Versichert gegen Stornokosten

Rücktrittsversicherung zahlt nicht alles

Verbraucher | Volle Kanne - Versichert gegen Stornokosten

Jede zehnte Pauschalreise wird storniert und das kann teuer werden. Was man tun kann, um im Falle des Reiserücktritts nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben, erklärt Rechtsanwalt Kay P. Rodegra.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.05.2017, 14:00

Wer kurz vor einer Reise krank wird, hat doppelt Pech. Der lang ersehnte Urlaub fällt ins Wasser, und trotzdem muss man zahlen. Mit einer Reiserücktrittskostenversicherung kann man sich absichern. Doch leider kommt es immer wieder zu Streitfällen.

Wer kurz vor einer Reise krank wird, hat doppelt Pech. Der lang ersehnte Urlaub fällt ins Wasser, und trotzdem muss man zahlen. Mit einer Reiserücktrittskostenversicherung kann man sich absichern. Doch leider kommt es immer wieder zu Streitfällen.

Von einer gebuchten Reise kann man normalerweise nicht kostenlos zurücktreten. Für die Stornierung fallen Gebühren an. Die Stornokosten sind in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Veranstalters, festgelegt. Je näher der Reisebeginn rückt, desto höher werden die Stornokosten. „Wer am Abreisetag storniert, muss gegebenenfalls durchaus 80 bis 90 Prozent des Reisepreises zahlen. Der Urlauber hat aber immer den Anspruch darauf, zumindest einen Teil erstattet zu bekommen. Stornopauschalen von 100 Prozent sind unzulässig“, erklärt Rechtsanwalt Kay P. Rodegra.

Gründe für den Rücktritt

Der Abschluss einer Reiserücktrittskostenversicherung ist insbesondere sinnvoll, wenn die Reise sehr teuer ist, Kleinkinder oder ältere Menschen mitreisen oder die Reise lange Zeit im Voraus gebucht wird.

Damit der Versicherer im Ernstfall auch zahlt, müssen bestimmte Gründe vorliegen wie Unfälle, eine unerwartete schwere Erkrankungen oder der Tod eines nahen Angehörigen. Auch Schwangerschaft oder Impfunverträglichkeiten, die die Reise unmöglich machen, werden als Gründe akzeptiert. Der Versicherungsschutz tritt ebenfalls ein, wenn das Eigentum des Versicherten stark beschädigt wurde, zum Beispiel durch Einbruch oder Hochwasser. Bei manchen Versicherern ist eine Kostendeckung auch bei unverschuldeter Kündigung des Arbeitsplatzes gewährleistet, oder wenn der Versicherungsnehmer wegen einer Neuanstellung die Reise nicht antreten kann.

Bedingungen genau prüfen

Bei einer Buchung im Reisebüro wird dem Kunden häufig die Police eines bestimmten Versicherers angeboten. Das ist zwar bequem, dennoch sollten Sie Leistungen und Preise verschiedener Anbieter vergleichen. Dabei sollte man sich nicht nur auf den Preis, sondern auch darauf achten, welche Rücktrittsgründe abgesichert sind. Einige Versicherungen zahlen zum Beispiel auch bei Jobverlust oder Kurzarbeit. Viele Versicherungen fordern einen Selbstbehalt.

Allerdings hat man nicht unbegrenzt Zeit, sich für eine Versicherung seiner Wahl zu entscheiden. In den Versicherungsbedingungen ist festgelegt, wie lange der Kunde nach Buchung der Reise für den Abschluss Zeit hat. Da die Versicherungen dieses ganz unterschiedlich regeln, heißt es auch hier, die Angebote genau zu prüfen.

Nicht bei jeder Erkrankung

Euro-Scheine und Worte Unfall, Krank, Urlaub
Eine Versicherung lohnt sich besonders bei teuren Reisen. Quelle: imago

Bei leichten Erkrankungen wie Schnupfen tritt die Reiserücktrittskostenversicherung nicht ein. Die Erkrankung muss zur Reiseunfähigkeit führen. Wichtig ist, dass die Krankheitsursache nicht vorhersehbar war, etwa wenn sich der Versicherte kurz vor dem Urlaub das Bein bricht. Die meisten Streitigkeiten entstehen wegen chronischer Krankheiten. In den Bestimmungen der Versicherer steht in der Regel, dass keine Vorerkrankung vorliegen darf. Wer also ein chronisches Herzleiden hat, bekäme im Falle eines Herzinfarkts womöglich kein Geld zurück. Tipp: Lassen Sie sich bei einer Vorerkrankung die Reisefähigkeit von Ihrem Arzt bescheinigen.

Wenn eine Erkrankung eintritt, muss der Versicherte umgehend einen Arzt konsultieren. Stellt der die Reisefähigkeit infrage, muss die Versicherung sofort informiert werden. Wer mit der Meldung abwartet und die Reise nicht storniert in der Hoffnung, dass er rechtzeitig wieder gesund wird, riskiert den Versicherungsschutz.

Reise weiterverkaufen

Wer keine Rücktrittskostenversicherung hat oder aus anderen als den zulässigen Gründen den Urlaub nicht antreten möchte, kann versuchen, eine Pauschalreise auf eine dritte Person zu übertragen. Man kann die Reise also verschenken, verkaufen oder auch versteigern. „Die gesetzlichen Regelungen dazu finden sich im BGB (§ 651 b). Man teilt dem Reiseveranstalter mit, dass eine andere Person den Vertrag übernimmt. Der Reiseveranstalter kann nur ablehnen, wenn vernünftige Gründe dagegenstehen – zum Beispiel wenn die Ersatzperson eine Reise gar nicht durchführen kann (z.B. Trekkingtour) oder ein Gruppenvisum nicht mehr geändert werden kann“, so Reiserechtsexperte Rodegra.

Er ergänzt: „Die Mehrkosten, die bei der Übertragung der Reise entstehen, zum Beispiel für die Änderung der Reiseunterlagen, kann der Reiseveranstalter in Rechnung stellen. Der ursprünglich Reisende und die Ersatzperson haften gemeinsam dafür, den Reisepreis und die Mehrkosten zu bezahlen. Der Reiseveranstalter kann sich also aussuchen, von wem er das Geld einfordert.“

Im Streitfall

Im Streitfall kann man sich an einen Ombudsmann – einen unabhängigen Schiedsmann – wenden. Für Verbraucher ist das Ombudsverfahren kostenlos. Die Versicherung muss sich an die Entscheidung des Ombudsmanns halten, der Verbraucher nicht. Sollte der Ombudsmann keine Einigung im Sinne des Verbrauchers erzielen, sollten Sie sich an einen Anwalt wenden. Hilfe im Streitfall bieten auch Verbraucherzentralen.

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