Mobile Retter per App

Zusätzliche Unterstützung für Rettungsdienste

Verbraucher | Volle Kanne - Mobile Retter per App

Wenn das Herz zu schlagen aufhört, kommt oft jede Hilfe zu spät. Umso wichtiger ist eine schnelle Hilfe. Mobile Retter sollen dabei den Rettungsdienst per App unterstützen. Wie funktioniert das?

Beitragslänge:
11 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.04.2017, 10:05

Wenn das Herz zu schlagen aufhört, kommt jede Hilfe zu spät. Im deutschen Reanimationsregister werden jährlich rund 75.000 Patienten registriert, die außerhalb des Krankenhauses einen akuten Herzkreislaufstillstand erleiden. Davon können nur etwa 5000 so gerettet werden, dass sie wieder gesund ins Leben zurückkehren. Seit gut zwei Jahren unterstützen dabei „Mobile Retter“ den Rettungsdienst.

Wer einen Herzkreislaufstillstand erleidet, stirbt oder hat schwere Folgeschäden. Obwohl es keine Garantie für den Erfolg einer Reanimation gibt, gehen Notärzte davon aus, dass man durch schnellere Hilfe rund 10.000 Betroffene jährlich retten könnte – doppelt so viele wie derzeit.

Lebenswahrscheinlichkeit sinkt drastisch

Das Gehirn ist das sauerstoffempfindlichste Organ des Menschen: Sobald die Versorgung eingestellt wird, leiden alle anderen Körperfunktionen, die von dort gesteuert werden. Experten schätzen, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten nach Einsetzen des Herzkreislaufstillstands pro Minute um circa zehn Prozent sinkt.

Das heißt, selbst wenn der Patient den Zusammenbruch überlebt, kann das Gehirn schwere Schäden bekommen, beispielsweise in Form von psychischen und physischen Behinderungen.

Reanimation kann nicht warten

Um die Abwärtsspirale zu unterbinden, muss der Patient möglichst schnell reanimiert werden. Fachärzte gehen davon aus, dass Wiederbelebungsmaßnahmen spätestens drei bis fünf Minuten nach dem Herzkreislaufstillstand einsetzen müssen. Dann kann der Patient ohne drastische Einschränkungen seiner Lebensqualität überleben. Denn der Kreislauf kann einige Minuten lang durch Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung aufrechterhalten werden. Danach sollten umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Laien sind häufig überfordert

Ersthelfer am Einsatzort, die den Patienten finden, sind nicht unbedingt in der Lage, qualifizierte Reanimationsmaßnahmen einzuleiten. Sie stehen unter Schock, sind überfordert oder haben keine ausreichenden Kenntnisse. Bereits seit einigen Jahren gibt es in Deutschland daher regionale Ersthelfergruppen, die noch vor dem Eintreffen des Rettungsdiensts Hilfe am Unfallort leisten.

Häufig sind sie an Verbände wie das Deutsche Rote Kreuz oder die Malteser angegliedert. Die Beteiligten müssen eine Ausbildung zum Sanitäter mitbringen und werden auf freiwilliger, ehrenamtlicher Basis bei jeglicher Art von Notfällen eingesetzt. Sie übernehmen neben Reanimationsaufgaben zum Beispiel auch die vorläufige Wundversorgung und sind mit ausreichend Notfallequipment ausgestattet. Die Gruppen sind vor allem in ländlichen Gebieten tätig, also dort, wo das Netz des Rettungsdiensts weniger dicht ist.

Per GPS zum Einsatzort

Zusätzlich unterstützen seit gut zwei Jahren auch „Mobile Retter“ den Rettungsdienst. Der Unterschied: Sie werden nur bei Notfällen mit Verdacht auf Herzkreislaufversagen eingesetzt. Ihr Ziel ist es, das kritische Zeitfenster für Reanimationsmaßnahmen durch spezialisierte, einfache Arbeit zu schließen. Die ehrenamtlichen Teilnehmer müssen Reanimationserfahrung mitbringen, ob als Rettungsschwimmer oder Betriebssanitäter. Sie arbeiten ohne großes Equipment und leiten die Wiederbelebung ein.

Um möglichst schnell zu sein, werden die Einsätze über eine Smartphone-App gesteuert. Die Software ist an die Leitstellen der Rettungsdienste gekoppelt. Sobald dort ein Notruf wegen Herzkreislaufversagen eingeht, ortet das Programm den Retter, der sich am nächsten zum Einsatzort befindet und innerhalb des Zeitfensters dort wäre. Der Retter wird parallel zum Rettungsdienst über sein Handy alarmiert und per GPS zum Einsatzort gelotst.

Neben Technik zählt Engagement

Ähnliche Systeme gibt es bereits in Dänemark oder Israel. In Deutschland ist die App einzigartig. Entwickelt hat sie der Notarzt Dr. Ralf Stroop. Seine Software kann von den Leitstellen kostenpflichtig genutzt werden. Neben der mobilen Anwendung besteht das Konzept aus dem Verein "Mobile Retter e.V.". Dort können sich Interessierte anmelden und bei der App registrieren. Der Verein übernimmt außerdem die Einsatzbetreuung und Ausbildung der Helfer. Um ihr Vorwissen zu festigen, besuchen alle Teilnehmer einen mehrstündigen Trainingslehrgang. Der Verein finanziert sich durch Spenden und Zuschüsse der beteiligten Städte und Stadtkreise. Bisher gibt es die App im Kreis Gütersloh und im Kreis Germersheim.

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