Reise in die Tropen

Krankheiten vorbeugen

Verbraucher | Volle Kanne - Reise in die Tropen

Dr. Christoph Specht erklärt, wie man sich vor Tropenreisen gegen die dortigen Krankheiten wappnen kann.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.10.2017, 14:00

Bei einem Badeurlaub in der Karibik oder einer Rundreise durch Thailand kann es passieren: Eine Ansteckung mit dem gefährlichen Dengue-Fieber oder Zika-Virus. Medizinjournalist Dr. Christoph Specht klärt über die Möglichkeiten der Vorbeugung auf.

Die optimale Vorbereitung auf eine Reise in die Tropen beginnt mit der Informationssuche: Eine aktuelle Landkarte der Risikogebiete ist meist beim Gesundheitsamt erhältlich. Reisemedizinische Beratung bieten Impfzentren und Tropeninstitute. Manche Länder sind besonders gefährdet für bestimmte Reisekrankheiten (Sub-Sahara-Afrika mit Malaria, Südamerika/Asien mit Dengue) und auch die Reisezeit spielt eine wichtige Rolle, weil sich Risikogebiete durch das jahreszeitlich bedingte Klima verschieben können. Außerdem werden Medikamente an der Reisedauer und -art ausgerichtet.

Rechtzeitig impfen

Die Impfberatung sollte man sechs bis acht Wochen vor der Reise aufsuchen, da viele Impfstoffe ihre volle Wirkung erst nach zehn bis zwanzig Tagen entfalten. „Dennoch können auch bei einer Last-Minute-Reise Impfungen sinnvoll sein, damit man zumindest einen Teilschutz hat. Außerdem haben Tropenkrankheiten eine längere Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit), in der noch Antikörper gebildet werden können“, erklärt Dr. Christoph Specht.

„Wer die grundsätzlich empfohlenen Basisimpfungen gegen Tetanus, Polio, Diphterie und Keuchhusten auffrischt, hat sofortigen Schutz. Ähnlich ist es bei Hepatitis A und auch eine Malaria-Prophylaxe funktioniert kurzfristig – die Einnahme kurz vor Abflug ist ausreichend. Komplizierter ist es bei Gelbfieber. Nur autorisierte Impfstellen dürfen gegen Gelbfieber impfen. Dafür hält die Gelbfieberimpfung ein Leben lang“, so der Medizinexperte.

Dengue-Fieber

Das Dengue-Fieber ist weltweit eine der verbreitetsten Tropenkrankheiten: Mehr als 400 Millionen Menschen werden pro Jahr neu mit dem Erreger infiziert – meist treten grippeartige Symptome auf. Der Großteil der Infektionen mit Dengue-Fieber verlaufen glimpflich. Bei rund zwei Millionen jährlich nimmt es einen schweren Verlauf. Rund 25.000 Menschen sterben daran. Ein geringer Anteil dieser Menschen kommt in ein zweites Krankheitsstadium, mit hohem Fieber, mit Hautausschlägen, mit schweren Gelenk- und Gliederschmerzen. Diese Form des Verlaufes ist bei Reisenden und Urlaubern jedoch sehr selten.

Mücke sticht in Haut
Zika-Virus wird von Mücken übertragen.

„Bisher gibt es keine Medikamente, doch wohl bald einen Impfstoff, der gegen alle vier Varianten des Dengue-Virus schützen soll – es sieht vielversprechend aus“, erläutert Dr. Specht. „Übertragen wird Dengue übrigens von der gleichen Mücke, die als Hauptüberträger des Zika-Virus gilt. Es ist zu hoffen, dass mit entsprechender Modifizierung der Impfstoff auch gegen das Zika-Virus hilft. Es gibt aber auch andere Ansätze, einen Impfstoff gegen Zika zu entwickeln. Und es scheint ganz so, dass die alte Regel, dass ein Impfstoff mindestens zehn Jahre Entwicklungszeit braucht, nicht mehr stimmt. Neue Verfahren, die wir der Gentechnik verdanken, haben neue Möglichkeiten eröffnet.“

