Der Altersarmut entkommen

Altersvorsorge in Niedrigzins-Zeiten

Verbraucher | Volle Kanne - Der Altersarmut entkommen

Um Altersarmut zu vermeiden, sollten Arbeitnehmer vorsorgen; ZDF-Finanzexperte Frank Bethmann liefert einen Überblick.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.04.2017, 14:00

Die Prognosen sind düster: Berechnungen zufolge droht fast jedem zweiten Bürger in Deutschland, der ab 2030 in den Ruhestand geht, Altersarmut. Während im Bundesarbeitsministerium an einer Rentenreform gearbeitet wird, ist das Thema schon längst auf der Wahlkampf-Agenda gelandet. Arbeitnehmer sollten nach Möglichkeit betrieblich vorsorgen und Rücklagen bilden.


Drei Möglichkeiten hat man, um für das Alter vorzusorgen. Neben der gesetzlichen Rente kann man zusätzlich privat und mithilfe des Arbeitsgebers auch betrieblich vorsorgen.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, alle dieser Möglichkeiten auszuschöpfen, denn das gesetzliche Rentenniveau wird bis 2030 weiter sinken, auf dann nur noch 43 Prozent des Durchschnittslohnes. Es geht also darum, eine sich abzeichnende Lücke auszugleichen.

Riester nicht kündigen

Für die private Altersvorsorge hat der Gesetzgeber bei seiner letzten Rentenreform die Riester-Rente ins Leben gerufen. Doch die Hoffnungen auf eine durchschnittliche Verzinsung von vier Prozent auf diese Produkte haben sich nicht erfüllt. Was tun?

Zunächst einmal sollte man seine Riester-Rente nicht vorzeitig kündigen. Solange es die staatliche Zulage gibt, sollte man sich diese weiterhin sichern. Oder aber alternativ seine Beiträge bis auf weiteres einfrieren – wer weiß, irgendwann steigen die Zinsen auch wieder. Mit einer Kündigung würde man sofort die Verluste realisieren, die durch die teilweise hohen Abschlussgebühren gleich zu Anfang entstanden sind. Das sollte man vermeiden. Außerdem sind wenigstens die eingezahlten Beiträge sicher. Das garantieren Riester-Produkte. Und es geht ja darum, weitere Einkünfte für das Alter anzusparen.

ETFs als Alternative

Die Alternativen zum Nicht-Riestern könnten ETFs, indexorientierte Aktienfonds, sein. Dies sind Fonds, die den Verlauf eines Aktienindex, beispielsweise des Dax, nachbilden. Auf diese Art und Weise kann man mit relativen kleinen monatlichen Summen am Erfolg an den Aktienmärkten partizipieren. Aber Vorsicht: Diese ETFs sind nicht komplett risikofrei. Berechnungen der Vergangenheit haben aber gezeigt, dass derjenige, der zehn oder fünfzehn Jahre in solche Fonds, die sehr niedrige Kosten haben, einbezahlt hatte, überdurchschnittlich gute Renditen erwirtschaften konnte.

Anzumerken ist ferner, dass man rechtzeitig, etwa vier bis fünf Jahre vor dem Renteneintritt, diese Fonds verkaufen sollte und das angesparte Geld dann auf einem Tagesgeldkonto oder Festgeldkonto parken sollte, bis es gebraucht wird. So ist man nicht gezwungen, die Fonds zu verkaufen, wenn es beispielsweise gerade an den Aktienmärkten abwärts geht. Passen Sie für den Verkauf also den richtigen Zeitpunkt ab.

Neue Pläne für die Rente

Das Problem ist, dass sich vielfach Geringverdiener, Arbeitslose, Alleinerziehende oder selbstständige Kleinunternehmer keine dieser Formen der Altersvorsorge leisten können. Deswegen muss der Gesetzgeber jetzt erneut über eine Reform der Renten nachdenken. Im Gespräch sind höhere Anreize für Riester-Renten-Produkte (beispielsweise durch eine höhere staatliche Förderung) oder eine verpflichtende Regelung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zusätzlich zur Rente auch betrieblich Geld für das Alter anzusparen.

Ebenso wird eine Deutschland-Rente ins Spiel gebracht. Darunter versteht man, dass das Land Deutschland einen Fonds auflegt, in den dann die Bürger Beiträge einzahlen – wie bei einem Riester-Produkt. Der Staat fungiert dann als Vermögensverwalter, der die Gelder am internationalen Kapitalmarkt anlegt. Dieses Modell existiert bereits in Ländern wie Norwegen oder Schweden und funktioniert dort ganz gut, wohl auch weil der Staat sicherlich mit niedrigeren Kosten arbeitet als die Finanzindustrie.

Experten denken auch darüber nach, die Riester-geförderten Produkte einzufrieren und stattdessen die Möglichkeit zu eröffnen, neben seinen Pflichtbeiträgen zusätzlich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, um so seine persönliche Rentenlücke zu schließen. Dies würde zwar keine zusätzlichen Zinsen bringen, immerhin aber wären die Beiträge inflationsgeschützt – und sicher.

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