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Kinder und ihre Internet-Idole

Mit der Social-Media-Nutzung der Kinder umgehen

Influencer auf Instagram oder YouTube sind längst in den Kinderzimmern angekommen. Für viele Kinder und Jugendliche sind sie wahre Stars. Die Eltern sind vom Mediennutzungsverhalten ihrer Sprösslinge eher überfordert. Wie finden beide Welten zueinander?

8 min
8 min
11.02.2020
11.02.2020
Video verfügbar bis 11.02.2021

Jedes zweite Kind zwischen sechs und 13 besitzt ein eigenes Smartphone. Bei den 12- bis 19-Jährigen sind es schon 97 Prozent, so das Ergebnis der KIM-Studie, einer regelmäßigen Basis-Studie zum Stellenwert der Medien im Alltag von Kindern. Sie besagt auch, dass Videos anzugucken bei Kindern auf Platz drei der beliebtesten Freizeitaktivitäten steht. Kein Wunder also, dass die Kanäle der YouTube- und Instagram-Stars steigende Fan-Zahlen gerade bei den jüngeren Nutzern verzeichnen.    

Ob Mode, Kosmetik, Computer oder Ernährung: Die Themen der Social-Media-Stars, womit sie sich in Filmen oder auf Fotos zeigen und wofür sie werben – all das hat Einfluss auf ihre Fans. Beeinflussen können die Influencer beispielsweise, wofür die Kids ihr Geld ausgeben. Klassische Werbung über Zeitschriften oder Fernsehen funktioniert bei jungen Menschen nicht mehr. Deshalb wird immer mehr Geld in Internet-Werbung gesteckt. Genau darauf will der Safer-Internet-Day aufmerksam machen.

Inhalte oft nicht kindgerecht

„Das Problem liegt vor allem bei den Jüngeren“, sagt Robin Blase, der selbst YouTuber ist und sich für ein sicheres Internet engagiert. „Immer mehr Kinder im Grundschulalter  haben Smartphones und schauen darauf mehr oder weniger kontrolliert Videos, die nicht für ihr Alter gedacht sind“, skizziert er. Er appelliert an die Eltern, sich bewusst zu machen, dass YouTube und andere Apps sich für Kinder im Grundschulalter nicht ohne Aufsicht eigneten, da Bilder und Video-Inhalte oft nicht kindgerecht seien.

„Für jüngere Kinder ist ‚YouTube Kids‘ eher geeignet, da es manuell auf kindgerechte Inhalte kontrolliert wird.“ Außerdem empfiehlt er, Apps gemeinsam mit den Kindern auf dem Smartphone zu installieren und dabei klare inhaltliche Grenzen zu setzen. Wichtig sei es außerdem, einen zeitlichen Rahmen für die Internetnutzung vorzugeben und diesen auch zu kontrollieren. Es sei auch wichtig mit dem eigenen Kind zu besprechen, was es von sich preisgeben darf, etwa in Bezug auf Bilder oder persönliche Daten.

Sich für die Welt der Kids interessieren

Man könne nicht früh genug damit anfangen, Medienkompetenz bei den Kindern aufzubauen – am besten schon bevor das Kind ein eigenes Smartphone hat, so die Empfehlung von Robin Blase. Dies solle aber nicht oberlehrerhaft geschehen. „Sich selbst für die Interessen der Kids interessieren, sich zusammen hinsetzen und deren Lieblingsvideos anschauen, nachhören, warum sie etwas ‚cool‘ finden. Oder aber sich auch mal alleine ein bisschen auf YouTube oder anderen Kanälen schlau machen, was da gerade so im Trend ist“, empfiehlt er. Dann habe man eine Ahnung davon, über welche Dinge sich die Kids gerade unterhalten, was sie gut finden. Außerdem fühlten sie sich ernst genommen, wenn man als Erwachsener selbst ein wenig Ahnung habe. „Wenn man so das Vertrauen der Kinder gewinnen kann, kommen sie auch eher, wenn es mal Probleme gibt“, so Robin Blase, der selbst auch Vater ist.

Gucken und erklären

Beim gemeinsamen Gucken könne man als Elternteil zudem erklären, wie Werbung in den Videos eingesetzt wird. Denn zu erkennen, welche Inhalte Werbung sind und welche nicht, sei gar nicht so einfach. „Mit dem Wort ‚Produktplatzierung‘ kann ein Kind vielleicht erst einmal nichts anfangen. Man kann Kinder aber zum Beispiel darauf aufmerksam machen, dass die Lieblings-Stars zum Teil mit Produkten, die sie als ‚toll‘ anpreisen, viel Geld verdienen“, erklärt Robin Blase.

Außerdem könne es lehrreich sein, mit den Kids zu überprüfen, woher eine Nachricht oder Behauptung kommt und wie viel Wahrheitsgehalt dahinter steckt. „Manchmal entstehen hunderte Posts aus einer einzigen Quelle. Wird der Fakt nicht mindestens von einer zweiten seriösen Quellen bestätigt, sollte man ihm lieber keinen Glauben schenken“, so Blase.

Fakten-Check-Seiten

Inhalte kritisch betrachten

Insgesamt zeichne sich ab, dass Social Media zunehmend professioneller werde und die Inhalte dem Fernsehen immer näher kommen – mit dem Unterschied, dass bei Social Media jeder die Möglichkeit habe, sich zu äußern und ein Publikum zu finden, so Robin Blase. „Das ist etwas ganz Tolles – sorgt aber auch dafür, dass auch Menschen eine Stimme bekommen, vor denen ich meine Kinder eher schützen würde“, gibt der Experte zu bedenken.

Daher sei es wichtig, Kindern verständlich zu machen, dass nicht alles, was sie da sehen, echt ist. „Nicht jeder der da etwas behauptet, weiß auch, wovon er oder sie redet. Und im Zweifel sind das eher Schauspieler, die damit ihr Geld verdienen, als echte Menschen, die wirklich so leben.“

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