobilienkredit bis zum Eintritt in den Ruhestand getilgt sein sollte.

BU-Versicherung sinnvoll

Stephanie Heise rät dazu, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Denn im Fall der Berufsunfähigkeit sei jeder noch so gut ausgeklügelte Vorsorgeplan hinfällig. 30-Jährige bekämen hier aufgrund ihres jungen Alters und meist besseren Gesundzustandes günstigere Konditionen.


Sparpläne mit Indexfonds

Bei Sparplänen mit Indexfonds, auch ETFs genannt, investiert der Verbraucher in Wertpapiere, also Aktien oder Anleihen. Aber nicht nur in ein oder zwei Papiere, sondern in ein ganzes Bündel. Es gibt zwei Varianten: Bei aktiv gemanagten Fonds versucht ein Manager, die besten Papiere herauszupicken. Dafür müssen die Kunden Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren bezahlen.

Indexfondsbilden hingegen nur einen Index nach. „Ein Index ist eine Messzahl für einen großen Korb mit Aktien. Bekannt ist der Dax, in dem die Aktien der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen vertreten sind“, erklärt Stephanie Heise. Weil die Fonds einfach nur den Index nachkaufen, seien sie sehr kostengünstig. Durch die breite Streuung sinke auch das Risiko. „Bisher haben viele Verbraucher Angst vor einer Anlage in Aktien wegen der Gefahr von Kursverlusten. Aber bei einer langfristigen Anlage in Indexfonds ist das Risiko stark reduziert“, sagt Stephanie Heise.

Betriebliche Altersvorsorge

Mit Beiträgen zu einer betrieblichen Altersvorsorge spare man zwar jetzt Steuern und den Arbeitnehmer-Anteil der Sozialversicherungsbeiträge, sagt die Expertin. Dafür müsse man aber später als Rentner auf die Leistungen die vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge – auch den Arbeitgeberanteil – alleine bezahlen. Dies bedeute, dass von den Zahlungen nach aktuellem Stand direkt 17 bis 18 Prozent Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgingen.

Zudem gibt sie Folgendes zu bedenken: „Sozialabgaben zu sparen, das klingt erst mal gut, hat aber zur Folge, dass man im Bedarfsfall etwas weniger Kranken- oder Arbeitslosengeld bekommt und später auch weniger gesetzliche Rente.“ Sie rate deshalb nur dann zum Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge, wenn der Arbeitgeber sich an den Beiträgen beteilige.

Für wen eignet sich die Riesterrente?

Riestern lohne sich nur für Menschen, die gesetzlich rentenversichert sind, so Heise, „denn nur dann gibt es die staatliche Förderung von 154 Euro pro Jahr plus 300 Euro pro Kind, das nach 2008 geboren ist.“ Hinzu komme die Steuerersparnis für die gezahlten Sparbeiträge. Im Alter müsse die Riesterrente aber versteuert werden.

„Entscheidend ist aber das richtige Riester-Produkt“, sagt die Expertin. „Die meisten, wie die viel verkauften fondsgebundenen Rentenversicherungen, haben viel zu hohe Kosten, die die Förderung wieder auffressen.“ Für sehr sicherheitsorientierte Verbraucher empfiehlt sie Riester-Banksparpläne, da diese meist kostenlos seien. Allerdings sei die Verzinsung sehr niedrig. „Bei lang laufenden Riester-Verträgen raten wir zu Fondssparplänen, weil diese am meisten Rendite bringen“, erklärt die Expertin. Riester lohne sich nicht für Menschen mit sehr geringem Einkommen, die im Alter voraussichtlich auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. „Denn auf diese werden Riester-Zahlungen voll angerechnet.“

Finger weg!

Bei Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen müssten die Kunden zunächst einmal hohe Abschlusskosten für den Vermittler zahlen, führt Stephanie Heise aus. „Zudem sind diese Versicherungen wegen des niedrigen Garantiezinses von nur noch 1,25 Prozent nicht attraktiv. Dieser soll 2017 sogar auf nur noch 0,9 Prozent sinken.“ Sie rät grundsätzlich dazu, Versicherungsprodukte und Sparprodukte zu trennen, weil man diese separat bedarfsgerechter und kostengünstiger haben könne. Besser sei es, eine preisgünstige Risiko-Lebensversicherung abzuschließen, wenn man seine Familie absichern möchte und vielleicht noch eine Immobilie abzuzahlen hat, und dann ein Sparprodukt separat dazu abzuschließen.

Alte Lebensversicherungen solle man behalten – vor allem, wenn die Police vor 2006 abgeschlossen wurde, denn dann seien die Erträge steuerfrei, sagt Heise. „Die meisten älteren Policen haben einen deutlich höheren Garantiezins als heute.“ Wenn man das Geld nicht mehr habe, um weiter einzahlen zu können, sei es besser, die Versicherung beitragsfrei zu stellen als zu kündigen.

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