Reizdarm-Syndrom durch Superfood?

Es ist unangenehm und lästig, doch viele leiden darunter: Das Reizdarm-Syndrom. Die Dunkelziffer wird auf etwa 11 Millionen Betroffene in Deutschland geschätzt. Im Verdacht der Experten als Auslöser steht das moderne "Superfood".

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Datum:
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Video verfügbar bis 01.11.2020

Von einem Reizdarmsyndrom spricht man, wenn Beschwerden wie Blähungen, wechselhafter Stuhlgang (Durchfall und/ oder Verstopfung) oder diffuse Schmerzen im Darm länger als drei Monate anhalten und zudem keine organische Ursache oder auslösende Erkrankung zu erkennen ist. Laut aktuellen Schätzungen sind in Deutschland etwa elf Millionen Menschen von einem Reizdarm-Syndrom betroffen. Es ist häufig nicht nur mit körperlichen Beschwerden, sondern auch mit psychischen Belastungen, Schamgefühl und einem größeren Leidensdruck verbunden.

Ursachen und Symptome

Beim Reizdarm-Syndrom handelt es sich um eine der häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Da sich keine eindeutige funktionelle Erkrankung oder organische Veränderung ausmachen lässt, werden einige Auslöser des Reizdarmsyndroms diskutiert.

Aktuell wird diskutiert, ob eine einseitige Ernährung mit so genanntem "Superfood" die Beschwerden eines Reizdarms verschlimmern oder sogar auslösen kann. Dabei sind Schlagworte wie "Mangelernährung" oder "Verdaulichkeit von Rohkost" häufig zu finden. Allerdings bedeutet der Konsum von Superfood nicht zwingend, dass eine Mangelernährung vorliegt, so Gastroenterologe Dr. Thomas Orth.

Rohkost per se ist schwer verdaulich, löst aber sicherlich kein Reizdarm-Syndrom aus. Dazu müssten mehrere Faktoren zusammenkommen. Jede Form einer einseitigen Ernährung ist grundsätzlich schlecht. Wir wissen seit vielen, vielen Jahren, dass der Körper eine ausgewogene Mischkost im Grunde genommen braucht.“
Dr.Thomas Orth, Gastroenterologe

Diagnose

Der richtige Ansprechpartner ist zunächst ein Gastroenterologe. Er erkundigt sich nach der Krankengeschichte und der Art, Häufigkeit und dem ersten Auftreten der Beschwerden. Im Anschluss erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Der Bauch wird abgetastet und der Darm auf Geräusche abgehört. Einige Untersuchungen können folgen, um eine organische Veränderung oder Grunderkrankung auszuschließen. Hierzu gehören Tests im Hinblick auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten, eine Darmspiegelung, Ultraschall und Bluttests. Erst, wenn alle anderen möglichen Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen sind, spricht man von Reizdarm-Syndrom.

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In Deutschland sind bis zu 400.000 Menschen von einer solchen Erkrankung betroffen.

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Therapie

Gegen die krampfartigen Schmerzen können entkrampfende Mittel helfen und Abführmittel gegen Verstopfung. Außerdem können Durchfallmedikamente und Präparate, die die Darmaktivität anregen, in Frage kommen. Ein Problem ist, dass diese Medikamente Beschwerden lindern, die Krankheit aber ursächlich nicht heilbar ist. Deshalb sollten stärkere Medikamente nur dann eingesetzt werden, wenn sie für die Linderung von Beschwerden absolut notwendig sind. Einige Experten sehen hier den Einsatz von opioidhaltigen Schmerzmitteln und Magensäureblockern, die beide Abhängigkeiten hervorrufen können, sehr kritisch.

Selbsthilfe

Jeder kann in der Regel viel tun, um die Beschwerden eines Reizdarms abzumildern. Eventuell kann auch eine Ernährungsberatung sinnvoll sein. Es gibt Nahrungsmittel, die Probiotika enthalten und über “gute Bakterien“ helfen, die Darmflora aufzubauen. Außerdem wichtig ist eine fettarme, vitaminreiche und vollwertige, ausgeglichene Ernährung. Betroffene sollten blähende Kost und scharfe Speisen meiden. Mahlzeiten sollten in Ruhe zu regelmäßigen Zeiten eingenommen werden. Wichtig ist, darauf zu achten, eine mögliche Mangelernährung nicht entstehen zu lassen oder (zum Beispiel bei veganer Kost) wenn nötig, sinnvoll auszugleichen. Das ist für Menschen mit einem empfindlichen Darm besonders wichtig. Schwer verdauliche Lebensmittel (wie Rohkost) können schonend zubereitet werden (zum Beispiel gedünstet) nahezu ohne, dass deren wichtige Inhaltsstoffe verloren gehen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig.  Alkohol in größeren Mengen und Nikotin sollten möglichst gemieden werden. Sport und körperliche Bewegung regen auch die Darmtätigkeit positiv an. Zusätzlich spielt eine ausgeglichene Lebensweise mit ausreichend Schlaf eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit. Entspannungstechniken können unterstützende Maßnahmen sein.

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