Übertragung von Zika

Das Zika-Virus wird hauptsächlich über die Mücke übertragen. „Zika kann auch über Blutkontakt und Samenflüssigkeit übertragen werden, doch diese Art der Übertragung macht bisher nur einen verschwindend kleinen Anteil aus. Das Auswärtige Amt rät davon ab, derzeit als Schwangere nach Mittel-und Südamerika sowie zu einigen pazifische Inseln Ozeaniens zu reisen. Ebenso wurden vor Ort erworbene Krankheitsfälle aus Ländern West- und Zentralafrikas und vermehrt aus Südostasien (Thailand,  Vietnam) registriert.

Zika kann zu schweren Missbildungen des Säuglings führen. Reiserückkehrer aus Zika-Gebieten sollten mindestens acht Wochen nur geschützten Sex mit Kondomen haben, rät zudem die WHO. Nach neuen Studiendaten sei das Virus nach Infektion länger als gedacht in Körperflüssigkeiten nachweisbar. Bisher war nur zu vier Wochen "safer sex" geraten worden. Mit dem Versuch, ein Kind zu zeugen, sollten Frauen und Männer sogar sechs Monate nach einer solchen Reise warten. Abstinenz oder Verhütung mit Kondomen wird auch Reisenden geraten, die Symptome wie Grippe während ihres Auslandsaufenthalts haben – es könnte eine Zika-Infektion sein.

Risiko Malaria

Nach Angaben der WHO ist Malaria weltweit für mehr als 219 Millionen Erkrankungsfälle und circa 660.000 Todesfälle verantwortlich – dies entspricht etwa 1800 Todesfällen pro Tag. Zwischen 500 bis 600 Malariafälle werden jedes Jahr in Deutschland gemeldet, allerdings kommt es sehr selten zu Todesfällen. Etwa 90 Prozent der erkrankten Deutschen bringt die Malaria aus Afrika mit, es kommt aber auch in anderen Reisezielen zu Malariaübertragungen.

„Die Prophylaxe sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, wenn sie für das entsprechende Reisegebiet empfohlen wird, sollte man sie auch durchführen. In vielen Gebieten reicht auch die Stand-by-Therapie, das heißt man hat das Medikament dabei und nimmt es eigenständig, wenn sich entsprechende Symptome zeigen. Das wichtigste ist: Nach Rückkehr aus einem Malariagebiet bei einer „Grippe“ immer und sofort an die Möglichkeit einer Malaria denken. Sie muss erst ausgeschlossen werden, bevor man anderweitig therapiert. Denn nach wie vor endet für Touristen die mit über 90 Prozent häufigste Form der Malaria, wie sie in Afrika vorkommt, tödlich, wenn sie nicht oder zu spät erkannt wird“, warnt Dr. Christoph Specht.

Vorbeugen

Gerade Tropenkrankheiten, gegen die es weder Impfung noch Medikamente gibt,
erfordern besonderen Schutz vor Ort. Vor allem gegen Mücken und andere Insekten.
Egal ob als Lotion, Salbe oder Spray – auf Haut und Kleidung. Außerdem wichtig:
Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt sowie Moskitonetze. Auch der Impfschutz gegen Tetanus und Diphtherie sollte, wenn nötig, aufgefrischt werden. Eine Impfung gegen Hepatitis A und B ist ebenfalls wichtig. Hierfür gibt es einen Kombi-Wirkstoff, der insgesamt drei Impfungen (0 – 1 – 6 Monate) erfordert. Viele haben schon nach den ersten beiden Impfungen einen Impfschutz, für einen langanhaltenden Schutz braucht es aber die drei Impfungen (Hep B). In einigen Ländern wird der Nachweis spezieller Impfungen bei der Einreise verlangt.

Außerdem sollte man bei Reisen in tropische Länder der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene besondere Beachtung schenken. Man sollte sich unbedingt vor der Sonneneinstrahlung schützen, niemals barfuß laufen, nicht in stehenden Gewässern baden und die Adresse der deutschen Botschaft im jeweiligen Land parat haben, falls man medizinische Hilfe braucht.

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