Parkinson richtig therapieren

Die wichtigsten Säulen der Parkinsonbehandlung

Verbraucher | Volle Kanne - Parkinson richtig therapieren

Mit einer Videoüberwachung werden Parkinson-Patienten zu bestimmten Bewegungsabläufen animiert. Dabei wird der Patient genau beobachtet. Was bringt die Video-Langzeitbeobachtung?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.04.2017, 14:00

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In der Bundesrepublik haben nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung 240.000 bis 280.000 Menschen die unheilbare Krankheit. Die Patienten sind bei der Diagnose im Durchschnitt 60 Jahre alt, bei fünf bis zehn Prozent macht sich die Krankheit schon im Alter zwischen 20 und 40 Jahren bemerkbar. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

In 80 Prozent der Fälle tritt die Parkinson-Erkrankung ohne erkennbare Ursache auf. In seltenen Fällen ist sie erblich bedingt. Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Dioxinbelastungen in der Atemluft werden diskutiert. Bei Parkinsonpatienten sterben Nervenzellen in einem Hirnareal, der Substantia Nigra ab. Dadurch kommt es zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin. Die Kommunikation der Nervenzellen untereinander ist gestört. Es kommt zu einer Verlangsamung und Ausführung willkürlicher Bewegungen.

Nicht alle Patienten zittern, aber allen gemeinsam ist die Bewegungsarmut und der Rigor, das heißt die Muskulatur versteift. Die Patienten machen beim Gehen kleine Schritte, typisch ist, dass sie beim Drehen des Körpers um die eigene Achse mehrere Schritte brauchen. Dazu können auch Sprechstörungen auftreten.

Bis heute ist Morbus Parkinson nicht heilbar. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich viele Krankheiten, die einst als unheilbar galten, dank medizinischer Fortschritte als durchaus behandelbar herausgestellt. Das gilt auch für die Parkinson-Erkrankung.

Diagnose und Therapie

Verbesserte diagnostische Verfahren und Früherkennung führen oft auch zu einer früher einsetzenden und individuell angepassten Therapie. Nach ausführlichen Vorgesprächen mit Betroffenen und Angehörigen, Bluttests (auf Dopamin) und einer umfangreichen körperlichen Untersuchung, geben bildgebende Verfahren wie CT oder MRT Aufschluss über das strukturelle Ausmaß der Krankheit im Gehirn.

In einigen Fällen kann auch eine Untersuchung im Schlaflabor helfen, die Krankheit und ihre Auswirkungen genauer zu erkennen. Denn einige Patienten leiden unter Schlafstörungen: Unruhe im Schlaf, Schmerzen in den Beinen sowie zu große Bewegungen während der Traumschlafphase (REM-Phase).

Wichtige Medikamente helfen

Die wichtigste Säule in der Parkinsontherapie ist die Medikamentengabe. Der Wirkstoff L-Dopa spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt die L-Dopa Gabe aber erst ab einem Alter von 70 Jahren, da es bei früherer Gabe zu vermehrten Überbewegungen (Dyskinesen) kommen kann. Bei jüngeren Patienten kommt in der Regel ein anderes Medikament zum Einsatz.

Im Laufe der Erkrankung wird es sehr wichtig, dass der Patient die Medikamente immer zum gleichen Zeitpunkt einnimmt, um eine plötzliche Bewegungsunfähigkeit durch Wirkungsschwankungen zu vermeiden. Die Tabletteneinnahme alle drei Stunden kann für den Parkinsonpatienten lebensbestimmend werden.

Die genaue Einstellung mit Medikamenten ist nicht einfach, denn bei Parkinsonpatienten ist auch der Magen motorisch gestört. Während die Passagezeit vom Magen bis zum Darm bei einem Gesunden eineinhalb Stunden beträgt, kann das bei einem Parkinsonpatienten, der häufig unter Verstopfung zu leiden hat, bis zu sechs Stunden dauern.

Videobeobachtung zur Medikamenteneinstellung

Zur genauen Medikamenteneinstellung hat sich inzwischen eine drei- bis vierwöchige Videoüberwachung bewährt, die in der Regel von den Kassen übernommen wird. Der Patient bekommt dafür ein Videosystem zu Hause installiert, das er drei Mal täglich immer zur gleichen Zeit anschalten muss. Dann muss er nach einer Tonbandansage per Lautsprecher standardisierte Bewegungen ausführen. Außerdem hat er Zeit, sein tägliches Befinden zu kommentieren.

In dieser Zeit wird der Patient von den Ärzten mehrfach die Woche telefonisch betreut. Anhand der späteren Bewegungsanalyse über einen Zeitraum von mehreren Wochen können Neurologen die Medikamentengabe noch genauer anpassen. Vorher blieb ihnen nur der Fragebogen oder die Aussage des Patienten bei einem Praxisbesuch.

Täglich den Körper bewegen

Für Parkinson-Patienten ist Bewegung eine zweite wichtige Säule der Therapie. Signifikante Bewegungsverbesserungen erzielt die sogenannnte BIG-Therapie, bei der unter Anleitung eines Therapeuten auf die Ausführung besonders großer Bewegungen geachtet wird. Auch ein Trainer ist hilfreich, da dieser regelmäßige Bewegungsabfolgen mit Parkinson-Patienten durchführen kann.

Wer noch dazu in der Lage ist, sollte Nordic Walking in seinen täglichen Alltag mit einbeziehen und dabei besonders auf große, raumgreifende Bewegungen achten. Also Riesenschritte und große Armbewegungen. Tägliche Bewegung hilft gegen Muskelversteifung und gibt den Patienten das Gefühl, aktiv etwas gegen die Erkrankung zu tun.

Tiefe Hirnstimulation mit Hirnschrittmacher

Haben Medikamente im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr den gewünschten Erfolg, kann in manchen Fällen ein Eingriff, die tiefe Hirnstimulation, Hilfe bringen. Dabei wird eine Elektrode operativ ins Gehirn eingebracht, welche über einen Impulsgeber in der Brust stimuliert wird. Das Verfahren kann die Lebensqualität vieler Betroffener erheblich verbessern.

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